Angeklagter ortete sie über das Handy: Mordversuch, weil Freundin sich prostituierte

Der Körper war mit Messerstichen übersät, Darm und Leber waren verletzt – ohne eine Notoperation wäre Hatun F. verblutet oder an inneren Entzündungen gestorben. So heißt es in der Anklageschrift gegen Taner Ü., der sich seit Montag vor dem Kölner Landgericht verantworten muss. Hauptvorwurf: Der 35-Jährige habe versucht, Hatun F. (Name geändert), mit der er zur Tatzeit zusammen war, heimtückisch und aus niederen Beweggründen zu ermorden. Er habe sich nicht damit abfinden wollen, dass sie, die er als „sein Eigentum“ betrachtet habe, sich prostituierte. Am ersten Prozesstag hat er sich nicht dazu geäußert.

Die Staatsanwaltschaft hat eine Reihe von Taten aufgelistet, die Mitte Oktober 2016 begonnen und und ihren Höhepunkt am 11. Februar stattgefunden haben sollen. Wenn die Vorwürfe stimmen, passierte Folgendes:

Am 13. Oktober ging Taner Ü. in das Bordell in der Christophstraße, in dem Hatun F. damals arbeitete, und ließ ihr durch eine Kollegin die Drohung ausrichten, er werde „sein Magazin leer schießen“, wenn sie weiter anschaffen gehe. Elf Tage später war das Paar in einem Möbelhaus in Frechen. Nachdem Taner Ü. sie unter anderem als „Schlampe“ und „Nutte“ beschimpft hatte, wollte Hatun F. verhindern, dass Fremde den Streit mitbekamen, ging rasch zum Parkplatz und stieg ins Auto ein. Taner Ü. folgte ihr, ohrfeigte sie, legte die Hände um ihren Hals und drückte mit dem Daumen zu. Sie rief um Hilfe, Zeugen wurden aufmerksam.

Frau stellte sich tot, um sich zu schützen

Inzwischen hatte das Amtsgericht angeordnet, dass Taner Ü. sich der Frau nicht auf weniger als 20 Meter nähern dürfe. Doch Anfang November verfolgte er sie bis zu einer Eisdiele am Kaiser-Wilhelm-Ring und drohte wieder, wenn sie zu ihrer Arbeitsstelle zurückkehre, werde er sie erschießen. Jemand verständigte die Polizei.

Knapp zwei Wochen später war der Schauplatz das Gelände eines Autohändlers in Bilderstöckchen. Das Paar saß im Auto, Taner Ü. würgte Hatun F. so stark, dass ihr schwindelig wurde, und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. „Ich bin dein Gott“, bekam sie zu hören, dann spürte sie einen metallenen Gegenstand an ihrem Kopf. „Soll ich abdrücken?“, fragte er. Sie stand Todesängste aus. Auch nach einem weiteren Vorfall – in einem Saunaclub in Euskirchen – ließ er nicht von ihr ab. Wo sie sich aufhielt, fand er heraus, indem er ihr Mobiltelefon ortete.

Es kam der 11. Februar. Bewaffnet mit einem Küchenmesser und einem Küchenbeil drang er in die Wohnung eines Mehrfamilienhauses in Weiden ein, das mehreren Prostituierten als Arbeitsstätte diente, und stürmte ins Badezimmer, wo sich Hatun F. aufhielt. Sie griff in die Klinge, um sich vor dem Angriff zu schützen – vergeblich. Zuerst stach er ihr in die linke Flanke unterhalb der Brust und in den Genitalbereich. „Habe ich dir nicht gesagt, du verdienst nicht zu leben?“, brüllte er.

Anlageschrift soll auf Übersetzungsfehler geprüft werden

Die nächsten Messerstiche trafen Hatun F. in die rechte Flanke, den linken Oberarm, den Bauch, den Rücken, den rechten Unterschenkel und beide Hüften. „Du bist meine“, stieß er hervor, „soll ich noch mehr machen?“ Er stach ihr erneut in den Bauch, hielt ihr das Messer an die Kehle. Sie stellte sich tot. Da erst ließ er von ihr ab.

Hatun F. war am Nachmittag ins Landgericht gekommen, musste aber noch nicht aussagen. Das soll erst am 19. September geschehen. Zuvor soll unter anderem geprüft werden, ob und inwieweit die Anklageschrift fehlerhaft ins Türkische übersetzt worden ist; der Verteidiger hält sie für mangelhaft....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta