ANALYSE: Euro-Aufwertung dürfte Wachstum bremsen

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutliche Aufwertung des Euro seit Jahresbeginn dürfte nach Einschätzung der Commerzbank das Wirtschaftswachstum belasten. "Sollte sich die jüngste deutliche Aufwertung des Euro als dauerhaft erweisen, wäre der Aufschwung in Deutschland und im Euroraum zwar nicht in Gefahr, würde aber einen Dämpfer bekommen", schreibt Volkswirt Ralph Solveen in einer Analyse vom Mittwoch. Demnach würde die Wirtschaftsleistung in den kommenden beiden Jahren um insgesamt knapp einen halben Prozentpunkt schwächer ausfallen als ohne Aufwertung. Auch die Inflation würde infolge geringerer Einfuhrpreise fallen.

Der Euro hat zum US-Dollar seit Ende 2016 etwa 14 Prozent aufgewertet. Handelsgewichtet, also im Verhältnis zu den Währungen der wichtigsten Handelspartner des Euroraums, sind es dagegen nur etwa sechs Prozent. "Auch wenn der Anstieg zuletzt sehr dynamisch war, hält sich die Aufwertung bisher noch in Grenzen", schränkt der Ökonom ein. So sei die Aufwertung verglichen mit August 2016 mit knapp fünf Prozent nicht außergewöhnlich stark. Dies spreche dagegen, dass der Eurokurs den konjunkturellen Aufschwung gefährde. "Bremsen wird er die Konjunktur aber schon."

Solveen nennt mehrere Übertragungskanäle, über die das Wachstum gebremst wird. Zum einen verteuerten sich durch einen aufwertenden Euro Exportgüter in Ländern außerhalb des Euroraums, was die Nachfrage von dort dämpfe. Darüber hinaus dürften die Exportunternehmen in Reaktion auf den stärkeren Euro ihre Absatzpreise senken, was auf den Gewinnen laste. Daneben könnten die Investitionen der Unternehmen sinken, wenn deren Produkte weniger wettbewerbsfähig würden. Auch dies dämpfe das Wachstum. "Teilweise kompensiert werden diese Effekte dadurch, dass die reale Kaufkraft durch die billigeren Importe zunimmt."