Analyse: 2022 und 2023 mehr Firmenpleiten zu erwarten

FRANKFURT/HAMBURG (dpa-AFX) -Immer mehr Unternehmen in Deutschland stehen einer Analyse des Informationsdienstleisters Crif zufolge mit dem Rücken zur Wand. Mehr als 300 000 Unternehmen in Deutschland hätten derzeit finanzielle Probleme, stellte Crif anhand einer am Dienstag veröffentlichten Auswertung von Daten zu knapp drei Millionen Unternehmen fest. Im Vergleich zum März 2022 habe sich die Zahl der Pleitekandidaten im November um 15,6 Prozent erhöht.

"Die hohen Energiekosten, die bestehenden Probleme in den Lieferketten und die Inflation machen vielen Unternehmen zu schaffen", ordnete Crif-Deutschland-Geschäftsführer Frank Schlein ein. "Hinzu kommt die Konsumzurückhaltung bei den Verbrauchern, die aufgrund der hohen Energiepreise und der Inflation weniger Geld zur Verfügung haben."

Wie andere Marktbeobachter geht auch Crif davon aus, dass die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland im laufenden Jahr steigen wird. "Aktuell gehen wir von 14 500 Firmeninsolvenzen im Jahr 2022 aus. Das ist ein Plus von 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum", prognostizierte Schlein. 2023 sei mit einem weiteren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen auf 17 000 zu rechnen.

Im vergangenen Jahr hatte es nach amtlichen Angaben in Deutschland mit 13 993 Fällen so wenige Firmenpleiten gegeben wie nie seit Einführung der aktuellen Insolvenzordnung im Jahr 1999. Die niedrige Zahl hatte auch mit Sonderregeln während der Corona-Krise zu tun: Um eine Pleitewelle infolge der Pandemie abzuwenden, hatte der Staat die Pflicht zum Insolvenzantrag bei Eintritt von Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit zeitweise ausgesetzt. Seit dem 1. Mai 2021 gilt die Insolvenzantragspflicht wieder in vollem Umfang. Ausnahmen gab es noch bis 31. Januar 2022 für Betriebe, die im Sommer 2021 Schäden durch Starkregen oder Überflutungen erlitten haben.