Tadschikische Polizei: Oppositionelle für Tod von Touristen verantwortlich

Eintrag in Kondolenzbuch für Touristen in Duschanbe

Für den tödlichen Angriff auf Touristen aus Europa und den USA haben die Behörden in Tadschikistan eine verbotene islamische Oppositionspartei verantwortlich gemacht. Das Innenministerium in Duschanbe erklärte am Dienstag, hinter dem Angriff gegen die Radfahrer stecke die Partei der islamischen Wiedergeburt. Die Angreifer hätten auf Anordnung des "aktiven Parteimitglieds" Nossirchudschi Ubaidow gehandelt.

Den Angriff führte demnach ein weiteres "aktives Mitglied" der Partei aus, der 33-jährige Hussein Abdussamadow. Dieser sei festgenommen worden und habe ausgesagt. Den Ermittlern zufolge absolvierte Abdussamadow im Iran ein "ideologisches und militärisches Training zur Verübung von Sabotageakte". Er sei zu diesem Zweck zwischen 2014 und 2015 vier Mal in den iranischen Städten Ghom und Masandar gewesen, erklärte das Innenministerium. Abdussamadow habe im Iran Ubaidow die Treue geschworen.

Die Beziehungen zwischen Tadschikistan und dem Iran haben sich seit der Hinwendung der ehemaligen Sowjetrepublik zu dem mit Teheran verfeindeten Saudi-Arabien stark verschlechtert.

Bei den am Sonntag getöteten Radfahr-Touristen handelte es sich nach Behördenangaben um zwei US-Bürger, einen Schweizer und einen Niederländer. Ein weiterer Niederländer und ein Schweizer wurden verletzt, ein Franzose kam unversehrt davon. Die tadschikischen Behörden hatten zunächst von einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht gesprochen. Dann verdichteten sich aber die Hinweise auf eine gezielte Attacke.

Auf der Jagd nach den Tätern erschoss die Polizei nach eigenen Angaben vier Verdächtige. Vier weitere nahm sie fest, darunter den angeblich geständigen Abdussamadow. Am Montagabend hatte allerdings die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) den Angriff für sich beansprucht.

Das mehrheitlich von sunnitischen Muslimen bewohnte Tadschikistan ist die ärmste der ehemaligen Sowjetrepubliken. Seit 1992 wird es autoritär von Staatschef Emomali Rachmon regiert. Die Behörden gehen hart gegen religiösen Fundamentalismus vor. 2015 machte Tadschikistan mit strengen Maßnahmen wie erzwungenen Bartrasuren und Einschränkungen für die Pilgerreise nach Mekka von sich reden. Der Westen kritisierte damals das Verbot der als gemäßigt geltenden Partei der islamischen Wiedergeburt.