ANALYSE: JPMorgan setzt bei Aktien auf Zykliker und europäische Titel

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NEW YORK (dpa-AFX) - Die US-Bank JPMorgan sieht auch in der zweiten Jahreshälfte ein gutes Umfeld für Aktien. Dass die Dynamik bei den Unternehmensgewinnen derzeit ihren Höhepunkt erreiche, sei keine Überraschung und sollte deshalb auch niemandem Sorgen bereiten, schreiben die Aktienstrategen um Mislav Matejka in einer am Montag vorliegenden Studie. Zudem werde der Rückenwind durch die Konjunktur anhalten - wenn auch mit etwas vermindertem Schwung. Von der Geldpolitik der US-Notenbank Fed erwarten die Experten ebenfalls keine Stolpersteine für weiter steigende Aktienkurse.

Matejka setzt im zweiten Halbjahr auf eine Erholung konjunkturzyklischer Papiere. Aktien aus der europäischen Bergbau- und Energiebranche sollten sich dann ebenfalls wieder besser entwickeln, nachdem sie nach ihrer Rally im ersten Quartal zuletzt zurückgefallen waren. Bankentitel seien die größten Profiteure steigender Zinsen und sähen derzeit sehr günstig aus, während die Dynamik bei defensiven Werten wohl nachlassen werde.

Geografisch präferiert Matejka Aktien aus der Eurozone und aus Japan gegenüber dem US-amerikanischen und dem britischen Aktienmarkt. Der Währungsraum, in dem die Corona-Impfkampagne vergleichsweise schleppend angelaufen sei, werde von der zunehmenden Attraktivität zyklischer und unterbewerteter Titel gegenüber Technologieaktien profitieren. Der japanische Markt, der zuletzt unter politischen Unsicherheiten gelitten habe, sei derweil eine traditionelle Wette auf konjunktursensitive Aktien und teile mit Europa die vergleichsweise günstige Bewertung.

Die Schwellenländer-Börsen hätten sich seit Jahresbeginn zwar schwächer als die westlichen Märkte entwickelt, woraus sich letztlich eine günstige Einstiegsgelegenheit ergeben könnte, so der Experte weiter. Doch angesichts anhaltender regulatorischer Unsicherheiten in China und der vergleichsweise größeren Probleme durch Corona sei noch unklar, ab wann im zweiten Halbjahr eine Aufholjagd beginnen könnte.

Seitens der Weltwirtschaft prognostiziert Matejka einen Wechsel bei den Zugpferden. Eine Reihe von Konjunktur-Frühindikatoren in den USA und China habe bereits ihren Zenit hinter sich. Doch dafür sollten eine starke Konsumnachfrage und Unternehmensinvestitionen in Europa, Japan und den Schwellenländern in die Bresche springen. Denn die Lage an den Arbeitsmärkten verbessere sich und der Einfluss der Corona-Pandemie auf die wirtschaftlichen Aktivitäten lasse sukzessive nach. Unterstützung erwartet Matejka zudem durch den EU-Wiederaufbaufonds.

Generell rechnet der Experte mit einem sehr starken Gewinnwachstum der Unternehmen. Die Konsenserwartungen erschienen zwar hoch, seien in früheren wirtschaftlichen Erholungsphasen aber meistens erfüllt worden. Die Bewertungen - gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) - seien in absoluten Zahlen anspruchsvoll. Doch bei einem Vergleich von Dividenden- mit Anleiherenditen ändere sich das Bild, betont Matejka.

Eine Straffung der ultralockeren US-Geldpolitik, die seit Jahren die Anlage in Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren begünstigt, erwartet Matejka erst Anfang kommenden Jahres. Und auch dann werde die Fed sehr vorsichtig agieren, da sich der Inflationsdruck in der weltgrößten Volkswirtschaft als nur temporär erweisen werde.

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