Amerikaner lernen Deutsch: Porsche als schnelles Kulturgut

Mit dem 911 RSR auf den Straßen von Long Beach: USA als top Porsche-Markt


Porsche wird nach dem Ende des LMP1-Programms in diesem Jahr mit voller Wucht in der GTE-Pro-Kategorie bei den 24 Stunden von Le Mans aufschlagen. Für den Klassiker im Juni in Frankreich hat die Werksmannschaft der Zuffenhausener gleich vier 911 RSR gemeldet, hinzu kommen sechs weitere Elfer in der GTE-Am-Klasse. Für den großen Werkseinsatz holt Porsche die Core-Mannschaft aus den USA an die Sarthe, die in der amerikanischen IMSA-Serie das wichtige GTLM-Engagement betreut.

"Das Oval, das von NASCAR und IndyCar bespielt wird, ist in den USA sozusagen der Kern des Motorsports, aber es gibt auch eine sehr große Sportwagenszene. Die Fangruppe in diesem Umfeld ist ganz anders als in Europa", beschreibt Porsche-Motorsportchef Frank-Steffen Walliser das Zusammenführen von zwei unterschiedlichen Motorsport-Kulturen für das Highlight des Jahres in Le Mans. Unterhaltsame Show jenseits des "großen Teiches", Performance-getriebene Einsätze in Europa und in der WM.

"USA ist ein starker Motorsportmarkt für uns. Da fährt alles", sagt Walliser. Für Porsche sind die USA generell der zweitstärkste Absatzmarkt nach China. Entsprechend wichtig ist die Darstellung der Marke im Motorsport. Dies geht von GT4 mit dem Cayman (135.000 Euro) über GT3 Cup (198.000 Euro) und GT3 beziehungsweise GTD (429.000 Euro) bis in das Topsegment mit dem 911 RSR (991.000 Euro) in der IMSA-Serie. Dabei trifft man vor allem bei den Sportwagenrennen auf zahlungskräftige Kundschaft.

"Don Panoz hat mal beschrieben: In der NASCAR hast du deinen Parkplatz, musst maximal 100 Meter gehen, dann fährt dich ein Aufzug in eine Lounge, in der du kühle Getränke und perfektes Essen bekommst. Das Problem: Auf dem Parkplatz steht dein Sportwagen neben acht Pickups. Zum Vergleich das Sportwagenrennen in Sebring: Kein befestigter Parkplatz, keine Toiletten, alles zu Fuß und nichts zu essen. Aber parken neben einem Jaguar, einem BMW und drei Porsche. Aha", beschreibt Walliser.

Während die NASCAR-Szene die breite Masse anspricht und vor diesem Hintergrund die Sponsoren aus einem entsprechenden Pool kommen, ist Sportwagensport in den USA echte Produktwerbung. Im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten", wo Sportwagen nicht aufwändig konfiguriert und bestellt, sondern aus den Showrooms gekauft werden, funktioniert der alte Motorsport-Leitspruch "Win on Sunday, Sell on Monday" immer noch - jedenfalls erheblich besser als in Europa.

"In den USA gibt es eine unglaubliche Bindung zur Marke Porsche. Der 'Porsche Club of America' hat über 100.000 Mitglieder! Das sind leidenschaftliche Fans, die den halben Tag damit verbringen, ihren Porsche zu polieren - unglaublich. Das sind oft sehr stolze Besitzer eines 911er. Da geht es gar nicht darum, zu zeigen, was man hat. Es geht um die leidenschaftliche Beziehung zu einem Produkt und einer Marke", sagt Walliser.

"Die sprechen Worte wie 'Weissach-Paket', 'Rennsport' oder 'Nordschleife' fast ohne Akzent aus. Das können sie alle. Porsche bringt den Amerikanern etwas Deutsch bei", scherzt der Porsche-Motorsportchef. Am vergangenen Wochenende gab es in Los Angeles beispielsweise eine Ausstellung unter dem Titel "Luftgekühlt". Der Zuspruch auf Einladung von Werkspilot Patrick Long war riesig. "Da finden die Amerikaner auf ihren Tastaturen für das Wort 'Luftgekühlt' sogar den Umlaut", sagt Walliser.

"Nur mal ein Beispiel: Wir veranstalten die Porsche Rennsport Reunion in Laguna Seca. Da kommen 60.000 Leute hin. Es ist die bestbesuchte Veranstaltung in Laguna Seca noch vor der MotoGP. USA ist Porsche-Land - vor allem an den Küsten sind wir stark. Wenn man Kalifornien als Einzelmarkt sehen würde, dann wäre es unser fünftgrößter weltweit", nennt Walliser das Ausmaß des Porsche-Kults in den USA.

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