ANALYSE: Deutsche Bank senkt Schaeffler nach mauem Ausblick auf 'Hold'

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Bank hat ihre Kaufempfehlung für die Aktien von Schaeffler nach Vorlage eines enttäuschenden Ausblicks kassiert. Analyst Tim Rokossa senkte sein Votum für die Papiere des Auto- und Industriezulieferers in einer am Freitag vorliegenden Studie von "Buy" auf "Hold". Das Kursziel kappte er von 18 auf 16 Euro.

Das zaghaft zurückgekehrte Vertrauen der Investoren in den Autozulieferer habe einen weiteren schweren Schlag erhalten, schrieb der Experte. Er habe gehofft, dass das dritte Quartal 2017 der Wendepunkt zum Besseren wäre. Nun aber dürften Investoren zumindest die Kommunikation des Unternehmens wieder in Frage stellen.

Am Vortag hatten die Papiere des Wälzlagerspezialisten fast 12 Prozent verloren, weil Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld die Anleger zum einen auf eine womöglich deutlich sinkende operative Marge 2018 vorbereitet hatte. Zum anderen kündigte er an, das eingeleitete konzerninterne Umbauprogramm beschleunigt voranzutreiben - ließ dabei aber offen, wie sehr das auf dem Gewinn lasten werde. Unter anderem die Unsicherheit um die Belastungen kostete den MDax-Konzern die um den Jahreswechsel eingefahrenen kräftigen Kursgewinne der Aktie.

Das Unternehmen hatte am Aktienmarkt bereits vergangenes Jahr wegen eines enttäuschenden zweiten Quartals und der einhergehenden - laut Rokossa "heftigen" - Gewinnwarnung sprichwörtliche Prügel von Analysten und Anlegern bezogen. Die Aktien waren Ende Juni an einem Tag um knapp 13 Prozent abgestürzt.

Rokossa rechnete vor, dass die Markterwartungen an die Gewinne nach dem neuen Ausblick für 2018 um bis zu 11 Prozent zurückgehen dürften. Es werde Zeit brauchen, bis wieder Vertrauen aufgebaut sei. Er und mehrere Ankerinvestoren hätten die Eckdaten zum Umsatz vor zweieinhalb Wochen als sehr positives Signal aufgefasst. Die neuen Prognosen sendeten hingegen eine ganz andere Botschaft.

Schaeffler hatte für 2018 eine um Sonderposten bereinigte Marge vor Zinsen und Steuern von 10,5 bis 11,5 Prozent in Aussicht gestellt, der freie Bargeldzufluss dürfte bei rund 450 Millionen Euro liegen. Rokossa zufolge hätten Experten im Schnitt aber bereits mit 11,9 Prozent Marge sowie 600 Millionen Euro Free Cashflow gerechnet. Auch die Werte für das abgelaufene Jahr seien beim operativen Ergebnis schwach ausgefallen.

Andere Zulieferer schafften es, den Umbau auch ohne einen bedeutenden Rückgang beim operativen Ergebnis sowie dem Geldzufluss hinzukriegen, schrieb Rokossa. "Wir haben erwartet, dass die Firma uns auf weitere Investitionen vorbereiten würde - aber nicht in diesem Ausmaß und nicht zwei Wochen nach positiven Eckdaten", so der Experte. Zudem weise die Marge im Autogeschäft einen besorgniserregenden Trend auf. Diese habe ihren Höhepunkt im Jahr 2010 erreicht.