Die Amazon.com Geschichte, die uns über das Investieren in die Zukunft lehrt

Matt Koppenheffer, Motley Fool Senior Investmentanalyst

Das ist schon witzig, vor 10 Jahren kannten wir bereits den Wert des Internets. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir aber, dass wertvolle Domains wie .com, .de, .org und so weiter damit gemeint wären. Erst 2012 expandierte die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) die generischen Top-Level-Domains (gTLD).

Aber eins nach dem anderen. Wir kommen gleich darauf zurück.

Vor 10 Jahren war das Jahr 2007. Weitere zehn Jahre zuvor hatten wir das Jahr 1997. Amazon (WKN:906866) hatte gerade erst seinen Börsengang im Mai 1997 hinter sich gebracht und nannte sich damals noch „der führende Online-Einzelhändler für Bücher“. Ich erwähne hier Amazon, weil das Unternehmen eine so wichtige Rolle für den Rest unserer Geschichte spielt.

Im Jahr 1997 hatten einige Leute schon eine ziemlich gute Vorstellung davon, wie wertvoll Internet-Domains einmal sein würden. Zum damaligen Zeitpunkt hatten die meisten den Ausdruck „Internet-Domain“ zwar schon mal gehört, jedoch keine Ahnung, was damit eigentlich gemeint war. Die ICANN von weiter oben wurde auch erst im Jahr 1998 gegründet.

Wenn wir noch einmal zehn Jahre zurückgehen, dann schreiben wir das Jahr 1987. Wenn man zu diesem Zeitpunkt den Ausdruck „.com“ in den Mund genommen hätte – vielleicht einen der wichtigsten Internetausdrücke, die es gibt – dann hätte niemand auch nur den blassesten Schimmer davon gehabt, was das zu bedeuten hat.

Das war erst vor 30 Jahren. In der unendlichen Geschichte der Zeit praktisch nicht mehr als ein Sekundenbruchteil.

Und heute …

Amazon kämpft mit Brasilien und Peru um Internetadressen

Wenn wir einen Schritt zurück machen und darüber nachdenken, dann ist das absolut unglaublich. Amazon, ein Unternehmen, das vor 20 Jahren noch ganz klein war, befindet sich jetzt in einer direkten Konfrontation mit zwei souveränen Nationen über etwas (Internet-Domainnamen), wovon vor 20 Jahren noch keiner eine Ahnung hatte – und das vor 30 Jahren noch nicht einmal existierte!

Okay, du kratzt dich vielleicht jetzt ungläubig am Kopf, aber es geht hierbei um die Tatsache, dass Amazon sich um eine neue Klasse von Top-Level-Domains (wie oben schon erwähnt „gTLD“) bemüht hat. Das Unternehmen wollte die Domain „.amazon“ haben, was es dem Unternehmen erlauben würde, alle möglichen Adressen zu schaffen, angefangen mit www.filme.amazon bis hin zu www.grossartige-elektronic-geschenke.amazon … und noch jede Menge andere.

Das Problem: Brasilien und Peru hat das gar nicht gefallen. Sie finden, dass die Amazonasregion in Südamerika stattdessen die Domainendung bekommen sollte.

Vor vier Jahren bewarb sich Amazon um diese Domain und der Streit ist immer noch im Gange …

Die unglaublichen Veränderungen, die morgen kommen werden

Ich möchte diesen Punkt nicht überstrapazieren, aber … je mehr ich über diese Situation nachdenke, desto weniger kann ich es glauben. Wir sprechen ja von einem Unternehmen, das relativ klein war und eine Marktkapitalisierung von 426 Millionen US-Dollar im Mai 1997 hatte. Amazon war zu der Zeit ein kleiner Online-Buchladen, an den viele Leute damals nicht geglaubt haben. Eine wertvolle Domainendung wie „.amazon“ hätte vor 20 Jahren auch niemand als besonders wertvoll erachtet.

Trotzdem streitet sich jetzt ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 533 Milliarden US-Dollar (ja, das ist Amazon!) mit zwei Ländern mit einem gemeinsamen BIP von fast zwei Billionen US-Dollar genau darum.

Im Jahr 1997 hätte das wahrscheinlich noch nach Science-Fiction geklungen. Trotzdem ist das jetzt die Realität.

Daher sollten wir uns fragen, was wir von der heutigen Science-Fiction eigentlich halten oder noch besser, woran wir heute noch gar nicht denken! Diese Dinge könnten sehr groß werden und in zehn oder zwanzig Jahren Realität sein.

Es wird Gewinner geben (und Verlierer)

Einer meiner liebsten Investoren, Warren Buffett, konzentriert sich beim Investieren oft auf Unternehmen, die nicht mit der Zeit gehen müssen. Unternehmen wie Coca-Cola (WKN:850663) und Kraft Heinz (WKN:A14TU4) zum Beispiel. Aber selbst Buffett erkennt an, dass die Veränderung eine Konstante ist und dass es immer weniger Unternehmen gibt, die es sich leisten können, nicht mit der Zeit zu gehen. Ich glaube, dass viele seiner erfolgreichen Investitionen Unternehmen sind, die sich nicht drastisch verändern mussten, aber trotzdem flexibel genug waren, um sich zu ändern, wenn es nötig war.

Auch das Portfolio von Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2) hat sich sehr verändert – Apple (WKN:865985) und IBM (WKN:851399) gehören heute zu den Top-Positionen.

Eine Herangehensweise, um mit diesen massiven Veränderungen umzugehen, wäre sich auf Unternehmen zu konzentrieren, die sich nicht zu sehr ändern müssen.

Andererseits kann man auch genau auf die Unternehmen abziehen, die die Welt gerade verändern.

Ein anderer Investor, den ich sehr schätze, ist einer der Gründer von Motley Fool. David Gardner konzentriert sich auf letztere Art von Investitionen und ist damit unglaublich erfolgreich. Zu seinen Erfolgen zählt eine frühe Investition in Amazon, die zu einem unglaublichen Ergebnis geführt hat.

David empfahl die Aktie von Amazon, als sie (splitbereinigt) für 3,21 US-Dollar gehandelt wurde. Am 27. Oktober stieg die Aktie von Amazon von 972,43 US-Dollar auf 1100, 95 US-Dollar. Das bedeutet, dass dieser Gewinn innerhalb eines einzigen Tages von 128,52 US-Dollar 40 mal mehr war als seine ursprüngliche Investition.

Wow.

Dieses Beispiel ist natürlich ein (hoch-profitabler) Ausreißer. Aber es stellt klar dar, wie die fast-unglaublichen Änderungen der Zukunft uns Investoren große Gewinne bringen könnten.

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Matt besitzt Aktien von Amazon.com, Apple und Berkshire Hathaway. John Mackey, CEO von Whole Foods Market, ein Amazon Tochtergesellschaft, ist ein Mitglieder von The Motley Fool Vorstand. David Gardner besitzt Aktien von Amazon und Apple. The Motley Fool besitzt Aktien von und empfiehlt Amazon, Apple und Berkshire Hathaway. The Motley Fool hat die folgenden Optionen: long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und short Januar 2020 $155 Calls auf Apple.

Motley Fool Deutschland 2017