ANALYSE: Kepler sieht Zeit zum Ausstieg bei HHLA gekommen - neu: 'Reduce'

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach einer Kursrally der HHLA-Aktie seit Jahresbeginn von rund 60 Prozent ist nach Ansicht des Analysehauses Kepler Cheuvreux die Zeit des Abschiednehmens gekommen. "Time to say Goodbye", titelte daher Analyst Nikolas Mauder in einer Studie am Donnerstag und stufte das Papier des Hamburger Hafenbetreibers von "Hold" auf "Reduce" ab. Das Kursziel senkte er von 24,90 auf 24,00 Euro. Das bedeutet - trotz des auch infolge dieser Studie ausgelösten Kurseinbruchs der HHLA-Aktie von zuletzt 10 Prozent - ein verbleibendes Abwärtspotenzial von rund 3 Prozent.

Nach einem von guten Nachrichten geprägten Jahr 2017 richte sich der Blick nun auf 2018, für das Mauder negativ gestimmt ist. Mit der Übernahme der Reederei Hamburg Süd durch die dänische Großreederei Moeller-Maersk gehe ein wichtiger Kunde verloren. Das könnte die HHLA in den Hamburger Terminals vier Prozent Umschlag kosten.

Darüber hinaus werde HHLA die jüngsten Zugewinne an Marktanteilen im internationalen Seefrachtgeschäft, die das Wachstum und die Anhebung der Gewinnprognosen befeuert hätten, im kommenden Jahr wohl nicht wiederholen können.

Belastend dürfte sich ferner ein zunehmender Preisdruck auswirken, denn die nordeuropäischen Häfen bauten ihre Kapazitäten für den Warenumschlag aus. Gleichzeitig schreite die Konsolidierung in der Frachtschifffahrt weltweit fort, womit der Einfluss von zwar weniger, dafür aber größerer Reedereien auf die Preise für den Warenumschlag zunehme. Aber auch das Wachstum aus eigener Kraft beim Container-Umschlag im Hamburger Hafen könnte 2018 enttäuschen.

Gute Nachrichten für die HHLA - wie etwa zur Elbvertiefung und zum Masterplan der Bundesregierung für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur - seien im Aktienkurs des SDax-Titels dagegen bereits hinreichend eingepreist, schrieb der Experte. Bei der Elbvertiefung seien außerdem künftig zudem schlechte Nachrichten wie Verzögerungen oder gar eine Aufgabe des Projekts nicht ausgeschlossen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt über weitere Klagen gegen die umstrittene Elbvertiefung.

Ein Blick auf die Bewertung der Aktie zeige, dass diese mittlerweile um 20 bis 40 Prozent über historischen Vergleichswerten gehandelt werde. Angesichts der genannten Herausforderungen sei das aber "überzogen", urteilte Mauder.

Gemäß der Einstufung "Reduce" rechnet Kepler Cheuvreux auf Sicht der nächsten zwölf Monate mit einem absoluten Abwärtsrisiko der Aktie./bek/ck/jha/

Analysierendes Institut Kepler Cheuvreux.