Angehörige wegen Ermordung von sechsfacher Mutter aus Solingen verurteilt

Im Prozess um die Ermordung der sechsfachen Mutter Hanaa S. aus Solingen hat das Wuppertaler Landgericht am Donnerstag mehrere enge Familienangehörigen verurteilt, darunter ihren eigenen Sohn. Der 20-Jährige erhielt eine Jugendstrafe von neun Jahren und sechs Monaten wegen Mordes, wie ein Sprecher des Gerichts in der nordrhein-westfälischen Stadt mitteilte.

Ein 26-jähriger Schwager des Opfers wurde ebenfalls wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass mehrere Angehörige sich im April 2015 zur Tötung der Frau entschlossen, weil diese sich von ihrem Ehemann getrennt hatte. Demnach sollte dadurch die "Familienehre" wieder hergestellt werden, was das Gericht als ein Verbrechen aus niedrigen Beweggründen wertete.

Den 43-jährigen Ehemann der Getöteten und einen weiteren 36-jährigen Schwager verurteilte das Gericht wegen Beihilfe zum Mord zu jeweils zehneinhalb Jahren Haft. Eine ebenfalls angeklagte 32-jährige Schwägerin sprachen sie dagegen frei.

Mit ihren Schuldsprüchen gingen die Richter zum Ende des seit mehr als eineinhalb Jahren laufenden langwierigen Prozesses teilweise über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus. Die Urteile sind allerdings noch nicht rechtskräftig. Die Verurteilten könnten dagegen noch Rechtsmittel einlegen.

Nach dem Urteil kam es nach Angaben des Gerichtssprechers zu tumultartigen Szenen im Gerichtssaal, Angehörige hätten unter anderem lautstark geschrien. Eine Frau sei wegen Störung der Verhandlung in Ordnungshaft genommen worden. Demnach gerieten später Mitglieder der Familien von Opfer und Tätern auch vor dem Gericht aneinander, die Polizei musste die Lager trennen.

Nach Feststellung der Anklage hatte sich Hanaa S. von ihrem Ehemann getrennt und eine neue Beziehung angefangen, was dem "Ehrbegriff" der Angeklagten widersprochen habe. Ihr Sohn und ihr ebenfalls wegen Mordes verurteilter Schwager hatten der Frau daraufhin in ihrer ehemaligen Wohnung aufgelauert und sie dort nach einem Kampf getötet.

Die Leiche wickelten sie demnach in einen Teppich und legten sie in einem Wald bei Kronau in Baden-Württemberg ab. Sie wurde mehr als zwei Jahre nicht gefunden. Erst nachdem der 26-jährige Schwager im vorigen Jahres vor Gericht aussagte, entdeckten Ermittler die sterblichen Überreste des Opfers.