ANALYSE: Goldman sieht bei Drillisch jetzt mehr Luft als bei Mutter United

dpa-AFX

NEW YORK (dpa-AFX) - Der abgeschlossene Coup der Drillisch-Übernahme durch United Internet hat die Sicht der US-Investmentbank Goldman Sachs auf beide Aktien deutlich verändert. Nachdem die Papiere des Internetproviders und Telekomanbieters United Internet nach der Ankündigung, den Mobilfunkdienstleister Drillisch schlucken zu wollen, stark gestiegen sind, seien kurzfristige Kurstreiber für United Mangelware geworden.

Zugleich sei die Vorhersehbarkeit künftigen Wachstums bei Drillisch sowie die Chance auf mehr Ausschüttungen an die Aktionäre deutlich gestiegen, schrieb Goldman-Sachs-Analyst Joshua Mills in einer am Donnerstag vorliegenden Studie zu den beiden Werten. United Internet und Drillisch hatten sich im Mai auf darauf geeinigt, dass United Internet Drillisch in einer komplexen Transaktion schrittweise übernimmt. Formell wurde dazu das in 1&1 gebündelte Mobilfunk- und Festnetzgeschäft United Internets bei Drillisch untergebracht.

Im Gegenzug erhielt die bereits an Drillisch beteiligte United Internet neue Anteile des Unternehmens aus zwei Kapitalerhöhungen - dadurch stieg der Anteil von United Internet an Drillisch auf 73 Prozent. Die Kurse beider Aktien legten nach der Ankündigung deutlich zu. Mills stufte die United-Internet-Aktie nun von "Buy" auf "Neutral" ab. Das Kursziel hob er jedoch von 56 auf 62 Euro an und begründete dies damit, dass er nun die Transaktion in sein Bewertungsmodell für den Internetanbieter eingearbeitet habe.

Gleiches tat er auch für Drillisch, woraufhin er das Kursziel dieser Aktie von 60 auf 75 Euro anhob und sein Anlageurteil von "Neutral" auf "Buy" revidierte. Während er damit für United Internet nur noch ein Kurspotenzial von aktuell knapp 11 Prozent sieht, erwartet er für Drillisch eines von knapp 20 Prozent.

Nach der Übernahme hätten sich die Parameter für die Anlageurteile der beiden TecDax-Unternehmen verschoben.

Drillisch, bei der United Internet jetzt das Telefongeschäft gebündelt hat, biete Anlegern nun eine rein auf den Telekombereich bezogene Chance zur Investition, gekennzeichnet durch außergewöhnliches Wachstum und deutlich steigende Barmittelbestände. Dies wecke die Hoffnung auf steigende Dividenden oder auch Aktienrückkäufe.

Drillischs Wachstum dürfte laut Mills nachhaltig sein, da das Unternehmen in der Lage sei, den Mobilfunkstandard 4G mit Vergleich zu den Wettbewerbern mit einem 30-prozentigen Abschlag anzubieten. Zu verdanken sei dies dem im Jahr 2014 mit Telefonica Deutschland geschlossenen Vertrag über den Zugang zu Netzwerkkapazitäten. Dies können durch den Zusammenschluss des Mobilfunkgeschäfts von Drillisch und United Internet besser genutzt werden. "Das ermöglicht weitere Marktanteilsgewinne im Mobilfunkbereich", schrieb er.

Zudem konnten durch den 1&1-Kauf sich ergänzende Geschäftsmodelle zusammenfasst werden. Drillisch seien dadurch 4,5 Millionen Breitbandkunden zugeführt worden, wodurch sich erstmals die Option eröffne, den Kunden miteinander verkoppelte Fest- und Mobilfunknetz-Angebote zu machen.

Mills rechnet vor allem daher damit, dass Drillisch in den nächsten fünf Jahren einen freien Barmittelfluss (FCF) von insgesamt 3 Milliarden Euro erwirtschaften werde. Ab 2022 dürften es dann jährlich 700 Millionen Euro werden. Da Drillisch schuldenfrei sei, habe das Unternehmen somit erheblichen Spielraum für weitere Zukäufe, höhere Ausschüttungen an die Anteilseigner oder auch für gemeinschaftliche Investitionen mit größeren Telekomanbietern.

Für United Internet hingegen, deren Aktien von der komplexen Drillisch-Übernahme überdurchschnittlich profitiert hätten, sähen die Perspektiven dagegen nicht ganz so glänzend aus. "Nach dem Deal gehen nun rund zwei Drittel des Unternehmenswertes von United Internet auf das Drillisch-Aktienpaket zurück", hob der Goldman-Experte hervor.

Die anderen Geschäftsbereiche hingegen - einerseits das Segment Applikationen, andererseits der Netzbetreiber Versatel - böten zugleich nur begrenzt Aufwärtspotenzial. "Kurzfristige Kurstreiber für die Aktien sind nicht in Sicht."

Für mit "Buy" eingestufte Aktien rechnet Goldman Sachs auf dem aktuellen Kursniveau sowie verglichen mit anderen von der Bank beobachteten Unternehmen derselben Branche mit einem hohen Renditepotenzial. Eingestuft mit "Neutral" geht Goldman Sachs von einem eher durchschnittlichen Renditepotenzial aus./ck/mis/zb

Analysierendes Institut Goldman Sachs.