Analysten sind der Meinung, dass der fallende Dollar ein Vorzeichen für zunehmende wirtschaftliche Probleme ist

Analysten sagen, dass der Dollarkurs weiter fallen wird und manche behaupten sogar, dass er noch kräftig fallen wird. Und dieser Absturz könnte mit der Erholung der globalen Wirtschaft zusammenfallen, die Ökonomen und Marktanalysten seit vergangenem Jahr sehen.

Präsident Donald Trumps Vorschlag von Strafzöllen könnte einen globalen Handelskrieg auslösen, der die optimistische Stimmung des Marktes ruinieren und das Wachstum weltweit schädigen könnte, erklärten Analysten Yahoo Finance. Und nirgendwo ist die Angst davor spürbarer als beim Wert des Dollar gegen den Japanischen Yen.

Der Dollar ist seit seinem Höchststand am 8. Januar 2018 um fast sieben Prozent gegenüber dem Yen gefallen. Das ist laut Daten von Bloomberg ein Jahresverlust von fas 34 %.

Der Wert des Dollar könnte drastisch sinken, wenn Präsident Trump seine Strafzölle durchsetzt, sagen Analysten. REUTERS/Thomas White

„Die globale Ökonomie ist gerade dabei, sich zu erholen und eine Sache, die diesen positiven Kreislauf stören kann, ist ein Handelskrieg und dies ist die erste Salve in diesem Handelskrieg“, sagte Boris Schlossberg, BK Asset Managements Managing Director von FX Strategie, über die vorgeschlagenen Strafzölle. „Der Yen zeigt dies schneller, stärker und intensiver an als jedes andere Instrument.“

Der Dollar ist gegenüber dem Yen stark gefallen.

Auch Christine Lagarde, die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, warnte vor den negativen Auswirkungen der Strafzölle auf die globale Wirtschaft.

„Wenn der Welthandel durch solche Maßnahmen gefährdet wird, würden sie zu einem Vektor für ein langsameres Wachstum und einen Rückgang des Handels. Die Auswirkungen auf das Wachstum wären gewaltig“, sagte Lagarde.

Der Dollar litt auch in der Vergangenheit schon unter den Ängsten von Protektionismus und Zöllen. Als die ehemaligen Präsidenten George W. Bush und Bill Clinton 2002 und 1995 weitreichende Zölle einführten, verkauften die Devisenmärkte den Dollar und sein Wert sank laut Daten von TD Securities insgesamt um 15 %.

Der Rücktritt des Direktors des Nationalen Wirtschaftsrates, Gary Cohn, der Top-Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, lässt die Märkte im Glauben, dass an den Strafzöllen wirklich etwas dran ist und der Dollar schwächelt erneut, die Preise der amerikanischen Staatsanleihen fallen und die Börse gerät ins Wanken.

Trumps Vorschlag von 25 % Strafzoll auf Stahl und 10 % Strafzoll auf Aluminium könnte trotz wiederholter Warnungen von US-Verbündeten, darunter die Europäische Union, China und die NAFTA-Partner Mexiko und Kanada, diese Woche weiter diskutiert werden.

„Die Stimmen der Vernunft im Weißen Haus schwinden und das Risiko eines Handelskrieges steigt“, schrieben Commerzbank-Strategen in einer Benachrichtigung an ihre Kunden.

Die meisten Ökonomen und Marktteilnehmer sehen Zölle negativ, da sie die Preise ausländischer Produkte in den Vereinigten Staaten erhöhen und die Nachfrage und Importe verringern. Sie können den Wert des Dollars senken, weil Zölle normalerweise Geldabflüsse aus den Vereinigten Staaten in sichere Währungen wie den Yen zur Folge haben.

Der Abverkauf des Dollar könnte sich wesentlich erhöhen

Das größte Risiko für den Dollar ist der mögliche Kapitalabfluss, sagten Analysten. Wenn die Risikobereitschaft sich signifikant verschlechtert, würde dies jegliche kurzfristige Vorteile überwiegen, die der Dollar gegenüber wachsenden Märkten in seiner Rolle als sicherer Hafen hat, erklärten sie.

Douglas Borthwick, Managing Director bei Chapdelaine Foreign Exchange, erwartet, dass der Abverkauf des Dollar erheblich steigen wird. Er erwartet, dass der Kurs am Jahresende unter 100 Yen pro Dollar liegen wird, also noch unter dem 16-Monate-Tief, das er Ende vergangener Woche erreicht hatte – der niedrigste Kurs, den der Dollar seit Ende 2013 gegenüber der japanischen Währung hatte.

Analysten erwarten auch, dass der Dollarkurs gegenüber anderen Währungen wie dem Euro, dem Britischen Pfund und dem Schweizer Franken sinken wird. Nach der Veröffentlichung des amerikanischen Jobreports am Freitag könnten die Verkäufe ansteigen und auch die Sitzungen der Europäischen Zentralbank, der Bank of Japan, der Australischen Notenbank und der Bank of Canada werden noch vor Freitag stattfinden.

Borthwick glaubt, der Dollar könnte gegenüber dem Euro mittelfristig um 25 % fallen, bevor er sich wieder erholen könnte, „wegen der Strafzölle, aber auch wegen der erklärten Ziele der [Trump] Regierung, einen schwachen Dollar zu haben“, sagte er.

TD Securities North American Head für FX Strategy, Mark McCormick, sagte, die starken Währungsbewegungen sind Teil eines „Regimewechsels“, der an den Währungsmärkten stattfindet. Er erwartet, dass der Dollar sowohl von Marktkräften als auch von politischen Kräften nach unten gezogen wird, da Trumps Politik die US-amerikanische Staatsverschuldung erhöht und das derzeitige Defizit könnte acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes des Landes betragen – oder anders ausgedrückt: um die 1,2 Billionen Euro.

Die drohende Gefahr eines Handelskrieges und Investoren, die ihre Gelder aus den Vereinigten Staaten in höchstwahrscheinlich attraktivere Orte abziehen, wird Folgen haben.

„Im Prinzip stehen wir vor einer Situation, in der die USA einen extremen Finanzbedarf haben, der ausländische Investoren benötigt“, sagte McCormick. „Aber die Länder, die Trump versucht, mit seinem Handelskrieg und anderer politischer Rhetorik zu provozieren, sind dieselben Länder, die die US-Defizite finanzieren werden. Man braucht deshalb entweder höhere Zinsen in den USA oder einen schwächeren Dollar, um dies zu kompensieren.“

Dion Rabouin