ANALYSE/Metzler: Erwartungen an Jenoptik sind unrealistisch hoch - 'Sell'

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Experten des Bankhauses Metzler warnen nach dem kräftigen Kursanstieg beim Technologie- und Rüstungskonzern Jenoptik vor einer Überhitzung der Aktie. Das Unternehmen habe zwar ein gutes Jahr 2017 hinter sich, attestierte Analyst Jürgen Pieper in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Allerdings seien die Erwartungen des Marktes mittlerweile auf ein unrealistisches Maß gestiegen.

Pieper kassierte folglich sein Halten-Votum und rät nun zum Verkaufen. Das Kursziel erhöhte er nach dem guten Lauf der Aktie hingegen von 20 auf 25 Euro. Gegen Dienstagmittag stand die Aktie bei knapp 30 Euro - sie musste dabei einen Verlust von 9 Prozent verkraften, was den letzten Platz im Technologiewerte-Index TecDax bedeutete.

Das Unternehmen habe zwar die Ziele für das laufende Jahr wie vom Markt erwartet angehoben. Bewertungsaufschläge von 70 bis 100 Prozent gegenüber dem Branchenschnitt im Industrietechnologien-Sektor und der Autozulieferbranche seien aber nicht gerechtfertigt, führte Pieper aus.

Für das laufende Jahr peilt Jenoptik einen Umsatz von 790 bis 810 Millionen Euro an. Die Ebit-Marge soll zwischen 10,5 und 11,0 Prozent liegen - das ist mehr als das Unternehmen bisher prognostiziert hatte. Die Erwartungen des Marktes lagen laut Pieper aber noch höher, was er für zu optimistisch erachtet.

Was sicherlich kurstreibend sei, seien die vom Unternehmen angepeilten Wachstumsraten bis 2022 und die Aussicht auf eine verbesserte Profitabilität, so der Experte. In den kommenden Jahren will Jenoptik das Wachstum beschleunigen und bis 2022 bei den Erlösen jährlich um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Zudem will das Unternehmen noch profitabler werden.

Um diese Ziele zu erreichen, will der TecDax-Konzern künftig sein Geschäft neu bündeln. Die angekündigte neue Strategie hält Pieper hingegen für nicht spektakulär. Sie dürfte die breitgefächerte Struktur des Unternehmens mit den Kernaktivitäten Automobil, Halbleiter, Gesundheit und Verteidigung nicht ändern, schrieb Pieper weiter. Synergien - sowohl bei Umsatz und Kosten - erscheinen dem Analysten begrenzt.

Eingestuft mit "Sell" erwartet das Bankhaus Metzler, dass der Aktienkurs des Unternehmens in den nächsten 12 Monaten sinken wird./mne/tav/das

Analysierendes Institut Metzler Capital Markets