Analysekriterium hohe Dividende: Nur so wirst du erfolgreich sein

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Dividenden sind in meinen Augen eine tolle Sache. Sie können einem helfen ein zusätzliches Einkommen aufzubauen oder aber eine drohende Rentenlücke etwas zu kompensieren. Vor allem in Zeiten niedriger Zinsen dürften viele defensiv angehauchte Investoren außerdem nicht auf die Ausschüttungen verzichten wollen.

Was man jedoch nicht vergessen sollte, ist, dass auch die Dividendenrendite letztlich eine fundamentale Kennzahl zur Bewertung eines Unternehmens ist. Dementsprechend sollte man gerade bei hohen Dividendenrenditen aufpassen, dass man aus diesen Zahlen die richtigen Rückschlüsse zieht.

Lass mich dir im Folgenden daher ein wenig dabei helfen, das Analysekriterium der Dividendenrendite ein bisschen besser zu bewerten.

Dividendenrendite als Zeichen für eine Unterbewertung

Idealerweise sollte daher eine hohe Dividendenrendite auch immer ein Anzeichen für eine fundamentale Unterbewertung sein. Eine Dividendenrendite von 5 % kann so beispielsweise relativ teuer sein, wenn im historischen Vergleich konsequent mehr gezahlt wurde, oder aber auch günstig, wenn es sich um eine defensive Aktie handelt, die aufgrund von anderen dividendenunabhängigen Faktoren ein wenig eingebrochen ist. Der Kontext gibt hier den Ton an.

Gerade bei Aktien, die jedoch konsequent hohe Ausschüttungen aufweisen, kann diese Beurteilung manchmal schwierig sein. Dennoch geben in diesen Fällen selbstverständlich auch andere fundamentale Kennzahlen Aufschluss darüber, wie es um eine Dividendenaktie aus Sicht der fundamentalen Bewertung bestellt ist. Oder anders ausgedrückt: Die Dividendenrendite ist in diesem Sinne lediglich ein kleines Puzzleteil eines größeren fundamentalen Mosaiks. Die Deutung dieser Kennzahl sollte stets auch in einem größeren fundamentalen Kontext erfolgen.

Womit vergleichen? Historie? Benchmark?

Was sich anschließt, ist die Frage, womit man die Höhe der aktuellen Dividendenrendite vergleichen sollte. Prinzipiell bieten sich natürlich die eigenen Ausschüttungen in der Vergangenheit an sowie die Ausschüttungshöhen vergleichbarer Unternehmen aus einem ähnlichen Geschäftsfeld.

Wenn du mich fragst, sollte man idealerweise beide Faktoren in Betracht ziehen. Noch idealer wäre es, auch weitere Dividendenkennzahlen, wie beispielsweise das Ausschüttungsverhältnis, in diesen Analysekreis mit einzubeziehen, damit man insgesamt ein aussagekräftigeres Bild von einer Dividende bekommt.

Letztlich bietet jedoch sowohl die eigene Historie als auch der Vergleich mit anderen Unternehmen jeweils anders gelagerte Einblicke. Bei der eigenen Historie bekommt man als Investor ein besseres Gespür dafür, wo man aktuell und konkret bei dem jeweiligen Unternehmen steht, während man beim Benchmark-Vergleich ein Gefühl dafür bekommt, was gegebenenfalls in einem Segment üblich ist. Beziehungsweise was hier unterbewertet sein könnte.

Nachhaltigkeit und Wachstum mit einbeziehen!

Ganz wichtig ist zum Abschluss allerdings noch, dass man auch die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen sowie das Wachstum über Jahre hinweg beurteilt. Eine einzelne hohe Dividende, womöglich gar eine einmalige Sonderdividende, könnte nämlich das Bild erheblich verzerren. Sofern diese dann nicht nachhaltig ist, könnte das durchaus auf eine potenzielle Dividendenfalle schließen lassen.

Wichtig sollte daher bei aussichtsreichen, langfristig interessanten Dividendenaktien sein, dass die Dividendenkonstanz sowie das Dividendenwachstum stimmen. Oder besser noch: Dass die weiteren fundamentalen Kennzahlen darauf hindeuten, dass ein begonnener, nachhaltiger, schrittweise aufgebauter Dividendenlauf noch lange nicht zu Ende sein muss.

Eine hohe Dividendenrendite allein reicht nicht!

Wer daher erfolgreich Dividendenaktien analysieren will, sollte sich nicht alleine auf eine hohe Dividendenrendite verlassen. Nein, diese sollte idealerweise auf eine fundamentale Unterbewertung im historischen oder Benchmark-Vergleich schließen lassen und von weiterem nachhaltigen Wachstum begleitet sein.

Nur dann dürfte man als langfristiger Investor die besten Dividendenaktien auswählen. Und nur dann dürfte einer sehr soliden Performance und den zuverlässigen Einkommensströmen wenig im Wege stehen.

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