ANC-Delegierte wählen neuen Vorsitzenden für südafrikanische Regierungspartei

ANC-Fahne

In Südafrika haben tausende Delegierte der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) einen neuen Vorsitzenden gewählt. Mit der Auszählung der Stimmen wurde am Montagmittag begonnen, wie die Partei in einer kurzen Erklärung mitteilte. Das Ergebnis der Wahl wurde für Montag erwartet, es war aber unklar, wie lange die Auszählung der Stimmen dauern würde.

Die Stimmabgabe hatte kurz nach Mitternacht begonnen und war am Montagvormittag abgeschlossen. Wie ein Parteisprecher sagte, verlief der Abstimmungsprozess "reibungslos". Zuvor hatte sich der Abstimmungsprozess immer wieder verzögert, da zunächst die Zahl der wahlberechtigten Delegierten festgelegt werden musste. Am Sonntag wurde bekanntgeben, dass 4776 statt der zuvor genannten rund 5200 Delegierten abstimmungsberechtigt seien. Das Gerangel um die Gültigkeit der Delegiertenmandate hatte zu Beginn des fünftägigen Parteitags am Samstag Stunden in Anspruch genommen.

Gewählt wird ein Nachfolger für den langjährigen ANC-Chef Jacob Zuma, der zugleich Staatspräsident ist. Aussichtsreichste Kandidaten sind Zumas Ex-Frau Nkosazana Dlamini-Zuma sowie der stellvertretende Staatschef Cyril Ramaphosa. Zumas zweite fünfjährige Amtszeit in Folge als Staatsoberhaupt endet 2019. Wer an die ANC-Spitze gewählt wird, hat gute Aussichten, ihn auch als Staatsoberhaupt abzulösen.

Der 75-jährige Zuma ist wegen zahlreicher Korruptionsaffären und der ihm zugeschriebenen Veruntreuung öffentlicher Gelder auch innerhalb der eigenen Partei stark unter Druck. Dlamini-Zuma musste sich bereits gegen Vorwürfe wehren, gemeinsam mit ihm Stimmen für ihren Wahlsieg zu kaufen.

Die Wahl einer neuen ANC-Spitze gilt als entscheidender Moment in der jüngeren Geschichte des Landes. Auch ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Apartheid lebt die schwarze Bevölkerungsmehrheit im Land zu einem Großteil weiter in Armut.