Ancelottis Rauswurf löst Bayerns Probleme nicht

Ivo Hrstic
Beim FC Bayern gibt es auch nach dem Aus von Carlo Ancelotti viele Baustellen

Die Entlassung von Carlo Ancelotti war vollkommen richtig. Die Leistungen des FC Bayern in dieser Saison waren alles andere als zufriedenstellend. Das 0:3 bei Paris Saint-Germain war der Tiefpunkt.

Ancelotti wirkte lust- und teilnahmslos. Die Kluft zwischen dem Italiener und der Mannschaft war nicht mehr zu kitten. Deshalb war es folgerichtig, schnell zu reagieren und Klarheit zu schaffen.


Die Entscheidung von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß verdient Respekt. Aber Achtung! Ancelottis Rauswurf löst nicht automatisch Bayerns Probleme. Denn die liegen viel tiefer - egal wer auf Interimstrainer Willy Sagnol folgen wird.

Die Klubbosse müssen viele Fragen beantworten. Genügt der Spielerkader wirklich höchsten Ansprüchen? Kann ein neuer Trainer mit Spielern wie Süle, Rudy und Tolisso tatsächlich den längst überfälligen Umbruch auf höchstem Niveau erfolgreich gestalten?

Zudem rumort es im Klub schon länger. Das zeigen Lewandowskis offene Kritik an Bayerns Transferstrategie oder die Kaugummi-Suche nach einem Sportdirektor.

Der anhaltende Richtungsstreit zwischen Rummenigge (stellvertretend für eine Internationalisierung des Klubs) und Hoeneß (als Verfechter des Mia san mia und des Nachwuchsleistungszentrums) tut dem FC Bayern nicht gut.


Deshalb glaube ich fest daran, dass ein Philipp Lahm als starker, mächtiger Sportvorstand dem Klub jetzt helfen würde. Lahm wäre das notwendige Gegengewicht zu Hoeneß und Rummenigge, um eine gemeinsame und abgestimmte sportliche Strategie für die Zukunft zu entwickeln.

Die Entlassung Ancelottis darf nicht die einzige personelle Konsequenz bleiben, sonst läuft der FC Bayern München Gefahr, mehr als nur eine Saison sportlich in den Sand zu setzen. Ab sofort werden wichtige Weichen für eine mehr oder weniger erfolgreiche Zukunft des Rekordmeisters gestellt!