ANALYSE: Deutsche Bank sieht US-Aktien auch im nächsten Jahr auf Wachstumskurs

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Eine weltweit hohe Nachfrage, steigende Investitionen und wachsende Unternehmensgewinne dürften die US-Wirtschaft nach Ansicht der Deutschen Bank auch im nächsten Jahr weiter ankurbeln. Gestützt auf dieses breite Fundament werde der marktbreite S&P 500 bis Ende 2018 auf 2850 Punkte ansteigen, prognostizierte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Mit Blick auf den aktuellen Kurs wäre das ein Zuwachs von 9,7 Prozent.

Wegen des gestiegenen Ölpreises sei zuletzt deutlich stärker investiert worden, sagte Chefvolkswirt Stefan Schneider am Mittwoch. Das zeige sich auch an einer allgemein wachsenden Auftragslage bei den Unternehmen. Und auch auf privater Seite seien die Verbraucher derzeit in Hochstimmung. Eine sinkende Arbeitslosenquote und seit diesem Jahr wieder steigende Löhne machten dies möglich. Vor diesem Hintergrund dürfte das Bruttoinlandsprodukt der USA im Jahr 2018 um 2,6 Prozent wachsen. Für 2017 wird noch ein Anstieg von 2,2 Prozent erwartet.

Als zusätzlichen Treiber nannte Stephan zudem die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Steuerreform. Sie wird laut Schneider wohl Anfang des neuen Jahres kommen und "dürfte einen knappen Viertelprozentpunkt zum US-Wachstum 2018 beitragen". Noch steht die Entscheidung des US-Senats, in dem die Republikaner nur eine knappe Mehrheit besitzen, aber aus. Die Reform sieht als einen wesentlichen Bestandteil eine Reduzierung der Unternehmenssteuer von derzeit maximal 35 auf dann 20 Prozent vor.

Der im Februar 2018 anstehende Wechsel an der Spitze der US-Notenbank (Fed) dürfte sich nach Einschätzung der Deutsche-Bank-Experten eher geringfügig auf die Aktienmärkte auswirken. "Jerome Powell wird den Kurs seiner Vorgängerin Janet Yellen beibehalten, weshalb wir weiterhin von vier Zinsschritten bis Ende 2018 ausgehen - inklusive eines Zinsschritts noch in diesem Dezember", sagte Stephan. Für 2019 rechnet die Deutsche Bank dann mit weiteren vier Erhöhungen.

Das dürfte dem US-Dollar zum Vergleich zum Euro zunächst Auftrieb geben. Für einen Euro werde es somit nur noch 1,15 Dollar oder sogar weniger geben, schätzt Stephan. In der zweiten Jahreshälfte, in der dann auch die Europäische Zentralbank geldpolitisch auf die Bremse treten werde, dürften dann aber wohl schon wieder bis zu 1,20 Dollar bezahlt werden.

Der US-Anleihemarkt laufe zwar besser als der europäische und insbesondere US-Unternehmensanleihen könnten interessant sein, wenn die Zinsen stiegen, doch müsse hier "sehr aktiv" vorgegangen werden. Portfoliomanager Stephan empfiehlt daher, weiter eher zu Aktien greifen, und rechnet damit, dass die globalen Börsen im März 2018 ihren Aufwärtstrend das zehnte Jahr in Folge fortsetzen werden.

"Aktien sind sicherlich nicht mehr billig, aber die Bewertungen passen zum allgemeinen Wachstums- und Zinsumfeld", so Stephan. Vor allem Techwerte gehören weiterhin zu seinen Favoriten - Cyber Security, Big Data, Cloud Computing und Mobile Payments zählt er zu den dominierenden Trends in 2018. Aber auch Finanzwerte, Aktien aus der Industriebranche und aus dem zyklischen Konsum wie etwa von Modeunternehmen oder Unterhaltungselektronik-Herstellern dürften weiter an Fahrt gewinnen.