Die 13.000 ist aus Stein gemeißelt

Nachdem der Dax sich den gesamten Tag über um die 13.000-Punkte-Marke bewegte, fiel er kurz vor Börsenschluss ab. Im Fokus der Händler stand die Lufthansa. Größere Veränderungen könnte die morgige EZB-Sitzung bringen.


Die 13.000 scheint aus Stein gemeißelt zu sein. Ja, zeitweise bröckelte sie und geriet am gestrigen Donnerstag gar arg ins Wanken, als der Dax bis auf drei Punkte rankam an die historische Marke. Doch jeder Anlauf, den die Anleger auf den noch nie erreichten Meilenstein wagen, war bisher zum Scheitern verurteilt. So auch am heutigen Dienstag. In einem engen, spannenden Handel preschten die Börsianer am Vormittag aus ihrer Deckung und kamen bis auf 20 Punkte ran. Das war genauso vergeblich wie das Aufbäumen mit dem Wall Street-Auftakt. Am Ende ging der Deutsche Aktienindex 0,2 Prozent schwächer bei 12.949 Punkten aus dem Handel.

Der Gipfelsturm ist vertagt, die Hoffnungen ruhen nun auf den Daten der nächsten Tage. Denn der Kalender ist aktuell leer. „Insgesamt fehlen neue Impulse, die für die notwendige Bewegungsdynamik sorgen“, kommentierte Analyst Christian Schmidt von der Helaba. Möglich sei, dass die in dieser Woche beginnende US-Quartalsberichtssaison zum Ausbruch des Dax über die psychologisch wichtige Hürde verhelfen könnte, doch „das Pendel könnte auch zur anderen Seite ausschlagen, sofern die Zahlen und vor allem der Ausblick der Unternehmen nicht überzeugen“.


Zusätzlich zur dünnen Nachrichtenlage erschwert der Streit um eine mögliche Unabhängigkeit Kataloniens den Handel. Die politische Eskalation zwischen der spanischen Zentralregierung und der Regionalregierung in Barcelona gibt den Bremsklotz. Der Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, hat für Dienstagabend um 18.00 Uhr – also nach Frankfurter Handelsschluss – eine Rede im Parlament angekündigt und Experten erwarten, dass er die Unabhängigkeit Kataloniens erklärt. Allerdings nimmt der Druck auf Separatisten zu, den Konflikt nicht zu verschärfen.

Der spanische Ibex schloss ein halbes Prozent nach auf 10.138 Punkte. Damit lief der Handel deutlich schärfer als der in der Euro-Zone. Deren Leitindex, der Euro-Stoxx-50, gab 0,4 Prozent nach auf 3597 Zähler. Erneut gehörten die Aktien spanischer Banken zu den größten Verlierern, da Investoren Geschäftseinbußen der Geldhäuser befürchten.

Analysten der Schweizer Bank UBS rechneten allerdings damit, dass es nur in begrenztem Ausmaß zu weiteren Kursverlusten an der Madrider Börse kommt: „Die starken Kurseinbrüche der vergangenen Tage halten wir für übertrieben, da die großen spanischen Firmen den Großteil ihrer Umsätze außerhalb Spaniens erwirtschaften.“


Die zweite deutsche Börsenliga, der MDax kam mit 25.819 Punkten auf ein minimales Plus von wenigen Punkten. Der TecDax gab 0,2 Prozent nach. Mit zwischenzeitlich 2508 Zählern hatte er historische Höhen aus dem Jahre 2001 erklommen. In New York rückte der Dow-Jones-Index 0,2 Prozent vor auf 22.808 Zähler. Der breitere S & P 500 gewann ebenfalls 0,2 Prozent hinzu und kam auf 2549 Stellen. Die Tech-Börse Nasdaq brachte es in ihrem Composite auf 6588 Punkte – ein Plus von 0,1 Prozent.

Schon vor dem Handel hatte Fernost erfreuliche Signale gesendet – sie blieben ignoriert. Asiens führender Finanzplatz Tokio verbuchte solide Gewinne. Der Platzhirsch Nikkei 225 hat ein Plus von 0,6 Prozent vorgelegt, der breite Topix kam auf ein halbes Prozent an Aufschlag. In China legten der CSI 300 und der Composite der Börse Shanghai um 0,2 und 0,3 Prozent zu.


Anleger loben Digitalisierung der Deutsche Post


Unter den Titeln im Dax war die Deutsche Post am gefragtesten, die Aktien des Logistikers stiegen um bis zu zwei Prozent. „Die haben sich so Schritt für Schritt nach oben gemogelt“, sagte ein Händler. „Vermutlich liegt das an den Nachrichten zu Nvidia“ Der US-Konzern hatte neue Chip-Einheiten für autonom fahrende Fahrzeuge vorgestellt, die unter anderem auch von der Deutschen Post eingesetzt werden sollen. Nvidia legten in New York in der Spitze über vier Prozent zu. Just heute hatte ein Post-Sprecher bekannt gegeben, dass die Bonner selbstfahrende Modelle ihres elektrischen Lieferwagens StreetScooter testen wollen.

Die Papiere des Industriegase-Spezialisten Linde, der 2018 mit dem US-amerikanischen Konkurrenten Praxair zusammen gehen wird, legten um mehr als ein Prozent zu. Am gestrigen Dienstag hatte die Privatanlegervereinigung DSW den Aktionären vom Umtausch ihrer Papiere abgeraten. Der bayerische Konzern bietet seinen Investoren für jede alte Aktie 1,54 Papiere der neuen Linde PLC an.


Die Aktien des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care sind am Dienstag in den Abwärtsstrudel des US-Konkurrenten DaVita geraten. Sie verloren 3,2 Prozent und waren mit Abstand der größte Verlierer im Dax- Die Papiere des Mutterkonzerns Fresenius SE gaben gut ein Prozent nach. Händler führten das Minus auf den Kurseinbruch bei DaVita an der Wall Street zurück. Sie rauschten am Montag um zehn Prozent nach unten, nachdem Analysten der Bank JP Morgan ihr Rating für DaVita auf „underweight“ von „neutral“ zurückgenommen haben.

Im TecDax waren die Aktien von Evotec mit einem Kursplus von 2,3 Prozent unter den größten Gewinnern. Das Biotech-Unternehmen erhielt im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Partner Celgene eine erste Meilensteinzahlung von fünf Millionen Euro, die im dritten Quartal 2017 verbucht werden.

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KONTEXT

Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

20. Juni 2017

Einen Tag vor der Sommersonnenwende des Jahres 2017 treiben Dax-Anleger das deutsche Börsenbarometer erneut auf einen Rekord. Im Verlauf des Handelstages steigt der Dax auf 12.952 Punkte. Es sollte ein schwieriger Sommer folgen.

9. Oktober 2017

Nach einem starken September, der ganz anders ausfiel als sein Ruf auf dem Parkett, setzten die Dax-Anleger ihren Angriff auf die 13.000 Punkte im Oktober fort. Bis auf drei Punkte kam der Frankfurter Platzhirsch ran an die historische Marke. Für mehr als das Allzeithoch von 12.997 Punkten reichte es am Montag aber nicht.