Angehörige fordern Ermittlungen nach jüngstem Journalisten-Mord in Mexiko

Nach dem jüngsten Mord an einem Journalisten in Mexiko hat die Familie des Opfers eine lückenlose Aufklärung des Falls gefordert. Sie vermuten einen politischen Hintergrund

Nach dem jüngsten Mord an einem Journalisten in Mexiko hat die Familie des Opfers eine lückenlose Aufklärung des Falls gefordert. Die Angehörigen des Politikjournalisten Candido Ríos wiesen am Mittwoch bei einer Totenwache an Ríos' Sarg die offizielle Darstellung zurück, der 55-Jährige sei lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, als er am Dienstag im Bundesstaat Veracruz erschossen wurde.

Ríos habe in seinem Beruf "kleine Tyrannen demaskiert und Verbrechen der Mächtigen offen gelegt" und sei deshalb umgebracht worden, sagte seine Tochter Cristina. Ríos' Witwe Hilda Nieves Martínez forderte ein umfassendes Ermittlungsverfahren. Ihr Mann habe Morddrohungen vom früheren Bürgermeister seines Heimatortes Hueyapan de Ocampo erhalten, dem er Korruption vorgeworfen hatte.

Auch die EU, Norwegen und die Schweiz forderten ein Ermittlungsverfahren zum Tod des Journalisten. Sein Tod zeigte das "beunruhigende Ausmaß von Gewalt und Einschüchterung, dem viele Journalisten in Mexiko ausgesetzt sind", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Ríos stand unter einem Schutzprogramm der Regierung für Journalisten, das Überwachungskameras an seinem Haus und ein Satellitentelefon für Notfälle umfasst, jedoch keinen Leibwächter. Am Dienstag war er gemeinsam mit seinem privaten Leibwächter und einem früheren Polizeichef vor einem Geschäft erschossen worden. Die mexikanischen Behörden erklärten, eigentliches Ziel des Anschlags sei der frühere Polizeichef gewesen.

Journalisten leben in Mexiko gefährlich. Im vergangenen Jahr wurden elf Journalisten getötet, in diesem Jahr bereits zehn. Die meisten Opfer hatten über die mächtigen Drogenkartelle des Landes oder Korruption in Regierungskreisen berichtet. Mehr als 90 Prozent der Morde an Journalisten bleiben ungesühnt.