Wo „America first“ schon heute gilt

Ein Mitgrund für Donald Trumps protektionistische Attacken ist das chronische Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber Deutschland. Allerdings gibt es auch eine Reihe von Gütern, bei denen die USA mehr nach Deutschland exportieren als sie von uns beziehen. Elf Produkte, auf die Trump besser keine Zölle erheben sollte.

Das kann Donald Trump nicht gefallen: Mitten in den eskalierenden Zollstreit platzte gestern die Nachricht, dass das Handelsdefizit der USA im Januar so stark gewachsen ist wie seit über neun Jahren nicht mehr. Im Januar überstiegen die Importe die Exporte um 56,6 Milliarden Dollar – das sind fast drei Milliarden Dollar mehr als im Vormonat. Im Gesamtjahr 2017 war das US-Handelsdefizit auf etwa 566 Milliarden Dollar gestiegen und damit auf das höchste Niveau seit 2008.

Immer wieder lässt sich der US-Präsident daher auch kritisch über die Handelsbeziehungen zu Deutschland aus. Das Defizit der Vereinigten Staaten im Handel mit der Bundesrepublik ist unter allen Handelspartnern immerhin das viertgrößte.

Trumps Drohung, nach Waschmaschinen, Solarpaneelen, Stahl und Aluminium bald auch Autos mit Strafzöllen zu versehen, sorgt daher für Unruhe in den Chefetagen der deutschen Autokonzerne.


Allerdings ist die Gemengelage im deutsch-amerikanischen Handel nicht ganz so eindeutig, wie es Trump bei seiner „America first“-Strategie und seinem Lamentieren über „unfaire“ Handelspraktiken gerne hätte. Löst man sich von den aggregierten Zahlen und schaut sich einzelne Produktgruppen an, so zeigt sich: Bei vielen Gütern gibt es ein Ungleichgewicht in die genau andere Richtung - die USA exportieren mehr nach Deutschland als sie von uns einkaufen. Bestes Beispiel: Erdöl und Gas. Hier stehen jährlichen US-Exporten nach Deutschland im Wert von umgerechnet knapp 221 Millionen Euro Importe von exakt null Euro entgegen. In der Produktgruppe „Fische, Krebs- und Weichtiere“ kauft Amerika für 103,9 Millionen Euro bei uns ein, liefert aber für 187,13 Millionen. Auch bei Tabak (147 Millionen Euro zu 13,7 Millionen Euro), Musikinstrumenten (61,77 Millionen Euro zu 54,24 Millionen Euro), Fleisch (70,08 Millionen Euro zu 3,52 Millionen Euro) und Gemüse (51,26 Millionen Euro zu 20,38 Millionen Euro) schlägt das Pendel klar zugunsten der Amerikaner aus. Gleiches gilt für Edelsteine, Keramikartikel, Kokerei- und Mineralölerzeugnisse, Getreide und Blumen.

Wer sagt es Donald Trump?

Exportwert (in Mio. Euro) Importwert (in Mio. Euro)
Perlen, Edelsteine, Edelstahl 1.239,94 1.402,00 -162,06
Keramik 180,77 187,39 -6,62
Fisch, Krebs-und Weichtiere 103,90 187,13 -83,23
Kokerei- und Mineralölerzeugnisse 90,52 428,20 -337,68
Musikinstrumente 54,24 61,77 -7,53
Gemüse 20,38 51,26 -30,88
Tabak 13,70 146,96 -133,26
Getreide 7,11 11,26 -4,15
Fleisch 3,52 70,08 -66,56
Pflanzen/Blumen 0,87 20,26 -19,39
Erdöl, Erdgas 0,00 220,87 -220,87
Quelle: Destatis 2017, Zahlen gerundet, ausgewählte Güter