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Amthor teilt bei "Maischberger" gegen Aktivistin aus: "Sie wollen eine Art Öko-Klima-Sozialismus"

Wie radikal darf Klimaprotest sein? In diesem Punkt - und vielen weiteren - gehen die Meinungen von Philipp Amthor und Carla Hinrichs weit auseinander. Bei "Maischberger" lieferten sich der CDU-Politiker und die Sprecherin der Letzten Generation nun einen Schlagabtausch, der es in sich hatte.

"Dass Rettungskräfte nicht durchkommen, geht auf Ihre Kappe", warf CDU-Politiker Philipp Amthor der Klima-Aktivistin Carla Hinrichs vor. (Bild: ARD)
"Dass Rettungskräfte nicht durchkommen, geht auf Ihre Kappe", warf CDU-Politiker Philipp Amthor der Klima-Aktivistin Carla Hinrichs vor. (Bild: ARD)

Einig werden sich Philipp Amthor und Carla Hinrichs in diesem Leben wohl nicht mehr. Das zeichnete sich bereits zu Beginn der hitzigen Debatte, die der CDU-Innenpolitiker und die Sprecherin der Letzten Generation am Mittwochabend bei "Maischberger" führten, deutlich ab: Während Amthor zum Einstieg behauptete, dass innerhalb der Gesamtgesellschaft "über 75 Prozent diese radikalisierte Form des Protests ablehnen", plädierte Hinrichs weiterhin für das "Klimakleben" als Mittel zum Zweck. "Es ist in Ordnung, wenn die Leute den Protest, den wir leisten, nicht gut finden, aber beim Anliegen sind wir uns doch einig", war sich die Aktivistin sicher.

Es sei "kein Geheimnis, dass unser Protest nervt und stört", so Hinrichs weiter. "Ich persönlich habe auch gar keine Lust darauf. Ich bin 26 und glaube, in meinen Zwanzigern sollte es mir vergönnt sein, zu studieren, eine Familie zu gründen, mein Leben zu starten." Aufgrund des Klimanotstands sei dies derzeit allerdings nicht möglich.

Amthor sah dies anders: "Wenn Sie sagen, wegen der Klimapolitik könne man keine Familien mehr in Deutschland gründen oder studieren, dann wird der Weltuntergang, den Sie prophezeien, tatsächlich irgendwann eintreten." Er sei "froh, dass Menschen in Deutschland im Moment noch studieren und dieses Land mit Innovation voranbringen wollen", erklärte der CDU-Mann - und erntete Applaus für die Feststellung, "die Klimapolitik der Bundesregierung hindert niemanden daran, eine Familie zu gründen".

Carla Hinrichs: "Ich stand mit bunten Schildern vor allen Regierungsgebäuden dieses Landes"

"Die Dosis macht das Gift", führte Amthor weiter aus. Man müsse stärker differenzieren, wo die Grenzen legitimen Protestes lägen. Über Sitzblockaden könne man "im Einzelnen" reden, so der 30-Jährige. Bei "radikalen Straßenblockaden" hingegen handle es sich um "illegitimen Protest, der auch strafrechtlich beantwortet werden muss". Von derlei Mahnungen ließ sich Hinrichs nicht beeindrucken: "Für jeden Menschen, der in einer Zelle sitzt, werden sich fünf weitere Menschen dem Widerstand anschließen. Weil sie verstehen, dass es um das Überleben geht."

"Für jeden Menschen, der in einer Zelle sitzt, werden sich fünf weitere Menschen dem Widerstand anschließen", war sich Carla Hinrichs sicher. "Weil sie verstehen, dass es um das Überleben geht." (Bild: ARD)
"Für jeden Menschen, der in einer Zelle sitzt, werden sich fünf weitere Menschen dem Widerstand anschließen", war sich Carla Hinrichs sicher. "Weil sie verstehen, dass es um das Überleben geht." (Bild: ARD)

Als Sandra Maischberger nachhakte, ob nicht auch eine klassische Form des Protests zeigen könne, dass es "um das Überleben" gehe, pochte die Mitgründerin der Letzten Generation erneut auf die Dringlichkeit der Situation: "Ich stand mit bunten Schildern vor allen Regierungsgebäuden dieses Landes. Als ich mich mit den wissenschaftlichen Fakten auseinandergesetzt habe, habe ich aber verstanden, dass das Zeitfenster, in dem wir noch handeln können, sich rasend schnell schließt. Da geht es um diese Legislaturperiode." Nur "friedlicher, ziviler Widerstand" könne die Regierung zum Umdenken bewegen.

Philipp Amthor: "Dass Rettungskräfte nicht durchkommen, geht auf Ihre Kappe"

Für "friedlich" hielt Hinrichs Diskussionspartner die Straßenproteste in deutschen Großstädten allerdings nicht - auch, wenn die Aktivistin erklärte, stets auf die Möglichkeit der Bildung einer Rettungsgasse zu achten. "Das stimmt ja nicht", konterte Amthor. "Das mit der Rettungsgasse stimmt nicht, das behaupten Sie nur!" Zwar möge es dem Politiker zufolge "einzelne Personen in den Gruppen" geben, die nicht festgeklebt seien und somit aufstehen können. Das Problem liege jedoch woanders: Es gebe laut Amthor nicht zuletzt aufgrund der Proteste "Verschiebungen in der Verkehrsstruktur", die die Bildung einer Rettungsgasse in vielen Fällen unmöglich machten. "Wir haben in Städten wie Berlin jeden Tag Verkehrschaos", warf Hinrichs ein. Amthor blieb bei seinem Standpunkt: "Dass Rettungskräfte nicht durchkommen, geht auf Ihre Kappe."

"Die Inhalte sind ziemlich lau"

Auch von den Forderungen der letzten Generation - ein Neun-Euro-Ticket, ein Tempolimit von 100 Kilometer pro Stunde und ein Gesellschaftsrat mit 160 zufällig gelosten Mitgliedern - hielt Amthor wenig. "Radikal ist die Form des Protests. Die Inhalte sind aber ziemlich lau", befand er. Dieses Ungleichgewicht sei etwas, das "deutlich Kritik verdient". Die Anforderungen seien "zu gering" - denn eigentlich, so behauptete Amthor, habe die Letzte Generation ein ganz anderes Ziel: "Sie wollen eine Art Öko-Klima-Sozialismus. Das ist mit uns nicht zu machen."

Angesichts eines derartigen Vorwurfs zeigte sich Hinrich augenscheinlich verzweifelt: "Ich kann es nicht mehr fassen. Ich weiß nicht, was ich in einer solchen Diskussionsrunde noch zu suchen habe", sagte sie - und richtete sich ans Publikum: "Was würden Sie tun als junge Frau, wenn Sie hören, dass 3,5 Milliarden Menschen gerade in Zonen wohnen, in denen Sie bald nicht mehr leben können, weil es dort zu heiß wird? Was würden Sie tun?" - Eine Antwort blieben die im Studio anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauer der Aktivistin allerdings schuldig.

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