Dieses angebliche Plakat der irischen Behörden zu Impfnebenwirkungen wurde gefälscht

Dutzende User haben Anfang Januar 2023 das Foto eines Posters online geteilt, auf dem vor plötzlichem Tod durch Corona-Impfstoffe gewarnt wird. Angeblich stamme das Plakat von den irischen Gesundheitsbehörden. Diese bezeichnen das Poster allerdings als Fälschung. Ein solches Plakat sei nie veröffentlicht worden. Auch in den Erhebungen der irischen Gesundheitsbehörden zu Impfnebenwirkungen ist nicht von einem möglichen "plötzlichen Tod" die Rede. Die Nebenwirkungen seien meist leicht bis moderat. Geimpfte hätten durch die Impfung eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs oder einer Hospitalisierung.

Dutzende Nutzerinnen und Nutzer haben das angebliche Plakat zu Impfnebenwirkungen auf Facebook geteilt. Auf Telegram sahen mehr als hunderttausend Menschen entsprechende Beiträge.

Die Behauptung: User verbreiten im Netz ein angebliches Plakat der irischen Gesundheitsbehörden zu Impfnebenwirkungen. Auf dem Poster wird unter anderem vor plötzlichen Tod gewarnt. Auch Kopfschmerzen, Menstruationsstörungen, Lähmungen, Blutgerinnsel, Herzinfarkte und Schlaganfälle werden auf dem Plakat gelistet. Es wird dazu aufgefordert, die Nebenwirkungen an die Health Products Regulatory Authority (HPRA) zu melden. In der unteren rechten Ecke ist das Logo der irischen Regierung mit den Worten "Volk von Irland" zu sehen.

Facebook-Screenshot der Behauptung: 11. Januar 2023

Falsche und irreführende Informationen werden immer wieder online geteilt. So überprüfte AFP in der Vergangenheit bereits Behauptungen, wonach mRNA-Impfstoffe angeblich massenhaft Ungeborene töteten oder die Corona-Impfstoffe angeblich zu Affenpocken führten. Faktenchecks zu Impfungen sammelt AFP hier.

Irische Behörden nennen Plakat eine Fälschung

Bereits ein genauer Blick auf das Poster gibt erste Hinweise darauf, dass es sich hierbei um eine Fälschung handelt. Neben dem Logo der irischen Regierung am rechten unteren Bildrand sind die Worte "Muintir na hEireann" zu lesen, "Volk von Irland". Dabei handelt es sich um eine irische Wendung, die häufig von Politikerinnen und Politikern oder Regierungsbeamten genutzt wird, um sich auf die Menschen in Irland zu beziehen, beispielsweise hier oder hier.

Als offizielle Bezeichnung der irischen Regierung gilt allerdings "Rialtas na hEireann", zu Deutsch: "Regierung von Irland". Der Name inklusive Symbol ist so auch auf der Website der irischen Regierung zu sehen:

Screenshot der Website der irischen Regierung: 13. Januar 2023 ( Saladin SALEM)

Auf dem Plakat wird zudem dazu aufgefordert, mögliche Impfnebenwirkungen an die Health Products Regulatory Authority (HPRA) zu übermitteln, eine irische Behörde zur Regulation von Arzneimitteln für Menschen und Tiere, ähnlich dem deutschen PEI.

Die Behörde erstellte aber gar keine Plakate oder sonstiges Informationsmaterial zu Impfstoffen, wie eine HPRA-Sprecherin am 11. Januar 2023 gegenüber AFP erklärte:

"Die HPRA produziert keine Covid-19-Impfplakate. Alle Covid-19-Impfplakate, die im Umlauf sind – ob in gedruckter Form oder über soziale Medien – und die als von der HPRA stammend dargestellt werden, sind wahrscheinlich gefälscht und enthalten falsche oder irreführende Informationen." Für einen AFP-Faktencheck vom November 2021 bestätigte eine HPRA-Sprecherin ebenfalls bereits, dass es sich bei dem Poster um eine Fälschung handle.

Informationsmaterialien zu Impfstoffen würden nicht vom HPRA, sondern vom irischen Health Service Executive (HSE) erstellt, der das irische Gesundheitssystem betreibt.

Eine Sprecherin des irischen HSE bestätigte ebenfalls am 11. Januar 2023 gegenüber AFP, dass es sich bei dem Plakat um kein Material der Behörde handele: "Die in dem Poster enthaltenen Informationen wurden weder von der HSE autorisiert noch veröffentlicht."

Auf der HSE-Website finden sich entsprechende Beispiele für tatsächliche Poster mit Verhaltensempfehlungen zu Covid-19. Ein Poster mit Warnungen vor Todesfällen durch Impfung findet sich dort allerdings nicht.

Auch auf diesem Poster findet sich am unteren Bildrand die Bezeichnung "Regierung von Irland" statt der Worte "Volk von Irland" wieder, wie sie auf der gefälschten Version genutzt wurde.

Mehrheit der Nebenwirkungen mild bis moderat

Zu den auf dem Fake-Poster genannten Nebenwirkungen erklärte die HPRA-Sprecherin: "Auch wenn nicht jeder davon betroffen ist, haben alle Impfstoffe Nebenwirkungen, von denen die meisten leicht bis mittelschwer sind." Diese Nebenwirkungen müssten immer wieder gegen den Nutzen der Impfung bei der Bekämpfung von Covid-19 abgewogen werden. Geimpfte hätten im Fall einer Corona-Infektion eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit, schwer zu erkranken oder ins Krankenhaus zu müssen. Der Gesundheitsdienst HSE wirbt für Auffrischungsimpfungen.

Zur Sicherheit der Impfstoffe verwies die Sprecherin auf die offiziellen Informationen der irischen Behörden. So finden sich auf der Website des HPRA die offiziellen Produktinformationen zu den in Irland verwendeten Impfungen, ebenso wie Sicherheitsberichte.

Im jüngsten Bericht vom 19. Mai 2022 heißt es, bis zum 10. Mai 2022 seien insgesamt "20.182 Berichte über vermutete Nebenwirkungen" bei der Behörde eingegangen, davon beziehen sich 113 Berichte auf Personen, von denen bekannt sei, "dass sie geimpft worden und später verstarben". Etwa 70 Prozent dieser Berichte hätten Menschen im Alter von 75 Jahren und älter betroffen.

Im Bericht heißt es dazu weiter: "Berichte über einen Todesfall werden sorgfältig geprüft. Es ist zu erwarten, dass Todesfälle aufgrund des Fortschreitens einer Grunderkrankung oder natürlichen Ursachen auch weiterhin auftreten werden, auch nach Impfung." Das bedeute allerdings nicht, dass die Impfstoffe die Todesfälle auch verursachten.

Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Sicherheitsberichte zu den Corona-Impfstoffen. Im jüngsten Bericht vom 8. Dezember 2022 heißt es ebenfalls, die EMA bestätige, dass der Nutzen der derzeit zugelassenen Corona-Impfstoffe weiterhin "ihre Nebenwirkungen überwiegen". Weiter wird erklärt: "Die Tatsache, dass jemand nach einer Impfung ein medizinisches Problem hatte oder gestorben ist, bedeutet nicht zwangsläufig, dass dies durch den Impfstoff verursacht wurde."

Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC, der britische National Health Service (NHS) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommen zum selben Schluss.

Fazit: Bei dem online kursierenden Poster handelt es sich um ein gefälschtes Plakat der irischen Behörden zu Corona-Impfstoffen. Das bestätigten sowohl die irische Arzneimittelbehörde HPRA sowie der irische Gesundheitsdienst HSE. Weltweit prüfen laufend Gesundheitsbehörden die Sicherheit der Impfstoffe und empfehlen sie weiterhin.