Amazons investiert international – das drückt mittelfristig die Gewinne

Benedikt Kaufmann
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Amazons investiert international – das drückt mittelfristig die Gewinne

Amazon wachst rasend schnell. Insbesondere die internationale Expansion sorgt für zusätzliche Umsätze. Der wichtigste Markt außerhalb der USA ist dabei Europa. Allein Deutschland und Großbritannien steuerten im vergangenen Jahr 17 Prozent zum Umsatz bei. Möglich ist das nur durch hohe Investitionen – vor allem in Versandzentren.

Eine Karte von Citi Research zeigt deutlich wie viele Versandzentren seit 2010 in Europa hinzukamen. Mittlerweile liefert Amazon Waren an über 50 Länder in Europa und beschäftigt insgesamt 50.000 Menschen. Laut Citi versechsfachte Amazon die Kapazitäten seit 2010.

Deutschland und Großbritannien sind neben den USA die größten Amazon-Märkte. Hier wurden im vergangenen Jahr 23 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Aktuell steht Italien im Fokus. Dort will der Shopping-Gigant rund 550 Millionen Dollar in logistische Infrastruktur investieren.

Doch auch abseits von Europa sucht Amazon neue Wachstumsmöglichkeiten. So will der Konzern in den kommenden Jahren rund 5 Milliarden Dollar in Indien investieren und kaufte vor kurzem Souq.com um den Markt im Nahen Osten abzudecken.

Bottom-Line unter Druck

Derartig hohe Investitionen drücken auf die operativen Margen. Tatsächlich konnte Amazon noch nie eine positive operativen Margen im zweistelligen Bereich verzeichnen. Hier geht es dem E-Commerce Giganten nicht anders als den großen US-Einzelhändlern Wal-Mart oder Sears. Anders als andere Einzelhändler hat Amazon dank des technologischen Know-Hows jedoch die Möglichkeit als Online-Werbeplattform, E-Commerce-Marktplatz, Video-Dienst oder Cloud-Anbieter höhere Profite zu erzielen. So ist beispielsweise Amazon Web Service (AWS) bereits jetzt profitabler als das Kerngeschäft.

Dennoch stören sich viele Anleger an den hohen Investitionsausgaben und dem mangelnden Fokus auf Profite. Das letzte Quartal (Q3 2016), als Amazon massiv Investitionen auffuhr und dadurch einen starken Gewinnrückgang verbuchte, fiel die Aktie in den kommenden 14 Handelstagen um rund 15 Prozent. Ein ähnliches Szenario lässt sich aktuell nach den Zahlen des dritten Quartals beobachten. DER AKTIONÄR hat daher geraten einen Teil der Gewinne mitzunehmen und auf eine Chance zum Reinvestieren zu warten. Denn eines ist klar: Langfristig bleibt Amazon eine Long-Position.