Amazon wollte weltweit den Markt für Veranstaltungstickets aufmischen. Doch nun zieht sich der Online-Riese aus dem Testmarkt Großbritannien zurück.


Amazon erleidet einen Rückschlag bei seinen Ambitionen, im Geschäft mit Veranstaltungstickets anzugreifen. Der Online-Händler stellt das vor zwei Jahren in Großbritannien gestartete Geschäftsfeld offenbar ein. Dabei hatte die Branche eigentlich bereits mit einem weltweiten Vorstoß gerechnet.

Großbritannien war der Testmarkt für den Einstieg in den Kartenhandel, der in Europa von einigen wenigen Spielern wie CTS Eventim und dem US-Anbieter Ticketmaster dominiert wird. Das Geschäft mit dem Veranstaltungsvorverkauf ist in den vergangenen Jahren immer weiter in den Online-Bereich abgewandert – was auch Amazons Interesse geweckt hat.

Zuletzt drückten die Spekulationen über einen großen Einstieg des Online-Giganten sogar auf den Aktienkurs des deutschen Anbieters CTS Eventim. Schließlich gilt das Ticketing auch wegen der Marktmacht des expansiven norddeutschen Unterhaltungskonzerns als stabiler Gewinnbringer. Das Bundeskartellamt wacht inzwischen mit Argusaugen über den Markt.


Trotz des eigentlich attraktiven Markts sieht es nun so aus, als bliebe die Konkurrenz durch Amazon vorerst aus. In den USA gab es bereits im November Gerüchte, Amazon verschiebe einen dort geplanten Start auf unbestimmte Zeit, weil ein Vertrag mit dem wichtigen Veranstalter Live Nation nicht zustande gekommen sei.

Damit hätte Amazon wichtige Konzerte nicht anbieten können. Auch in Europa hätte Amazon für den Einstieg in den Markt neue Verträge abschließen müssen. Zudem unterscheiden sich die Gepflogenheiten zwischen den USA und Europa deutlich – der Markteinstieg wäre recht komplex gewesen.

Daher baute Amazon in den vergangenen Jahren laut Stellenausschreibungen Personal und Know-how auf – offenbar vorerst vergeblich. In Großbritannien nämlich teilt Amazon nun den Kunden auf seiner Ticketing-Website mit, ab dem heutigen Mittwoch würden die meisten Veranstaltungen schrittweise aus dem Angebot entfernt.

Nur wenige Karten seien noch einige Zeit bestellbar. Bereits gekaufte Tickets blieben aber gültig. Ein Sprecher von Amazon UK bestätigte dem Handelsblatt den Schritt auf Anfrage, äußerte sich aber nicht zu den Gründen.