Amazon überwacht jeden Schritt seiner Lagerarbeiter, weil Jeff Bezos glaubt, dass Menschen von Natur aus faul sind

·Lesedauer: 2 Min.

Viele von Amazons Unternehmensrichtlinien wurden entworfen, um zu vermeiden, dass unqualifizierte Angestellte faul werden. Dies geht aus einem aktuellen Bericht der "New York Times" hervor. Der ehemalige Amazon-Vizepräsident David Niekerk, der das Lagerverwaltungssystem des Unternehmens mitgestaltet hat, sagte im Gespräch mit der Zeitung, dass Amazon-Gründer Jeff Bezos glaubt, dass alle Menschen von Natur aus faul sind. Diese Annahme hat viele Richtlinien des Unternehmens geprägt.

Niekerk sagte außerdem, dass Bezos der Ansicht war, dass die Leistungsbereitschaft von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit der Zeit abnimmt. Der ehemalige Geschäftsführer bezeichnete diese Entwicklung als einen "Marsch in die Mittelmäßigkeit". "Bezos zufolge liegt es in der menschlichen Natur, so wenig Energie wie möglich aufzuwenden, um zu bekommen, was wir wollen oder brauchen", erklärte Niekerk.

Niekerk erwähnte in diesem Rahmen insbesondere das kurzfristige Beschäftigungsmodell von Amazon, das den Beschäftigten nicht viele Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens bietet, sowie den Einsatz von Technologie, um die Angestellten zu kontrollieren. Die Firma garantiert keine Lohnerhöhungen mehr nach den ersten drei Jahren, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdrängen, die es sich bei Amazon zu bequem machen oder "unzufrieden" werden könnten.

Diese von Niekerk beschriebenen Praktiken gehören zu den kontroversen Methoden des Unternehmens - dazu zählen Vorgänge wie die Entlassung von Angestellten nach einem einzigen Tag mit geringer Produktivität sowie die ständige Aufrechterhaltung der Arbeit mit begrenzten Pausenzeiten und hohen Produktivitätszielen. Bei vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern haben diese Praktiken das Gefühl hinterlassen, dass Amazon sie eher wie Maschinen als Menschen betrachtet. "Wir sind doch Menschen", schrieb ein Mitarbeiter auf das interne Feedback-Board eines Lagers. "Wir sind keine Werkzeuge, die ausschließlich dazu dienen, um die täglichen/wöchentlichen Ziele und Raten zu erreichen."

Amazons Unternehmenskultur und die hohen Erwartungen an die Beschäftigten führen dazu, dass das Unternehmen auch bei Arbeitsunfällen ganz vorne mit dabei ist. Anfang des Monats berichtete die "Washington Post", dass Amazon-Lagerarbeiter fast doppelt so häufig von schweren Verletzungen betroffen sind wie Mitarbeiter anderer Unternehmen, zum Beispiel Walmart.

Im April hat Bezos angekündigt, dass das Unternehmen daran arbeitet, "besser für seine Angestellten zu sorgen". Er sagte, Amazon werde bis 2021 über 300 Millionen Dollar investieren, um die Lagerhäuser sicherer zu machen. Außerdem betonte er, dass das Unternehmen "eine bessere Vision dafür braucht, wie wir einen Mehrwert für die Mitarbeiter schaffen — eine Vision für ihren Erfolg".

Amazon reagierte bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht auf eine Bitte um eine Stellungnahme.

Dieser Artikel wurde von Ilona Tomić aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.