Angeklagter Aktivist Steudtner verlangt Freilassung aus türkischer Haft

Ein türkisches Gericht hat die Freilassung des deutschen Menschenrechtsaktivisten Steudtner aus der Untersuchungshaft angeordnet. Auch sieben weitere wegen Terrorvorwürfen angeklagte Menschenrechtler sollen freikommen, wie das Gericht in Istanbul entschied

Der deutsche Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner hat zum Auftakt seines Prozesses in der Türkei den Vorwurf der Terrorunterstützung zurückgewiesen. "Ich plädiere auf unschuldig und fordere meine sofortige Freilassung", sagte Steudtner am Mittwoch vor dem Istanbuler Gericht. "Einige der Terrororganisationen, denen ich angeblich angehören soll, kannte ich nicht mal beim Namen", fügte er hinzu.

Die Aussagen eines geheimen Zeugen, auf welche die Staatsanwaltschaft ihre Klage stützt, bezeichnete Steudtner als absurd. Kontakte zu türkischen Organisationen habe er nie gehabt, beteuerte der deutsche Aktivist. Seit zwanzig Jahren setze er sich aus Überzeugung für die gewaltfreie Lösung von Konflikten ein. Zuletzt habe er vor allem in Mosambik, Angola und Kenia gearbeitet.

Nach Steudtners Aussage fragte ihn der Richter, ob er bereuen wolle. Steudtners Anwalt intervenierte und sagte, sein Mandant habe nichts getan und daher auch nichts zu bereuen.

Neben Steudtner sind vor dem Istanbuler Gericht zehn weitere Menschenrechtsaktivisten angeklagt, darunter die Spitzen von Amnesty International in der Türkei. Fast alle waren Anfang Juli in einem Hotel auf der Insel Büyükada bei Istanbul festgenommen worden, als sie an einem Workshop über Stressbewältigung und Kommunikationssicherheit teilnahmen. Die Anklage wertet dies als konspiratives Treffen von Terrorhelfern.

Die genauen Vorwürfe gegen Steudtner und die anderen Angeklagten sind nicht bekannt, da die Anklageschrift als geheim eingestuft ist. Allerdings veröffentlichten regierungstreue Zeitungen diverse Details. Demnach drohen ihnen 15 Jahre Haft wegen "Unterstützung einer Terrororganisation". Gemeint sind die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die linksradikale DHKP-C und die Gülen-Bewegung, die in der Türkei als Terrororganisationen gelten.

Die Bundesregierung hat die Vorwürfe gegen Steudtner als nicht nachvollziehbar bezeichnet und dringt auf seine Freilassung. Die türkische Regierung verweist auf die Unabhängigkeit der Justiz, doch bezeichnete Präsident Recep Tayyip Erdogan Steudtner als deutschen "Agenten".