AMD: Bringen die Quartalszahlen den Turnaround?

Benedikt Kaufmann

Anleger jubeln, der Kurs von AMD springt nach starken Quartalszahlen um zehn Prozent nach oben. Ein klassisches „Beat and Raise“. Der Turnaround scheint in greifbarer Nähe.

Die Zahlen des zweiten Quartals übertrafen die Erwartungen die Analysten. AMD meldete Gewinne je Aktie von 0,02 Dollar, erwartet wurde nur das Erreichen der Gewinnzone. Auch bei den Umsätzen von 1,22 Milliarden Dollar lagen die Analysten mit erwarteten Erlösen von 1,16 Milliarden Dollar daneben.

Der Grund für die starken Zahlen war die hohe Nachfrage nach Grafikkarten der 500er-Serie. Die Grafikkarten eignen sich hervorragend zum sogenannten „minen“ (vom engl. to mine = schürfen) von Kryptowährungen wie beispielsweise Ethereum. Mit dem enormen Preisanstieg von Ethereum wurde auch das Mining lukrativer. Ein regelrechter Kryptogoldrausch brach aus, der die Nachfrage nach Grafikkarten enorm antrieb. Für das Segment Computing und Graphics meldet AMD dementsprechend ein Umsatzplus von 51 Prozent.

Vorsicht: Hype

Beim Hype um AMD ist jedoch Vorsicht angebracht: Die aktuelle Nachfrage nach den Grafikkarten ist nicht nachhaltig – hängt sie doch zu stark vom extrem volatilen Preis der Kryptowährungen ab. Auch dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis effizientere, auf Mining spezialisierte Prozessoren auf den Markt kommen. Ebenfalls enttäuschend fiel das Segment Enterprise, Embedded and Semi-Custom auf, das mit 563 Millionen Dollar um fünf Prozent weniger Umsatz beisteuerte als im Vorjahresquartal.

Dennoch blickt AMD positiv in Zukunft, wie der aktuelle Ausblick zeigt. Im kommenden dritten Quartal will der Chip-Hersteller ein Umsatzwachstum von 15 Prozent erzielen. Für diesen Zugewinn dürften die neuen Grafikkarten der Vega-Generation und die Notebook-Prozessoren der Ryzen-Reihe sorgen, deren Verkäufe sich im Q2 noch nicht bemerkbar machten.

AMD auf Schlagdistanz zu den großen Konkurrenten

Mit den neuen Produkten schafft es AMD technisch wieder auf Schlagdistanz zu den großen Konkurrenten Intel und Nvidia zu kommen. Finanziell sorgt der Krypto-Boom für ein Bomben-Quartal. Der Turnaround rückt in greifbare Nähe – ist aber noch nicht vollzogen. Hierzu muss AMD auf dem Servermarkt zulegen – auf dem schrumpfenden PC-Markt zum strauchelnden Konkurrenten Intel aufzuschließen, genügt nicht.