Amazon: Der neue Blockchain-Dienst könnte IBM Kopfschmerzen bereiten

Motley Fool Investmentanalyst

Amazon (WKN:906866) hat kürzlich Blockchain Templates eingeführt, eine Art „Blockchain as a Service“ für AWS (Amazon Web Services). Die sollen es Entwicklern erleichtern, Blockchain-basierte Projekte zu erstellen. Der Dienst stellt den Benutzern voreingestellte Blockchain-Frameworks zur Verfügung, die zwei gängige Versionen der Technologie unterstützen.

Das erste, Ethereum, wurde verwendet, um die Ether-Krypto-Währung und andere Blockchain-Anwendungen zu erstellen. Die zweite, die Hyperledger Fabric der Linux Foundation, wird hauptsächlich für Unternehmensanwendungen verwendet. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass Ethereum für öffentliche Anwendungen entwickelt wurde, während Fabric auf private Clouds abzielt.

AWS ist bereits die größte Cloud-Infrastruktur-Plattform der Welt, so dass das Hinzufügen von Blockchain-Templates viele bestehende Entwickler anziehen könnte. Blockchain wird häufig mit Krypto-Währungen in Verbindung gebracht, aber die verteilte Verzeichnis-Technologie kann auch zur Verifizierung von Finanztransaktionen, zur Rationalisierung von Logistiknetzwerken und zur Verfolgung von Lieferketten verwendet werden.

Der Einstieg von Amazon in den Blockchain-Markt könnte IBM (WKN:851399) Sorgen bereiten, die oft als Marktführer im Bereich Enterprise Blockchain Services angesehen wird. Im vergangenen Jahr stellte Juniper Research fest, dass 60 % der Führungskräfte in der Technologiebranche IBM als Marktführer in der Blockchain eingestuft haben. An zweiter Stelle lag Microsoft mit 20 %. Wenn Amazon AWS gegen IBM ins Feld führt, könnte Big Blue im Blockchain-Markt an Boden verlieren.

Warum die Amazon Blockchain bei IBM für Angst sorgen sollte

Amazons Einnahmen bei AWS stiegen im letzten Jahr um 43 % auf 17,5 Milliarden Dollar und machten 10 % des Umsatzes aus. Im letzten Quartal stieg der Umsatz von IBM in der Cloud um 22 % auf 17,7 Milliarden Dollar. Ein großer Teil dieser Einnahmen stammt jedoch von privaten Cloud-Plattformen – nicht von öffentlichen wie AWS, das als hybrides IaaS (Infrastructure as a Service) und PaaS (Platform as a Service) betrachtet wird.

IBMs Cloud-„as a Service“-Umsätze wuchsen im letzten Quartal auf 12-Monats-Basis um 25 % pro Jahr auf 10,7 Milliarden Dollar. Allerdings stammt nur ein kleiner, ungenannter Prozentsatz davon von der PaaS-Plattform Bluemix, die direkt mit AWS konkurriert.

IBM integriert viele seiner Technologien der nächsten Generation in Bluemix, u.a. die Watson AI-Plattform und seinen IBM Blockchain-Service. Im März letzten Jahres hat IBM einen Hyperledger Fabric Service für IBM Blockchain eingeführt. IBM hat noch keinen Ethereum-Dienst veröffentlicht, hat sich aber kürzlich über eine Zahlungspartnerschaft mit dem Blockchain-Startup Stellar mit Krypto-Währungen beschäftigt.

Die Entscheidung von Amazon, sowohl die Dienste Ethereum als auch Hyperledger Fabric einzuführen, bedeutet, dass das Unternehmen mit seinen Blockchain-Diensten den öffentlichen und privaten Cloud-Markt überbrücken will. IBM hat einen festen Überblick über den privaten Cloud-Markt vor Ort, aber AWS hat mit Virtual Private Cloud (VPC)-Diensten, die Teile der Public Cloud von AWS für den privaten Gebrauch isolieren, an Boden gewonnen. Die CIA beispielsweise nutzt bereits eine „geheime Ecke“ der AWS, um ihre klassifizierten Daten zu hosten. Daher könnte der Einsatz von Fabric auf den VPCs von AWS dem Einsatz von Fabric auf den lokalen privaten Clouds von IBM entgegenwirken.

Sollten sich IBM-Investoren Sorgen machen?

Amazon bringt ständig neue Dienste auf den Markt, um mit den neuesten Technologien wie Internet der Dinge (IoT) und AI-Diensten Schritt zu halten. So war es nicht verwunderlich, dass AWS auch eine Blockchain-Plattform auf den Markt brachte.

IBM-Investoren sollten nicht unbedingt in Panik geraten, denn Big Blue hat sich bereits große Blockchain-Deals mit Unternehmensriesen wie dem Schifffahrtsriesen Maersk, dem Konsumgüterhersteller Unilever und sieben der führenden Banken Europas gesichert. Das Blockchain-Geschäft bleibt auch ein winziger Teil von Big Blue’s fünf „strategischen Imperativen“ – seine wachstumsstärkeren Cloud-, Analyse-, Mobil-, Sicherheits- und Social-Geschäfte -, die das schwächer gewordene Wachstum seiner Legacy-Geschäfte ausgleichen.

Amazon machte jedoch deutlich, dass man plant, mit IBM in fast allen seinen Next-Gen-Ventures – einschließlich maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz, Quantencomputer und jetzt eben auch Blockchain – über neue Dienste für AWS zu konkurrieren. Dieser Trend ist beunruhigend und deutet darauf hin, dass IBM sich von Amazon stärker abheben muss.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und wettet gegen IBM.

Dieser Artikel von Leo Sun erschien am 29.4.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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