Angelina Jolie und NATO gegen "Vergewaltigung als Waffe"

Sexuelle Gewalt als Waffe, um politische Ziele durchzusetzen. In vielen Konfliktgebieten gehört das zum Alltag. Kriegsverbrechen, die in der Regel unbestraft bleiben.

Schauspielerin Angelina Jolie versucht schon lange, mit ihrer Popularität auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Am Mittwoch traf sie sich im NATO-Hauptquartier in Brüssel mit Generalsekretär Jens Stoltenberg. Im Kampf gegen sexuelle Gewalt sucht Jolie die Unterstützung des mächtigen Militärbündnisses.

Euronews-Reporterin Tesa Arcilla war bei den Gesprächen in der belgischen Hauptstadt dabei: „Verkauft, versklavt, vergewaltigt: Zivilisten in Kriegsgebieten werden oft Opfer schlimmer Gräueltaten. So wie junge Jesidinnen in den Fängen des sogenannten Islamischen Staats. Kann ein Treffen wie dieses mehr Gerechtigkeit für sie bringen?“

Angelina Jolie kritisierte in Brüssel, dass Vergewaltigung oft noch immer als „geringfügiges Verbrechen“ angesehen und kaum verfolgt werde. „Es kann keinen dauerhaften Frieden und keine Sicherheit geben, solange es nicht die gleichen Rechte und die gleiche Handlungsfähigkeit für Frauen in allen Gesellschaften gibt“, sagte die 42-Jährige. „Diese Rechte können nicht in einem Umfeld erreicht werden, in dem Massenverbrechen gegen Frauen und Mädchen ungestraft bleiben."

Nach dem Treffen im Hauptquartier besuchte Euronews-Korrespondentin Arcilla eine Fotoausstellung, die persönliche Erfahrungen von Jesidinnen dokumentiert. Vergewaltigung, Folter, Mord. Tausende von Frauen und Kindern sind bis heute in Gefangenschaft oder vermisst. Dass sie mehr Unterstützung brauchen – darüber sind sich alle einig. Doch bis den Menschen vor Ort wirklich geholfen wird, vergeht oft zu viel Zeit.

Ahmed Khudida Burjus, Menschenrechtler und Sprecher der Jesiden-NGO Yazda, nennt diesen Zustand ein „Trauerspiel.“ Seit über drei Jahren habe sich die Notlage der Jesidinnen in Syrien und Irak nicht verbessert. „Gemeinsam könnten die USA, Russland, die EU und die NATO sexueller Gewalt ein Ende setzen. Ich hoffe, sie werden endlich auf Angelina Jolie hören.“

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat der Schauspielerin Unterstützung zugesagt. Soldaten sollen besser ausgebildet und die Einhaltung von Vorschriften schärfer kontrolliert werden. Verstärkte Aufmerksamkeit könne bei der Lösung des Problems helfen.