Wird Amazon 2018 einen Aktiensplit durchführen?

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Aktiensplits erhalten viel Aufmerksamkeit von den Anlegern. Sie haben keinen Einfluss auf die zugrundeliegende Ökonomie eines Unternehmens, aber sie sind ein Signal an die Aktionäre, dass ein Unternehmen mit anhaltendem Erfolg rechnet. Schon früh in seiner Geschichte hat Amazon (WKN:906866) seine Aktien mehrfach gesplittet, aber seit Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich der E-Commerce-Riese dafür entschieden, nicht mehr zu splitten, auch wenn sein Aktienkurs auf Rekordhöhen gestiegen ist. Die Amazon-Aktionäre haben mit ihren beeindruckenden Gesamtrenditen nichts zu beanstanden, aber viele fragen sich immer noch, ob ein Aktiensplit eine gute Idee wäre.

Wann hat Amazon in der Vergangenheit Aktiensplits durchgeführt?

Der Erfolg von Amazon begann mit dem Internetboom der späten 90er Jahre, und dann setzte das Unternehmen die Aktiensplitstrategie ein, um den steigenden Aktienkurs unter Kontrolle zu halten. Der E-Commerce-Riese hat innerhalb von nur 15 Monaten drei Splits in rascher Folge durchgeführt und den Anlegern schnell 12 Aktien für jede Aktie, die sie vor dem Split besaßen, zur Verfügung gestellt.

Splitdatum Verhältnis 100 Aktien zu

Anfang 1998 wurden zu …

2. Juni 1998 2:1 200 Aktien
5. Januar 1999 3:1 600 Aktien
2. September 1999 2:1 1.200 Aktien

Datenquelle: Amazon Investor Relations.

Wenn wir zurückblicken, was die Aktiensplits von Amazon veranlasst hat, schien das Unternehmen ähnlichen Richtlinien zu folgen, wie die meisten anderen auch. Als Amazon Anfang 1998 seinen ersten Split einleitete, hatte die Aktie die 100-US-Dollar-Marke erreicht. Anschließend wartete man etwas länger, bevor es den 3:1-Split durchführte, wobei die Aktien dann über 150 US-Dollar wert war, aber das Unternehmen den Kurs in Richtung der 50-US-Dollar-Marke senken wollte. Später im Jahr 1999 hatte sich die Aktie wieder schnell hochgearbeitet, was zu einem erneuten Split führte.

Danach schickte die Tech-Blase in den frühen 2000er Jahren Amazon auf Talfahrt, wobei die Aktien bis auf 5 US-Dollar fielen. Das legte weitere Splits lange Zeit auf Eis, als Amazon sich erholte und Wege fand, sein Geschäft auszuweiten.

Amazon-Daten von YCharts.

Erst Ende 2009 gelang es Amazon, die Marke von 100 US-Dollar pro Aktie wieder zu überschreiten. Von dort aus verzeichnete die Aktie jedoch einen stetigen und eindrucksvollen Aufwärtstrend. Bis 2014 hatte sich der Kurs von Amazon vervierfacht, aber von einem erwarteten Aktiensplit war nicht die Rede. Nach einer kurzen Pause startete der E-Commerce-Gigant seinen letzten Lauf, der seinen Aktienkurs auf ein Niveau im vierstelligen Bereich gebracht hat. Wieder einmal schweigt Amazon jedoch über die Aufteilung seiner Aktien. Rückblickend sprach die Unternehmensleitung in ihren vierteljährlichen Telefonkonferenzen mit den Analysten und anderen Investoren nicht einmal über das Thema.

Stattdessen hat sich Amazon auf Wachstumsinitiativen konzentriert. Amazon Web Services hat von dem Aufschwung des Cloud Computing profitiert, während der Kauf von Whole Foods Amazon in einen physischen Einzelhandelsbereich gedrängt hat. Geografisch gesehen könnten die Bemühungen, ins Ausland in lukrative Märkte wie Indien zu expandieren, die Wachstumsraten von Amazon stärken, um die unvermeidliche Verlangsamung in den reiferen Industrieländern auszugleichen. Die Ausweitung der Vorteile der Prime-Mitglieder, die zunehmende Nutzung des Echo-Assistenten und ähnliche Strategien sind ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzepts von Amazon für eine langfristige Dominanz.

Sollten die Amazon-Investoren mit einem Split rechnen?

Die einzige Hoffnung, die  den Investoren gelassen wird, die einen Aktiensplit wünschen, ist, dass viele Elite-Unternehmen einen Split 7 für 1 in der jüngeren Vergangenheit vollzogen haben. Solch ein Schritt würde den E-Commerce-König immer noch mit einem Aktienkurs im oberen 100 US-Dollar-Bereich belassen, aber es würde ihn wieder in Einklang mit einigen seiner Konkurrenten an den amerikanischen Börsen bringen.

Tatsächlich gibt es eigentlich nur einen Anlass, der Amazon dazu bringen könnte, einen Split in Betracht zu ziehen: die Aufnahme in die Dow Jones Industrials. Der preisgewichtete Durchschnitt könnte nicht mit einem Aktienwert von 1.200 US-Dollar umgehen, aber er könnte mit einem Aktienkurs von 170 US-Dollar umgehen, der sich aus einem Split im Verhältnis 1:7 ergeben würde. Der Dow lädt nicht oft neue Unternehmen ein, aber Amazon wäre eine gute Ergänzung zu den großen Einzelhändlern, die bereits im Dow sind.

Amazon wird ohne Mitgliedschaft im Dow höchstwahrscheinlich seine Aktien weiter steigen lassen, ohne jemals einen Split zu machen. Mit einer wachsenden Zahl von Unternehmen, die sich dafür entscheiden, dieser allgemeinen Strategie zu folgen, gibt es wenig Druck auf Amazon, sich dem Trend zu widersetzen und zu Aktiensplits zurückzukehren.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Tochtergesellschaft von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon. 

Dieser Artikel wurde von Dan Caplinger auf Englisch verfasst und wurde am 01.12.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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