Angerer zu Doping-Verdacht: "Erfolge sauber erreicht"

Franziska Wendler

Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Pyeongchang droht dem Langlauf ein Doping-Skandal enormen Ausmaßes.

Seit 2001 soll rund ein Drittel aller Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften von gedopten Athleten gewonnen worden sein. Dies ergaben Recherchen der ARD-Dopingredaktion und der Sunday Times.

Auch 22 deutsche Sportler sollen demnach betroffen sein.

Im Gespräch mit SPORT1 äußert sich Tobias Angerer, früherer Gesamtweltcup-Sieger und zehnmaliger Medaillengewinner bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, zu den Vorwürfen, die in seiner Sportart erhoben werden.

Angerer fordert Namen

Eine geheime Datenbank eines Whistleblowers legt den Verdacht nahe, dass zwischen 2001 und 2010 rund 290 Langläufer "abnormale" Blutwerte aufgewiesen haben. Tobias Angerer vermisst bei den Vorwürfen vor allem eines: Stichhaltige Beweise.

"Es wird immer nur von einem Verdacht gesprochen. Für mich wäre es wichtig auch einmal namentlich zu benennen, wer gedopt haben soll. Wo sind die Namen? Die würde ich gerne einmal sehen", fordert der 40-Jährige.

Generell ist Angerer über die Vorgehensweise bei derartigen Skandalen verärgert: "Die Art und Weise wie hier kommuniziert wird, ohne Fakten auf den Tisch zu legen, hilft letztendlich keinem weiter."


Angerer entlastet Teamkollegen

Er selbst hat sich in Sachen Doping nichts vorzuwerfen: "Ich persönlich weiß, dass ich meinen Sport immer sauber ausgeführt habe. Ich war immer froh, wenn wir kontrolliert wurden, denn dann kannst du als Sportler zeigen, dass du sauber bist. Ich bin der größte Gegner jeden Betrugs."

Gleiches gelte im Übrigen auch für seine Teamkollegen: "Wir haben alle unsere Erfolge sauber erreicht, das ist für mich das Wichtigste. Wir haben unseren Sport mit Leidenschaft und Herzblut gemacht."

"Überwiegende Mehrheit wird sauber gewonnen"

Sollte Angerer - viele Jahre nach dem Ende seiner aktiven Karriere - aufgrund von Doping-Vergehen früherer Konkurrenten noch eine Medaille zugesprochen bekommen, würde ihn dies "ärgern und traurig machen."

Doch trotz der massiven Anschuldigungen will sich der 40-Jährige nicht nur auf die negativen Seiten des Ausdauersports Langlauf fixieren: "Ich gehe weiterhin fest davon aus, dass die überwiegende Mehrheit der Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen auf sauberem Weg gewonnen wurde und gewonnen wird."

Angerer gewann zwischen 2002 und 2010 insgesamt vier Olympia-Medaillen.