Ancelottis Tage sind gezählt

Martin Volkmar
Carlo Ancelotti (r.) gerät beim FC Bayern in den Fokus der Kritik

Am Tag vor dem Spiel hatte Carlo Ancelotti die überraschende Frage eines Journalisten aus Nigeria noch charmant weggelächelt. Sie lautete: Ob der Bayern-Trainer Angst vor seinem Rauswurf habe, wenn er bei Paris St. Germain verlieren werde.

Keine 30 Stunden später ist die Situation tatsächlich höchst brisant geworden für den Italiener.

Mittlerweile erscheint es sogar denkbar, dass die Münchner sich  nach dem 0:3-Debakels bei PSG sofort von ihrem Trainer trennen.


Ancelotti steht schon länger im Zentrum zunehmend hitziger Diskussionen und hat nach der bislang enttäuschend verlaufenden Saison immer mehr an Unterstützung verloren: Bei den Fans, die sich mehrheitlich schon jetzt einen baldigen Trainerwechsel wünschen, bei der Mannschaft und sogar in der Führungsetage.

Und das alles hat sich Ancelotti selber zuzuschreiben. Der 58-Jährige macht auf immer mehr Beobachter den Eindruck, als würde er seinen vorzeitigen Abschied bei Bayern fast schon billigend in Kauf nehmen.

Mit seinen immer gleichen Floskeln, mit seiner als lax empfundenen Trainingsarbeit und seit neuestem auch mit unnötigen Konflikten mit seinen Spielern.

Nachdem es schon länger in der Kabine gärt, verprellte der früher als Spielerversteher gelobte Ancelotti in Paris auch die Führungsspieler Hummels, Boateng, Robben und Ribery mit der unerwarteten Ausbootung aus der Startelf.


Doch seine riskante Aufstellung ging komplett daneben: Die gerade erst wieder genesenen Alaba und Thiago waren ebenso überfordert wie Süle oder James, das Team verschlief den Anfang und wirkte nach dem frühen Rückstand kopf- und planlos.

In der Verfassung vom Mittwoch gehört der FC Bayern nicht mehr zur europäischen Spitze und verantwortlich für den schleichenden Abstieg ist Ancelotti.

So gefährdet der einstige Erfolgscoach die hohen Saisonziele des Rekordmeisters, denn in der momentanen Form droht sowohl im DFB-Pokal Ende Oktober in Leipzig als auch spätestens im Champions-League-Achtelfinale das frühe Aus und in der Bundesliga könnte Borussia Dortmund enteilen.


Ancelottis Tage in München sind ohnehin gezählt. Dass er seinen Vertrag bis 2019 absolvieren wird, ist kaum noch vorstellbar.

Stattdessen sieht es nach den rasanten Entwicklungen der vergangenen Stunden sogar nach einer sehr raschen Trennung aus.