ANALYSE: Deutsche Bank traut dem Dax auch 2018 Gewinne zu - Ziel 14 100 Punkte

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Weiter steigende Unternehmensgewinne sollten den deutschen Aktienmarkt laut Einschätzung der Deutschen Bank auch im Jahr 2018 antreiben. Dabei dürften die Konzerne hierzulande unvermindert von der Kauflaune privater Verbraucher sowie der wachsenden Weltwirtschaft profitieren.

Das könnte den Dax zum Ende des kommenden Jahres bis auf 14 100 Punkte nach oben treiben, wie Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, am Mittwoch während einer Pressekonferenz in Frankfurt zum Kapitalmarktausblick 2018 sagte. Das wäre ein Plus von rund 7,5 Prozent im Vergleich zum aktuellen Kurs. Damit würde sich die Dynamik jedoch abschwächen, nachdem der Dax in diesem Jahr bereits um mehr als 14 Prozent zugelegt hat.

Auch für die Eurozone insgesamt zeichneten sich derzeit keine Hinweise auf eine konjunkturelle Verlangsamung ab. Die Wirtschaft in der Euroregion dürfte 2018 um "solide zwei Prozent" zulegen, sagte Chefvolkswirt Stefan Schneider. Davon dürfte der EuroStoxx 50 ebenfalls profitieren und per Jahresende auf 3 850 Punkte steigen, was ein Plus von aktuell rund 7 Prozent bedeutet. Weder die Brexit-Verhandlungen noch die im Frühjahr anstehende Parlamentswahl in Italien sollten die Stimmung sonderlich trüben können.

Selbst "ein festerer Euro wird die Wachstumsdynamik nicht gefährden", sondern allenfalls etwas begrenzen, sagte Schneider weiter. Denn eine damit einhergehende Verschlechterung des preislichen Wettbewerbs in Europa dürfte zumindest teilweise durch den anziehenden Welthandel kompensiert werden.

Zunächst allerdings werde die Gemeinschaftswährung wegen anstehender Leitzinzanhebungen in den USA noch an Boden verlieren. Schneider erwartet im laufenden Jahr noch einen Zinsschritt seitens der US-Notenbank Fed und 2018 drei weitere. Das dürfte den US-Dollar in der ersten Jahreshälfte antreiben. Den Euro sieht er daher zunächst in Richtung 1,15 Dollar oder darunter fallen. Im zweiten Halbjahr dürfte er dann auf etwa 1,20 Dollar steigen. Als Auslöser dafür wird insbesondere die Europäische Zentralbank gesehen, die gegen Ende 2018 ihr Anleihekaufprogramm auslaufen lassen und eine restriktivere Geldpolitik einleiten werde.

Da am Rentenmarkt wegen voraussichtlich nur sehr langsam steigender Zinsen auch 2018 weiterhin kaum etwas zu holen sein werde, dürften Aktien bei Anlegern besonders gefragt bleiben. Im März 2018 sollte der Aufwärtstrend an den globalen Börsen ins mittlerweile zehnte Jahr gehen. "Aktien sind sicherlich nicht mehr billig, aber die Bewertungen passen zum allgemeinen Wachstums- und Zinsumfeld", sagte Portfoliomanager Stephan. Mit Blick auf einzelne Branchen bevorzugt er zyklische Sektoren, was besonders dem deutschen Aktienmarkt zugutekommen sollte. Vor allem Techwerte gehören weiter zu den Favoriten der Deutsche-Bank-Experten, aber auch Finanzwerte, Aktien aus der Industriebranche und aus dem zyklischen Konsum wie etwa von Modeunternehmen oder Unterhaltungselektronik-Herstellern.

Im Spannungsfeld von Wirtschaftsentwicklung und Notenbankpolitik müssten Anleger allerdings 2018 wieder mit stärkeren Schwankungen an den Märkten rechnen, so Stephan. Nach den moderaten Schwankungen im zu Ende gehenden Jahr sollten sie sich auf eine Normalisierung der Entwicklung und damit auf ein ausgeprägteres Auf und Ab der Aktienkurse einstellen.