Anfang-Urteil: Zwei Bosse reagieren

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Anfang-Urteil: Zwei Bosse reagieren
Anfang-Urteil: Zwei Bosse reagieren

Nachdem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Mittwoch Markus Anfang im Zuge des Skandals um seinen gefälschten Impfausweis für ein Jahr gesperrt hat, haben sich nun zwei Klub-Bosse zu Wort gemeldet. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)

„Ich kenne und schätze Markus sehr, umso enttäuschter war ich auch über sein Fehlverhalten, das nicht zu entschuldigen ist. Gerade in dieser exponierten Stellung als Fußballlehrer muss er sich anders verhalten“, sagt Andreas Rettig, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Drittligist Viktoria Köln, zu SPORT1.

„Aber genauso klar sage ich auch‚ ‚Ja, er hat eine zweite Chance verdient‘. Er hat die Fehler eingeräumt, was die Voraussetzung für diese zweite Chance ist, er hat Reue gezeigt und deshalb denke ich, dass nach einer gewissen Zeit zur Besinnung zu kommen, auch wieder eine zweite Chance verdient“, ergänzte Rettig.

Rettig und Anfang: gemeinsame Zeit in Leverkusen

Beide kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei Bayer Leverkusen Mitte der 1990er-Jahre, als Anfang dort Spieler und Rettig Nachwuchsleiter war.

Anfang, der zuletzt Werder Bremen trainierte und als Cheftrainer 2017 mit Holstein Kiel in die 2. Liga aufgestiegen war, muss zudem 20.000 Euro Strafe zahlen. Das Berufsverbot von Anfang gilt rückwirkend ab dem 20. November. Sein ehemaliger Co-Trainer Florian Junge wurde mit einer Sperre von zehn Monaten sowie einer Geldstrafe von 3000 Euro belegt. Das gab der DFB am Mittwoch bekannt.

Auch Holger Sanwald, Vorstandsvorsitzender bei Zweitligist 1. FC Heidenheim, hat eine klare Meinung zu dem Urteil. „Ich finde richtig und wichtig, dass das Sportgericht des DFB in diesem Fall jetzt eine Strafe mit den entsprechenden Konsequenzen ausgesprochen hat“, sagt er SPORT1. „Er hat Fehler gemacht, für die er jetzt geradestehen muss. Grundsätzlich ist aber meine Meinung, dass man als Mensch nach Fehlern im Leben auch wieder eine zweite Chance erhalten sollte. Das sollte nach seiner Strafe auch für Markus Anfang gelten.“

Anfang feierte Karneval in Köln

Anfang und Junge hatten sich im vergangenen Sommer jeweils einen gefälschten Impfausweis besorgt, der sie unzutreffend als „zweifach gegen das Coronavirus geimpft“ auswies. Diesen legten sie ihrem Arbeitgeber vor, sodass sie ab dem frühen Herbst nicht mehr an den im DFB-/DFL-Hygienekonzept vorgeschriebenen Testungen von Werder Bremen teilnahmen. Anfang verschaffte sich damit auch Zugang zu zwei Karnevalspartys am 11. November 2021 in Köln.

Zudem legten beide Trainer den gefälschten Impfausweis auch dem Bremer Gesundheitsamt vor, um sich infolge des Kontakts mit dem damals an Corona erkrankten 23 Jahre alten Bremer Spieler Marco Friedl der gesetzlich vorgeschriebenen Quarantäne zu entziehen. Damals kam die Behörde Anfang und Junge auf die Schliche. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)

„Gegen Vorbildfunktion verstoßen“

Hans E. Lorenz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, befand: „Markus Anfang und Florian Junge haben durch ihr Handeln in erheblichem Maße gegen die Vorbildfunktion als Trainer verstoßen.“ Und er ergänzte noch: „Im Hinblick auf ihre abgelegten Geständnisse ist es aber gerechtfertigt, einen Teil der Sperre zur Bewährung auszusetzen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, zur Saison 2022/2023 ein neues Engagement einzugehen.“

Bei Anfang wird die Sperre ab dem 10. Juni 2022 zur Bewährung bis zum 30. Juni 2023 ausgesetzt, bei Junge ab dem 1. Juni. Anfang hatte zugegeben, mit einem gefälschten Impfzertifikat getäuscht zu haben. „Er hat eingeräumt, einen falschen Impfausweis vorgelegt zu haben“, sagte der Bremer Oberstaatsanwalt Frank Passade dem SID Anfang Januar.

Im Zuge der Affäre war der ehemalige Trainer von Zweitligist Werder Bremen im November in Bremen zurückgetreten. Sein Nachfolger wurde Ole Werner. (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)

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