Amokfahrt von Münster löst Debatte über Nutzen weiterer Betonsperren aus

Der Tatort am Montag

Nach der Amokfahrt von Münster hat innerhalb der Union eine Debatte um den Nutzen zusätzlicher Betonsperren gegen Fahrzeugattacken begonnen. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) äußerte sich am Montag allerdings skeptisch. Derweil gingen die Ermittlungen zum möglichen Motiv des 48-jährigen deutschen Täters Jens R. weiter.

Reul mahnte im Südwestrundfunk eine differenzierte Betrachtung der Lage an. "Die Antwort kann nicht sein, dass wir unsere Städte zubetonieren", sagte er. Es müsse nun vielmehr "klug" nachgedacht werden, wie Sicherheit erhöht werden könne. "Es nutzt kein Poller, wenn jemand mit dem Messer herumläuft."

Im Deutschlandfunk sagte Reul, Sicherheit werde in seinem Bundesland unter anderem auch dadurch verstärkt, dass Polizei und Verfassungsschutz mehr Personal erhielten. Gemeinden täten zudem bereits viel für die Sicherheit auf öffentlichen Plätzen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte nach der Tat von Münster der "Bild"-Zeitung gesagt, dass Poller in Münster hätten helfen können. Die Behörden müssten die Aufstellung von Betonsperren "überall prüfen und wenn möglich verbessern".

Der CDU-Innenexperte Philipp Amthor begrüßte die Idee in der "Bild"-Zeitung als "guten Vorschlag". Dagegen äußerte sich der innenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Volker Ullrich, skeptischer. Es könne durch Poller "nicht jeder Anfahrtswinkel" völlig blockiert werden, sagte er.

Die Ermittler setzten unterdessen ihre Suche nach dem Motiv des Täters fort. Dieses sei nach wie vor nicht geklärt, betonten Sprecher der Polizei in Münster. Zugleich verwiesen sie auf die Einschätzung von Polizei und Staatsanwaltschaft vom Vortag, wonach es Hinweise auf eine persönlich motivierte Tat gibt. Anhaltspunkte auf einen politischen Hintergrund fehlen.

Die Ermittler hatten nach eigenen Angaben nach der Tat unter anderem E-Mails mit "vagen Hinweisen auf suizidale Gedanken" gefunden, aus denen sich allerdings keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung anderer Menschen ergaben. "Dafür gab es zumindest keine Hinweise", betonte Reul im Deutschlandfunk.

R. war am Samstagnachmittag in der Altstadt von Münster in Nordrhein-Westfalen mit seinem Auto in eine Restaurantterrasse gerast. Dabei wurden eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann getötet, der Täter erschoss sich anschließend im Wagen.

Bei der Attacke wurden nach Angaben der Universitätsklinik in Münster 25 Menschen verletzt, acht davon schwer. Drei Opfer schwebten laut Krankenhaus am Montag noch in Lebensgefahr.

Der nordrhein-westfälische Sozialminister Karl-Josef Laumann regte Hilfen für die Opfer nach dem Opferentschädigungsgesetz an. Dem Gesetz zufolge erhielten Betroffene Leistungen, wenn sie Opfer einer Gewalttat geworden seien, sagte Laumann der "Rheinischen Post" laut Vorabmeldung vom Montag. Der Anspruch besteht laut Rechtslage immer dann, wenn Gesundheitsschäden bei vorsätzlichen rechtswidrigen Angriffen entstanden.

Laut einem Zeitungsbericht verkraftete R. seinen beruflichen Abstieg nicht. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" unter Verweis auf eine von den Ermittlern gesicherte E-Mail schrieb, hatte dieser eine Lampe entworfen, die sich zeitweise gut verkaufte. Später ließ der geschäftliche Erfolg dann allerdings nach.

Dem Bericht zufolge verdiente R. zwischenzeitlich viel Geld. Als sich seine Lage verschlechterte, suchte er die Schuld bei anderen. So beschuldigte er seinen Vater, brach mit Freunden und machte Ärzte für falsche Behandlungen verantwortlich.

Bereits am Sonntag hatten Medien aus den Schreiben des Täters zitiert und von "gravierenden Problemen mit seinen Eltern, von Schuldkomplexen, nervlicher Zerrüttung und regelmäßigen Zusammenbrüchen" sowie Verhaltensauffälligkeiten berichtet.

Der Vater des 48-Jährigen gab im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt" laut Vorabmeldung vom Montag einer nervlichen Erkrankung die Schuld an der Tat. "Die Krankheit hat ihn zu dieser Tat und in den Tod getrieben", sagte der 79-Jährige dem Blatt. Ihr Verhältnis sie bis vor etwa drei Jahren noch gut gewesen.

Nach Angaben der Ermittler liefen gegen den Mann unter anderem Strafverfahren wegen Bedrohung, die sich aber im familiären Umfeld ereigneten. Reul betonte am Montag, er sei der Polizei nur wegen eher kleinerer Straftaten bekannt gewesen. Zudem habe es Hinweise auf eine psychische Labilität gegeben. Niemand habe bei ihm mit gewalttätigen Aktionen rechnen können.