Alzheimer: Uniklinik Köln baut erstes und einziges Präventionsregister auf

Die Zahl der an Alzheimer Erkrankten wird bis 2050 deutlich steigen.

Es gibt verschiedene Demenz-Formen. Die häufigste ist die Alzheimer-Krankheit. Weltweit leben circa 46,8 Millionen Menschen mit der Diagnose Alzheimer. Experten gehen von einem Anstieg der Patientenzahlen auf 131,5 Millionen bis zum Jahr 2050 aus.

In Deutschland sind etwa 1,2 Millionen Menschen erkrankt. Bis 2050 könnte ihre Zahl auf drei Millionen steigen. Bislang ist es nicht möglich, die Erkrankung zu heilen. Der Durchbruch in der Alzheimer-Forschung lässt auf sich warten. Hoffnungslos ist die Situation dennoch nicht. Zunehmend rückt die Prävention in den Vordergrund.

Noch gibt es keine wirksamen Medikamente

„Bisherige Studien zeigen, dass Menschen seltener an Alzheimer erkranken, die sich körperlich betätigen, sich gesund ernähren, soziale Kontakte und Engagements pflegen und sich geistig fit halten“, sagt Professor Dr. Frank Jessen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Köln.

Die zweite Ebene der Prävention ist die medikamentöse Behandlung der Alzheimer-Erkrankung. Noch gibt es keine wirksamen Medikamente, aber auch auf diesem Gebiet machen die Wissenschaftler Fortschritte. Professor Jessen ist nach eigener Aussage derjenige, der in Deutschland am häufigsten Alzheimer-Forschung im klinischen Sinn betreibt. Mit Hilfe der klinischen Forschung können Therapien und Medikamente entwickelt und verbessert werden.

Viel Unterstützung benötigt

Unter seiner Leitung entsteht in Köln das erste und einzige Alzheimer-Präventionsregister in Deutschland. „Ziel ist es, die Kontaktdaten von an Alzheimer-Prävention interessierten Menschen zu sammeln und sie alle drei Monate im Rahmen eines Newsletters über aktuelle Forschungsergebnisse und neue Konzepte zur Prävention der Alzheimer-Krankheit zu informieren.

Außerdem werden wir über das Register auf Präventionsstudien in Köln aufmerksam machen, an denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv beteiligen können“, so Jessen. „Wir haben die Hoffnung, dass wir in der Zukunft Therapien haben, die das Auftreten einer Demenz zumindest verzögern können. In Köln werden wir uns in den nächsten Jahren intensiv mit Studien zur Alzheimer-Prävention beschäftigen. Dafür brauchen wir viele Menschen, die uns unterstützen.“

Wissen wächst kontinuierlich

Der entscheidende Punkt ist das frühzeitige Erkennen der Krankheit. „Alzheimer entwickelt sich langsam. Über 20 bis 30 Jahre.“ Dieses große Zeitfenster möchten die Experten nutzen. Wie der Kölner Wissenschaftler sagt, wird ein Mittel gesucht, um die Krankheit in einem frühen Stadium womöglich zu stoppen. „Ob sich der Verlauf komplett aufhalten lässt, ist nicht absehbar. Aber wenn es gelingt, ihn zu mildern oder zu verzögern, wenn noch keine oder nur leichte Symptome da sind, könnte das enorm helfen. Klar ist allerdings: Abgestorbene Gehirnmasse lässt sich nicht wiederherstellen.“

Das Wissen über die krankhaften Veränderungen im Gehirn bei Alzheimer wächst kontinuierlich. Bildgebende Verfahren wie Computer-Tomografie (CT) oder Magnetresonanz-Tomografie (MRT) ermöglichen einen aufschlussreichen Blick in die entscheidenden Gehirnbereiche. Mit der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) können Eiweißablagerungen, die für die Zerstörung der Nervenzellen im Gehirn verantwortlich sind, sichtbar gemacht werden. Die Fachleute sprechen bei diesen Ablagerungen von Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen.

Wer kommt als Studienteilnehmer in Frage?

Über das Kölner Alzheimer-Präventionsregister sollen auch Teilnehmer für künftige Studien rekrutiert werden, um Substanzen zur Prävention zu testen. „Mehrere Projekte befinden sich in der Startphase. Jetzt in der zweiten Jahreshälfte möchten wir mit verschiedenen Studien starten“, sagt Jessen. 

Wer kommt als Studienteilnehmer in Frage? „Grundsätzlich ist jeder interessant. Wir wissen ja nicht, wie es in den Köpfen aussieht. Wichtig ist, sich überhaupt ins Register einzutragen. Allerdings kommt jemand mit Mitte 50 eher in die Studie als ein 20-Jähriger. Die Teilnehmer müssen bereit sein, verschiedene Verfahren zu durchlaufen. Das reicht vom Gedächtnistest über genetische Untersuchungen, Lumbalpunktionen und Aufnahmen vom Kopf“, erläutert Frank Jessen.

Investitionen im dreistelligen Millionenbereich

Bei der Lumbalpunktion wird Liquor (Nervenwasser) entnommen. Die Untersuchung dient unter anderem der Erstdiagnose einer Demenz. Lohn für die Mühen: „Die Studien-Teilnehmer sind Teil eines dynamischen Systems. Getestet werden die neuesten Medikamente. Wir können relativ schnell feststellen, ob ein Medikament wirkt. Tut es das nicht, fliegt es rasch raus.“

Jessen verhehlt nicht, dass die Alzheimer-Forschung in der Vergangenheit immer wieder herbe Rückschläge hinnehmen musste. „Vor zwei, drei Jahren herrschte eine große Euphorie. Wir dachten alle, ich auch, dass 2017/2018 das neue Alzheimer-Medikament kommt. Die meisten großen Studien waren top, aber die alles entscheidende brachte nicht die erhofften Effekte. Daraufhin ist das ganze Präparat eingestampft worden.“ Die Investition der Pharmafirma lag wohl deutlich im dreistelligen Millionen-Bereich. Alle großen Pharmafirmen haben Alzheimer-Programme. „Wenn das Präparat kommt, ist der Markt groß. Bei Alzheimer wird viel geforscht, bei selteneren Demenzformen sieht es schlechter aus.“ 

Zur Person

Professor Frank Jessen (50) ist Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Köln. Die Klinik kooperiert mit dem Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in der Helmholtz-Gemeinschaft am Standort Bonn. Jessens Forschungsschwerpunkte sind die Früherkennung von Demenz-Erkrankungen im Bereich der Magnetresonanz-Tomografie sowie die Durchführung klinischer Therapiestudien bei Demenz. 

Adressen: Kölner Alzheimer-Präventionsregister

neurologie-psychiatrie.uk-koeln.de

Zentrum für Gedächtnisstörung (ZfG) im Gebäude der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln, Kerpener Straße 62, 50937 Köln (Haus 31)

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