Analyse: Deutschlands Konzerne übertreffen sich selbst

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Geschäfte vieler börsennotierter Unternehmen in Deutschland laufen besser als erwartet. Nach Angaben des Prüfungsunternehmens EY setzten im ersten Halbjahr 107 von 300 Firmen ihre Gewinn- oder Umsatzprognosen herauf. Das sei der höchste Stand seit 2011. "Dank einer positiven weltweiten Konjunkturentwicklung, niedriger Zinsen und vor allem einer deutlich anziehenden Nachfrage in Europa entwickeln sich die Geschäfte gut - besser als viele Unternehmen es zu Jahresbeginn erwartet hatten", erläuterte EY-Partner Marc Förstemann am Dienstag.

Lediglich 29 der 300 Firmen, die in einem der Börsenindizes Dax , MDax , TecDax oder SDax gelistet sind beziehungsweise dem Prime Standard angehören, erwarteten schlechtere Geschäfte als zunächst angenommen.

EY zufolge dürfte sich die insgesamt positive Entwicklung fortsetzen. Ein ganzer Schwung von Dax-Konzernen hatte demnach in den ersten Wochen des zweiten Halbjahres seine Prognose angehoben - darunter Adidas , BASF , BMW , Telekom, Lufthansa , Volkswagen und Allianz. Nur ein Unternehmen aus der höchsten deutschen Börsenliga - der Pharmakonzern Merck - habe seine Umsatzerwartungen gesenkt.

Risiken sehen die Experten in einem weiteren Anstieg des Eurokurses. Dadurch werden Waren "Made in Germany" auf dem Weltmarkt tendenziell teurer. Das kann die Nachfrage dämpfen. Auch protektionistische Tendenzen in anderen Ländern und die Entwicklung in Großbritannien nach der Entscheidung, die Europäische Union zu verlassen (Brexit), bereiten Sorge. Bislang sei der befürchtete kräftige Konjunktureinbruch in Großbritannien ausgeblieben. "Allerdings mehrten sich zuletzt die Anzeichen, dass sich die Lage auf diesem für deutsche Unternehmen sehr wichtigen Markt eintrübt", warnte Förstemann.