Ancelotti hat sich sein Grab selbst geschaufelt

Der FC Bayern hat Trainer Carlo Ancelotti vor die Tür gesetzt und dies mit der sportlichen Entwicklung in dieser Saison begründet. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ein Kommentar von Yahoo Sport-Redakteur Tommy Gaber.

Gehen getrennte Wege: Carlo Ancelotti und Karl-Heinz Rummenigge

Carlo Ancelotti zog erstmal genüsslich an einer Zigarette. Der Italiener ließ sich nichts anmerken unmittelbar nach der Landung des Bayern-Trosses in München am Donnerstagmittag. Dabei muss Ancelotti da schon gewusst haben, was der FC Bayern drei Stunden später offiziell machte: Ancelotti ist gefeuert!

Nach gerade mal sechs Bundesliga- und zwei Champions-League-Spielen in der Saison 2017/18 stellen die Bayern ihren Trainer frei. Ein Novum in der langen, erfolgreichen Geschichte des Klubs. Normalerweise sind Bayern-Trainer ihren Job los, wenn die Bosse spät in einer Saison die Ziele gefährdet sehen. Diesmal sind Karl-Heinz Rummenigge und Co. sehr viel früher zur Erkenntnis gekommen, dass es keinen Sinn mehr hat, mit Ancelotti weiterzumachen.

Rummenigge begründete dies in einer Presseerklärung mit den “Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn, die nicht den Erwartungen entsprachen, die wir an sie stellen.” Den Topf zum überlaufen gebracht hat die 0:3-Blamage in Paris.

Die sportlichen Leistungen als Grund anzugeben, ist aber nur die halbe Wahrheit. Ancelotti wurde auch sein sehr angespanntes Verhältnis zu den Spielern zum Verhängnis. Ob Lewandowski, Ribery, Robben, Müller oder Hummels – nahezu alle Führungsspieler begehrten intern oder auch öffentlich gegen den Trainer auf. Dem einst genialen Kommunikator Ancelotti ist die Mannschaft in den letzten Wochen vollkommen entglitten. Robben sagte in Paris auf die Frage, ob die Mannschaft noch komplett hinter dem Trainer stehe: “Diese Frage möchte ich nicht beantworten.”

Vor dem 4:0 gegen Mainz soll sich die Mannschaft ohne Trainerteam getroffen und Tacheles geredet haben. Die Folge waren zwei gute Spiele gegen Mainz und auf Schalke. Aber schon gegen Wolfsburg verfiel der FC Bayern in den alten Trott zurück, verspielte eine 2:0-Führung und zeigte plan- und emotionslosen Fußball. Der Tiefpunkt folgte in Paris.

Ancelotti hat sich mit der Aufstellung gegen Neymar und Co. (Hummels, Boateng, Robben und Ribery waren auf der Bank bzw. gar nicht erst im Kader) sein Grab geschaufelt. Das Experiment ist gnadenlos gescheitert, die Leistung der Mannschaft glich einer Bankrotterklärung. Rummenigge kündigte während seiner Brandrede auf dem Bankett noch in der Nacht “Konsequenzen” an und zog die Nummer am Tag danach in Form der Entlassung des Trainers durch.

Ancelotti und der FC Bayern – diese Beziehung hat nie wirklich gepasst. Der Plan, einen erfahrenen, hoch angesehenen und erfolgreichen Trainer als Guardiola-Nachfolger zu verpflichten, ging nicht auf. Das hat insbesondere Rummenigge zu verantworten. Bei den Personalentscheidungen hatte der Chef in letzter Zeit – gelinde gesagt – keine glückliche Hand. Die Posse um die Besetzung des Sportdirektor-Postens war schädlich für das Image des Vereins.

Ancelotti wird den Rauswurf bei Bayern verkraften. In Italien kursieren Meldungen, wonach der Coach sogar “erleichtert” sei, dass das Abenteuer FC Bayern München vorbei ist. Yahoo Sport hatte Ancelotti nach der Pleite in Paris unterstellt, mit seiner seltsamen Aufstellung seinen Rauswurf bei Bayern zu provozieren. Zumindest dieses Ziel hat er erreicht.