American Express: Steuern belasten das Ergebnis

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Anleger, die vom Verlust im Q4 von American Express (WKN:850226) überrascht waren, sollten das Kleingedruckte lesen. Das Ergebnis wurde durch eine einmalige Steuerbelastung im Zusammenhang mit der Verabschiedung des Steuersenkungsgesetzes im Dezember belastet. Ohne Berücksichtigung der Auswirkungen von Steueränderungen stieg der bereinigte Gewinn im vierten Quartal auf 1,4 Milliarden US-Dollar bzw. 1,58 US-Dollar pro verwässerter Aktie.

American Express‘ viertes Quartal

Das Kartenunternehmen verzeichnete solide, im mittleren einstelligen Prozentbereich steigende Nettoumsätze.

Kennzahl Q4 2017 Q4 2016 Veränderung gegenüber dem Vorjahr
Nettoumsatz 8 Milliarden US-Dollar 7,4 Milliarden US-Dollar 8 %
Diskonterlöse 5,1 Milliarden US-Dollar 4,7 Milliarden US-Dollar 8 %
Bereinigter Konzernüberschuss 1,4 Milliarden US-Dollar 825 Millionen US-Dollar 69 %
Bereinigtes verwässertes Ergebnis pro Aktie $1.58 $0.88 80 %

DATENQUELLE: AMERICAN EXPRESS. BEREINIGTER KONZERNÜBERSCHUSS OHNE DIE AUSWIRKUNGEN DER IM VIERTEN QUARTAL 2017 VORGENOMMENEN STEUERBELASTUNGEN.

Was geschah in diesem Quartal

Lasst uns erst mal das Chaos mit der Steuer klären. American Express ist in diesem Quartal von einer einmaligen Steuerbelastung von insgesamt 2,6 Milliarden US-Dollar betroffen. Der Hauptteil dieser Kosten bezieht sich auf die „vermeintliche Repatriierung“ von Übersee-Gewinnen, was heute zu einer Nachberechnung für Steuern führt, die im Laufe der nächsten acht Jahre gezahlt werden müssen. Das lässt die Gewinn- und Verlustrechnung in diesem Quartal schlecht aussehen, und das wirkt sich auch auf die Gewinne in der Zukunft aus mit einem geschätzten Steuersatz von 22 %. (Fast jede Bank nimmt einen steuerlichen Buchungszuschlag in diesem Quartal, AmEx ist keine Ausnahme.)

Die Gesamtkredite stiegen im vierten Quartal auf 76,1 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 14 % gegenüber der Vorjahresperiode entspricht, währungsbereinigt um 13 %. American Express hat dem Kreditwachstum Priorität eingeräumt und sucht nach Kunden, die sich von einem Monat zum nächsten „retten“ oder Salden übertragen und somit Zinsen darauf zahlen.

Das gesamte fakturierte Geschäft stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um 11 %, währungsbereinigt um 9 %. Die Kartennutzer kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) waren herausragend, da das abgerechnete Geschäft dieser Kohorte in den USA im Jahresvergleich um 9 % und international um 20 % währungsbereinigt zunahm, so der Kommentar der Telefonkonferenz.

Die Kreditqualität ist nach wie vor ausgezeichnet. American Express hat im vierten Quartal rund 1,8 % der Kredite annualisiert abgeschrieben, gegenüber 1,6 % weltweit im Vorjahreszeitraum. Die überfälligen Kredite über 30 Tage beliefen sich auf 1,3 % des gesamten Kreditvolumens und stiegen damit geringfügig von 1,2 % im Vorjahresquartal. Egal, von welcher Seite du es betrachtest, American Express‘ Kreditkennzahlen sind für einen Kreditkartenaussteller ausgezeichnet, obwohl ein schnelles Kreditwachstum zu einem Anstieg der Ausbuchungen im Jahr 2018 führen kann. (Um die Abschreibungen von AmEx ins rechte Licht zu rücken, bedenke bitte, dass JPMorgan Chase im vierten Quartal 2017 eine Netto-Abschreibungsrate von fast 3 % seines Kartengeschäfts gemeldet hat.)

Die Diskonterlöse fielen im zweiten Halbjahr 2017 auf 1,75 % des fakturierten Geschäfts und lagen damit um 0,04 Prozentpunkte unter den Erwartungen des ersten Halbjahres 2017, die am die Investorentag zu Beginn dieses Jahres formuliert wurden. Das OptBlue-Programm für kleine Unternehmen und internationale Kursänderungen waren die Hauptverursacher. Allerdings wächst das Geschäft schneller als die Diskontsätze sinken, was zu einem Anstieg der Diskonterlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum führt.

Was das Management dazu zu sagen hatte

American Express wird wahrscheinlich immer ein ausgabenzentriertes Geschäftsmodell haben, was bedeutet, dass durch anfallende Diskontspesen bei Kartennutzung mehr Einnahmen generiert werden, als Zinsen auf Guthaben gewährt werden müssen. Dies steht im krassen Gegensatz zum Rest der Branche, die typischerweise weitaus mehr an Zinsen verdient als an Diskont- oder Interbankenentgelten.

Das Management schlug vor, höhere Rückstellungen für Kreditverluste 2018 zu schaffen, obwohl bereits Reserven für faule Kredite aufgebaut werden. Als Antwort auf die Frage eines Analysten sagte Jeff Campbell, Executive Vice President und CFO von AmEx, dass die neuen Kredite und Kreditverlängerungen in die sensible Zeitspanne fallen, in der die Verluste beginnen.

Das ist nicht nur teuer aus der Marketing-Perspektive ; Kartenfirmen sehen häufig Verluste in den ersten ein bis zwei Jahren nach der Ausgabe einer neuen Karte. In dieser Zeit zahlen manche Karteninhaber ihre Kartenbelastungen nicht zurück. Einige Darlehensnehmer leben über ihre Verhältnisse.

Es gilt zu beachten , dass der Anstieg der Risikovorsorge im vierten Quartal um 33 % im Vergleich zum Vorjahr weitaus höher ausfiel als der A nstieg der Kreditausfälle um 1 1 % . American Express erwartet für das gesamte Jahr 2018 höhere Rückstellungen, da es weiterhin nach Möglichkeiten sucht, das Kredit wachstum voranzutreiben.

Es besteht kein Grund zur Besorgnis, da Mensche n mit Kreditkartenguthaben offensichtlich eher in Verzug geraten als diejenigen, die ihre Karten immer in voller Höhe abbezahlen. Diese Entwicklung sollte im Jahr 2018 genau beobachtet werden, da AmEx durch Kredite das Umsatz- und Gewinnwachstum vorantreiben will. American Express wird mehr wie ein Kreditgeber als ein Kartennetzwerk agieren , und das bedeutet mehr Gewinnvolatilität dank Rückstellungen.

Ein Blick in die Zukunft

American Express wies darauf hin, dass aufgrund von Belastungen durch die Steuererhöhung , die Common Equity Tier 1 (CET1) der Gruppe im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva auf 9 % sank und damit unter die Prognosen trotz des CCAR-Prozesses 2017 (Stresstest) blieb. Daher wird AmEx seine Rückkaufermächtigung für das erste Halbjahr 2018 einfach ungenutzt lassen, um seine Kapitalbasis wieder aufzubauen. Die Dividende bleibt davon unberührt.

Es wird oft gesagt, dass Unternehmen zwei Arten von Büchern führen: Eines für die Investoren, das allgemein anerkannte Rechnungslegungsgrundsätze (GAAP) anwende t , und ei nes für Steuerzwecke (um festzustellen, wie viel sie Uncle Sam schulden). Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Banken eine dritte Version von Büchern für Regulierungsbehörden führen. Die Steuerbelastungen in diesem Quartal wirkten sich auf die Kennzahlen aus. Die Aufsichtsbehörden verwenden diese , um festzustellen, wie viel Kapital AmEx an die Aktionäre auszahlen kann. Daher hat AmEx beschlossen, 2018 auf Rückkäufe zu verzichten, um seine Bilanz für regulatorische Zwecke zu „reparieren“.

Ist AmEx in Schwierigkeiten? Nein. Ist AmEx schlechter gestellt als vor der Steueränderung? Möglicherweise nur unter den Kennzahlen, welche die Regulierungsbehörden verwenden. In der Telefonkonferenz sagte das Unternehmen: „Aufgrund der niedrigeren Steuern erwarten wir im Laufe der Zeit, dass wir die Reduzierungen bei den Aktienrückkäufen im Jahr 2018 wieder ausgleichen werden. Wir erwarten ferner, dass wir höhere Gewinne erzielen und mehr Kapital an die Aktionäre zurückgegeben können, also wir ohne die Steuerreform gehabt hätten. “ Einmalige Steuerpositionen sind ein Kompromiss, den jede Bank von Zeit zu Zeit ein gehen würde, selbst wenn das Resultat kurzfristig negativ ist.

Das Unternehmen hat für 2018 einen Gewinn pro verwässerter Aktie von 6,90 bis 7,30 US-Dollar angesetzt, was bei einem Mittelwert von 7,10 US-Dollar eine Steigerung von 21 % gegenüber dem Ergebnis im Jahr 2017 bedeutet. Die Aktionäre sollten sich darüber freuen.

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The Motley Fool empfiehlt American Express.

Dieser Artikel von Jordan Wathen erschien am 30.1.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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