Angelina Jolie gegen Alicia Vikander - Wer ist die bessere Lara Croft?

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo Kino
Alicia Vikander in “Tomb Raider” (Bild: Warner Bros. Pictures)

Als Lara Croft wird Angelina Jolie weltberühmt, nun ist die Schwedin Alicia Vikander in die Rolle der Videospielheldin geschlüpft. Wir haben die beiden Verfilmungen miteinander verglichen und festgestellt: Es gibt zwischen der Lara Croft von damals und der neuen Lara Croft einige Parallelen aber auch große Unterschiede.

Lara Croft damals und heute
In Zeiten, in denen Reboots, Remakes, Spin-offs und Standalone-Filme wie Pilze aus dem Boden schießen, ist “Tomb Raider” die Neuverfilmung einer Vorlage, auf die wir nicht sonderlich gespannt waren. Immerhin: Die ersten beiden Adaptionen der Videospiel-Reihe “Tomb Raider” waren derart misslungen, dass ein Neuansatz Hoffnung auf Qualitätssteigerung machte. Für die Macher des neuen Fantasy-Abenteuers um die tapfere “Grabräuberin” lag die Messlatte jedenfalls nicht besonders hoch.

Tatsächlich braucht “Tomb Raider” den Vergleich mit den beiden “Lara Croft”-Filmen mit Angelina Jolie nicht zu scheuen. Sehenswert ist der Film deshalb aber noch lange nicht. Zu hanebüchen ist wieder die Handlung geraten, zu flach sind erneut die Charaktere und unglaubwürdig ihre Handlungen. Wir haben uns die beiden Videospiel-Adaptionen angeschaut und die inhaltlichen und qualitativen Überschneidungen aber auch Unterschiede herausgearbeitet.

Angelina Jolie als Lara Croft in “Lara Croft: Tomb Raider” (Bild: Concorde Home Entertainment)

Die Figur
Beide Verfilmungen spiegeln die Veränderung, die Lara Croft in den Videospielen optisch mit den Jahren durchmacht. Angelina Jolies Heldin ist stark sexualisiert. Lara ist weniger ein mit Charaktereigenschaften ausgestatteter Mensch als vielmehr die Projektionsfläche vor allem männlicher Fantasien. Ihre Kleidung ist figurbetont bis hin zu freizügig (selbst im kalten Sibirien läuft Lara im T-Shirt herum), und Regisseur Simon West wird nicht müde, seine Hauptdarstellerin in wirkungsvollen Posen zu zeigen und ihre Oberweite und ihren Schmollmund zu betonen.

Von einer vollbusigen Amazone ist die Lara Croft der schmächtigen Alicia Vikander weit entfernt. Die Kleidung, die aus einem Tank-Top und einer Cargo-Hose besteht, ist eher sportlich als sexy. Die fehlende Sexualisierung ist aber weniger eine Antwort auf die #MeToo- und #Time’s-Up-Bewegungen. Vielmehr findet sie ihre Entsprechung in den Videospielen, in denen Lara Croft mit der Zeit immer schlanker und bedeckter in Erscheinung tritt, weil die Macher neben den männlichen auch die weiblichen Zocker ansprechen wollen.

Szene aus “Tomb Raider” mit Alicia Vikander als “Grabräuberin” Lara Croft (Bild: Warner Bros. Pictures)

Die Waffen
Mit der optischen Erscheinung hat sich auch das Waffenarsenal der Heldin geändert. Zur Ausrüstung von Jolies Lara Croft gehören – entsprechend des Originals der früheren Videospiele – vor allem zwei Pistolen. Auch die sind sexuell aufgeladen. Nicht nur betonen die Waffen Laras stramme Oberschenkel. Spätestens seit Sigmund Freud wissen wir auch, was Pistolen, Messer, Schwerter und sonstige Waffen in bildlichen und erzählerischen Darstellungen signalisieren. Stichwort: Phallussymbol.

Vikanders Grabräuberin hat keine Pistolen, sie erledigt ihre Gegner auf altmodische Art und Weise. Die Waffe ihrer Wahl sind Pfeil und Bogen. Man kann auch sagen: Der Wechsel von Jolies zu Vikanders Lara Croft markiert auch einen Wechsel innerhalb des filmkulturellen Kontextes, weg von einer Wild-West-Heldin hin zu einer Freiheitskämpferin nach dem Vorbild einer Katniss Everdeen aus der “Die Tribute von Panem”-Reihe. Zudem erinnert die neue Lara Croft stärker an Indiana Jones, der von Anfang an Vorbild des Schöpfers Toby Gard gewesen ist.

Lara Croft auf einer mysteriösen Insel vor der Küste Japans! Szene aus “Tomb Raider” (Bild: Warner Bros. Pictures)

Die Exotik
Die “Lara Croft”-Filme aber auch -Videospiele stehen immer auch für den Kampf Gut gegen Böse vor dem Hintergrund exotischer Kulissen. In der ersten Spiele-Adaption, “Lara Croft: Tomb Raider”, führt die Reise von England über Kambodscha und Venedig bis nach Sibirien. Im zweiten Teil, “Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens”, sind neben England unter anderem Griechenland, Kasachstan, China und Afrika die Schauplätze von Laras Abenteuern. In “Tomb Raider” verschlägt es Vikanders Lara erst nach Hongkong, dann landet sie auf einer mysteriösen Insel an der japanischen Küste.

Der Vaterkomplex
In allen “Tomb Raider”-Filmen ist Laras Beziehung zu ihrem Vater wesentliches Erzählelement. Sie wird geprägt durch den Verlust des Vaters und Mentors. In den Filmen mit Jolie ist der Vater tot, in der neuen Adaption glaubt alle Welt, dass der Archäologe verstorben ist. Einzig Lara will seinen Tod nicht wahrhaben. In beiden Verfilmungen kommt es – Tod hin oder her – dennoch zu Begegnungen zwischen Tochter und Vater. Jolies Lara halluziniert das Treffen mit ihrem Vater. ACHTUNG SPOILER: In “Tomb Raider” kommt es zu einer realen Begegnung. Denn Laras Ahnung bewahrheitet sich: Ihr Vater lebt.

Bild: Jordan Strauss/Invision/AP)

Die Darstellerinnen
Erstaunlich sind die Parallelen in den Karrieren der beiden Darstellerinnen von Lara Croft. Sowohl Angelina Jolie als auch Alicia Vikander zementieren mit der Rolle ihren Superstarstatus. Beide erhalten kurz zuvor einen Oscar. Beide erleben mit Lara Croft trotz des weltweiten Aufsehens einen künstlerischen Dämpfer. Damit ist auch ihre darstellerische Leistung gemeint. Jolie spielt Lara Croft eigentlich nicht, sie posiert allenfalls vor der Kamera, zeigt ihren Schmollmund und lächelt unfreiwillig komischerweise auch in den ernstesten Momenten. Vikander gibt sich zwar ambitioniert, aber auch ihr kann man weder die Actionheldin abnehmen, noch bekommt der Charakter durch ihre Spiel auch nur ansatzweise Profil.

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Im Video: Wie schlägt sich Oscarpreisträgerin Alicia Vikander als Lara Croft?