Andreas Knuffmann über concertVR: “Wir glauben an die Revolution der Blockchain”

Tobias Schmidt

Das Gefühl in der Menschenmenge unterzugehen und seine Augen unentwegt auf die Bühne zu richten, um jede Bewegung seiner Lieblingsband einzufangen – mit concertVR soll dieses besondere Erlebnis nun auch von Zuhause aus möglich werden. Das Start-up möchte es jedem ermöglichen, bei jedem Konzert auf der Welt live dabei zu sein, ohne einen Fuß vor die Haustür zu setzen. Mit Hilfe von Virtual Reality soll ein vollkommen neues Musikerlebnis, das bei weitem über die Fernsehliveübertragung hinausgeht, entstehen. Was dazu nötig ist, weiß niemand besser als der TV- und Filmproduzent Andreas Knuffmann, der bereits unzählige Fernsehformate für Sat1 produziert hat und nun nicht weniger erfolgreich auf eigene Faust Filme dreht. Als Co-Founder erklärt er im Interview mit BTC-ECHO, was ihn dazu bewegt hat und warum er auf Kryptowährungen setzt.

Was hat euch dazu bewegt, concertVR zu entwickeln?

Vor zwei Jahren saß ich mit meinem Partner Sebastian Deyle zusammen und wir haben entschieden, dass wir mit einem gemeinsam befreundeten Software-Entwickler das Thema VR und Musik angehen wollen. Für uns steht außer Frage, das mit der Demokratisierung der Technik und mit der Innovationskraft der Hardware ein rasant steigender Bedarf an Content in der Musikindustrie entstehen wird. Deshalb haben wir viel Zeit und Geld investiert und eine eigene App entwickelt. Wir wollen mit unserer Plattform für Künstler, Veranstalter und letztlich auch den Endnutzer eine gemeinsame Plattform sein, die es ermöglicht, künftig auch in 360° VR Musik-Content zu genießen. Schon Ende des Jahres werden neue VR-Brillen von Oculus und Facebook den Markt komplett neu aufstellen. Unsere Zeit beginnt jetzt.

Wie weit seid ihr mit eurem Produkt?

Wir haben einen voll funktionstüchtigen Prototypen, d. h. die Applikation mit dem kompletten Back- und Frontend ist sehr weit entwickelt. Wir haben ein Bezahl-System installiert und eine Bedienoberfläche programmiert, die es ermöglicht, die Kamerapositionen während des Konzertes zu wechseln. Dies funktioniert sogar über ein Eye- Tracking-Tool und gibt dem User die Möglichkeit, direkt auf der Bühne neben seinem Star,  in der ersten Reihe oder an einer anderen Stelle in der Halle zu sein. Eine wirkliche Innovation, die wir in dieser Form noch bei keiner anderen vergleichbaren App gefunden haben. Wir sind in einer fortlaufenden Entwicklung. Wir sind z. B. am Thema Spatial Sound dran. Das heißt, wir entwickeln ein immersives Sound-Erlebnis, dass es erlaubt, die Audio-Quellen analog zu Kopfbewegung im Raum zu simulieren. Wir sind in der Betaphase, im Winter 2018/2019 werden wir die App launchen.

Was unterscheidet eure Virtual-Reality-Lösung von einer TV-Liveübertragung? Wie sehr könnt ihr an das „echte“ Konzerterlebnis herankommen?

Virtual Reality ist ein immersives Erlebnis, dass die wichtigsten Sinne anspricht. Besonders die Tatsache, dass man sich über Bewegung im Raum orientieren kann und damit das Konzerterlebnis zu einem ganzheitlichen persönlichen Erlebnis wird, ist bisher einzigartig. Die Technologie wird es ermöglichen, dass schon bald durch neue, innovative VR-Brillen der Genuss von meinem VR-Konzert sehr viel einfacher konsumierbar wird. In der nahen Zukunft sehen wir einen rasant wachsenden Markt für Content. Im Vergleich zu VR ist das TV-Live-Erlebnis eher passiv, wohingegen das VR-Erlebnis aktiv und unmittelbar ist. Technisch lassen sich diese Konzerte über sechs Fisheye-Kameras aufzeichnen, die dann anschließend zu einem 3D-Bild zusammen gesticht werden. Auch hier wird es schon sehr bald mit deutlich leistungsfähigeren Kameras eine große Weiterentwicklung geben. Gerade in Punkto Auflösung und Sound-Performance stecken wir noch im Urschleim der Entwicklung.

Bei einem exklusiven Wohnzimmerkonzert von Coldplay in New York kann ich also trotzdem mit tausenden anderen virtuellen Konzertgängern in der ersten Reihe sitzen, auch wenn der Raum nur 40 qm groß ist?

Wir setzen sehr auf intime Zimmer-Konzerte, weil wir wissen aus der Marktforschung, dass es für die Fans ein unglaubliches Erlebnis ist, 1 bis 2 m neben ihrem Star ihren Lieblingssong zu hören und zu sehen. Die Idee ist, dass wir solche exklusiven Konzerte aufzeichnen werden, exklusiv, und diese dann nur über unsere CVT Token zur Bezahlung freizugeben. So schaffen wir eine organische Nachfrage nach besonderem Content, der dazu führen wird, dass sich die Concert- VR-Community organisch wachsen wird. Es gibt kein stärkeres Erlebnis, als im Wohnzimmer von Rihanna in Los Angeles zu sitzen, während sie in einem leichten Sommerkleid ihre fünf besten Songs in Begleitung weniger Musiker exklusiv singt. Hier sehen wir einen gigantischen Markt in Sachen Songs-on-Demand. Auch die Gespräche mit den Labels bestätigen uns, diesen Weg zu gehen.

Welche Funktion erfüllt euer concertVR-Token (kurz: CVT)?

Der Token ist ein reiner Utilitiy-Token, der insbesondere für die Bezahlung unserer Content-Bits eingesetzt wird. Exklusive Konzert-Inhalte werden nur mit dem CVT Token bezahlbar sein. Nur registrierte Nutzer der Plattform können auf diese exklusiven Inhalte zugreifen. Grundsätzlich müssen alle Kryptonwährungen in CVT Token getauscht werden, um überhaupt bei uns bezahlen zu können. Wir entwickeln ein easy-to-use Exchange-Modul in der App, dass es den Usern leicht macht, Fiat- und die großen Kryptowährungen gegen CVT zu tauschen. Dadurch schaffen wir eine hohe Begehrlichkeit für den Token. Ferner ist mit der Registrierung und dem Token eine garantiert anonyme Speicherung der Daten in der Blockchain garantiert. So können wir die berechtigten Ängste der Konsumenten, dass ihre Daten für Werbezwecke genutzt werden, glaubwürdig ausräumen. Gerade in Zeiten von Facebook-Skandalen ist es wichtig, die dezentrale Idee und Philosophie der Blockchain in unser Produkt zu integrieren. Die Marktforschung hat auch hier eine hohe Begeisterung für diesen Ansatz ergeben.

Mittelfristig werden wir dann auch im Bereich Merchandising die Möglichkeit anbieten, virtuelle Devotionalien der beliebtesten Stars über den CVT Token zu erwerben. Dazu gehören Kleidungsstücke genauso wie Instrumente, die die Stars bei Konzerten nutzen oder einsetzen. Wir sind überzeugt, dass die Fans die Lederjacke von Robbie Williams aus dem letzten Konzert im Madison Square Garden auch als virtuelles Produkt einkaufen werden. Analog zu den Bewaffnungen aus diversen Mittelalter-Spielen, wo die Fans auch mit großer Begeisterung ihre Lieblingsklinge und das Schwert ihres Avatars kaufen. In diesen Bereich werden wir auch vordringen. Das hat enormes Potential.

Nun veranstaltet ihr gerade einen ICO. Seht ihr nicht die Gefahr, in der Masse an ICOs unterzugehen und euch mit Vorwürfen konfrontiert zu sehen, dass ihr nur mal eben schnell Geld einsammeln wollt?

Nein, wir sind überzeugt, dass unser Timing perfekt ist. Auch wenn der Markt eine leicht negative Seitwärtsbewegung seit Wochen zeigt, glauben wir an eine deutliche Erholung der Märkte in Q3 und Q4. Unabhängig davon ist unser Produkt hoch emotional, sehr weit durchentwickelt und bietet einen echten Mehrwert für die User. Genau das ist es, was uns von vielen anderen ICOs mit im wahrsten Sinne des Wortes „kryptischen Produkten“ unterscheidet. Wir sind in einer stark wachsenden Branche und bieten immens emotionale Erlebnisse – und das zum kleinen Preis. Jeder soll mit unserer Plattform künftig die Möglichkeit haben, die ganz großen Stars nach Hause zu holen. Mit der in Kürze zu erwartenden großen Evolution in der Technologie der VR-Brillen werden wir eine rasante Explosion an Nachfrage für Konzerte erleben. Da sind wir im Timing genau richtig.

Ferner werden wir in der nahen Zukunft eine starke Reglementierung von ICOs weltweit erleben. Diese begrüßen wir außerordentlich, damit die Masse an Kryptowährungen überschaubar bleibt. Am Ende werden sich ohnehin nur die besten durchsetzen. Wir gehen davon aus, dass wir dazu gehören werden, weil wir die Nutzbarkeit unserer App im Vergleich zu anderen Produkten als sehr viel stärker gegeben erachten. Musik und Konzerte sind ein zentrales Entertainment-Thema und wir werden nun den Brückenschlag in die Virtuelle Realität erfolgreich gestalten.

Wir waren schon lange vor der Gründung von Concert VR große Krypto-Fans und glauben zutiefst an die Revolution und Innovationskraft der Blockchain. Wenn institutionelle Anleger wie Goldman Sachs, die Deutsche Bank oder sogar Georg Soros in Krypto und die Blockchian investieren – dann kann man davon ausgehen, dass diese Technologie nachhaltig und zukunftsträchtig ist.

Kannst du dir vorstellen, in Zukunft auch eigene Filmproduktionen losgelöst von concertVR über ein Token-Modell zu finanzieren?

Ich glaube schon, dass verschiedene große Player auf die Idee kommen, über ICOs Geld für Filmprojekte zu raisen. Allerdings muss diese Art der Produktion dann auch einen Nutzen, eine Utility in der Blockchain mit sich bringen. Die Krypto-Experten und Investoren weltweit unterscheiden sehr wohl zwischen glaubwürdigen Utilities und wollen nichts mehr als Return of Investment. Wir dürfen alle die Intelligenz der Investoren nicht unterschätzen. Diese Leute sind sehr gut informiert, sehr kritisch und haben eine hohe Erwartung an den ROI. Da die Filmproduktion per se keine besonders hohe Wahrscheinlichkeit eines ROI bietet, kann ich mir nicht vorstellen, dass ICOs eine echte Alternative der Filmfinanzierung werden.

BTC-ECHO

 

Source: BTC-ECHO

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