Amazon macht Geld mit Whole Foods – auch wenn die Preise fallen

Benedikt Kaufmann
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Amazon hat wieder Hunger – Kaufchance!

Amazon versuchte lange Zeit den Eintritt auf den großen US-Lebensmittelmarkt – mit dem Abschluss der Whole-Foods-Übernahme gelingt das schlagartig. Nicht nur die 456 Whole-Foods-Standorte gehen an den Internet-Riesen, sondern auch die Zuliefererketten und Kunden. Für Letztere hat Amazon sogar eine Überraschung: Die Preise werden gesenkt.

Aktuell entfallen nur 0,8 Prozent des 770 Milliarden Dollar Lebensmittelmarktes auf Amazon. Zudem erfolgen nur zwei Prozent aller Lebensmittelverkäufe in den USA online. Das dürfte sich bald ändern, denn die Produkte, Kunden, Supermärkte, Warenlager und Zulieferer, die Whole Foods in den Konzern einbringt, heben die „Spielereien“ des Online-Händlers um Amazon Fresh und Amazon Go auf ein neues Level.

Spielräume für Amazon

Unter Amazon Fresh erprobte der Internet-Konzern die Lieferung von zuvor online bestellten Lebensmitteln. Ebenfalls im Test: der Einsatz von Drive-in-Stationen, an denen Kunden mit dem Auto vorfahren und im Internet bestellte Lebensmittellieferungen abholen können.

Mit Amazon Go gibt es zudem einen „traditionellen“ Lebensmittel-Laden in Seattle. Jedoch bezieht sich „traditionell“ nur darauf, dass Kunden den Laden tatsächlich betreten und Waren aus den Regalen nehmen. Die Kasse sowie die Kassiererin werden durch moderne Technik ersetzt.

Der Umbau der Whole-Foods-Filialen in „Amazon Go“-ähnliche Märkte dürfte jedoch einige Zeit dauern und den ein oder anderen Dollar verschlingen. Wie kann es dann sein, dass Amazon gleichzeitig auch noch die Preise in den Whole-Foods-Märkten senken kann?

Während die operativen Margen von vergleichbaren Konzernen wie Vipshop bei 6,7 Prozent liegt, erzielt Amazon nur 1,7 Prozent. Betrachtet man nun die Marge von 4,8 Prozent, die Whole Foods erwirtschaftet, ergeben sich hier Spielräume. Diese geringe, aber im kompetitiven Einzelhändler typische Marge, durch Preissenkungen weiter zu drücken, war für die Whole-Foods-Aktionäre undenkbar. Unter dem Dach von Amazon ist dies möglich.

Disruptor Amazon

Es ist unwahrscheinlich, dass aus dem Amazon-Lebensmittelgeschäft mehr als ein Mini-Margen-Business wird. Es geht um Marktmacht – um Umsatzzuwachs – die Masse macht die Marge. Wie gut Amazons Online-Offline Lebensmittelgeschäft wird, bleibt abzuwarten. Hier gilt: Derart experimentier- und expansionsfreudig wie Amazon sind nur wenige im Markt.

Die damit einhergehende Investitionsfreude stößt jedoch aktuell den Amazon-Anlegern negativ auf. Seit der Veröffentlichung der Q2-Zahlen verzeichnete die Aktie Verluste von über elf Prozent. Nach den Zahlen empfahl DER AKTIONÄR einen Teil der Gewinne zu realisieren. Langfristig ist die scheinbar endlose Wachstumsstory von Amazon jedoch intakt. Anleger behalten Geduld und warten auf ein Signal zum Reinvestieren.