Im Alter wird es besonders teuer

Fast 340 Milliarden Euro wurden 2015 für die Prävention, Diagnose und Behandlungen von Krankheiten ausgegeben. Etwa die Hälfte davon fiel für die Behandlung von Männern und Frauen über 65 Jahren an.


Deutschland lässt sich die Gesundheit seiner Bürger immer mehr kosten. Seit 2002 sind die Krankheitskosten von 223,6 Milliarden auf 338,2 Milliarden Euro im Jahr 2015 gestiegen, meldet das Statistische Bundesamt. Neben dem medizinischen Fortschritt, der generell wachsenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen, der allgemeinen Inflation und nach wie vor bestehenden Überkapazitäten beim Leistungsangebot spielt dabei auch immer mehr die Alterung der deutschen Bevölkerung eine Rolle. Doch schlägt diese sich bisher nicht ganz so dramatisch in der Kostenstatistik nieder wie eigentlich zu erwarten gewesen wäre.

Nach den Daten des Statistischen Bundesamts wuchs nämlich der Anteil der Älteren seit 2002 von 17,3 auf 21 Prozent. Ihr Anteil an den Krankheitskosten stieg dagegen nur von 44 auf 49,8 Prozent. Dies ist zumindest ein Indiz dafür, dass die Gesundheitsökonomen Recht behalten könnten, die davon ausgehen, dass die Alterung der deutschen Bevölkerung die Gesundheitsausgaben nicht so stark steigen lassen wird, wie Pessimisten befürchten. Ganz einfach deshalb, weil die Älteren heute länger gesund bleiben. Weil sich jedoch die Datenbasis jedes Jahr verändert, weist das Statistische Bundesamt darauf hin, dass Ergebnisse aus verschiedenen Jahren nur bedingt vergleichbar sind.


Gleichwohl wird es im höheren Alter deutlich teurer. Je Einwohner fielen 2015 etwas mehr als 4100 Euro Krankheitskosten an. Bei den 15- bis 64-Jährigen waren es nur 2780 Euro, während bei Menschen zwischen 65 und 85 Jahren die Ausgaben bereits auf 8350 Euro pro Kopf hochschnellen. Richtig teuer wird es bei den Über-85-Jährigen. Sie verursachten pro Kopf Kosten von 19.790 Euro – fast fünf Mal so viel wie die Einwohner im Durchschnitt.

Die Rangordnung der Krankheiten, die diese Kosten verursachen, hat sich geändert. Psychische Erkrankungen spielen eine immer größere Rolle. Aber nach wie vor liegen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 13,7 Prozent bzw. 46,4 Milliarden Euro vorne. Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen folgen mit 44,4 Milliarden Euro und einem Anteil von 13,1 Prozent nur wenig dahinter. Die dritthöchsten Kosten verursachen Krankheiten des Verdauungssystems mit 41,6 Milliarden Euro. Zu ihnen gehören auch in der Systematik der Statistik die Kosten für zahnärztliche Leistungen und Zahnersatz. Kostenpunkt: 17 Milliarden Euro. An vierter Stelle folgten Muskel-Skelett-Erkrankungen mit einem Betrag von 34,2 Milliarden Euro. Damit war rund die Hälfte der Kosten auf vier Krankheitsklassen zurückzuführen. 


Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren bei Männern mit 600 Euro pro Kopf mit höheren Kosten verbunden als bei Frauen (540 Euro). Ein umgekehrtes Bild zeigte sich bei Krankheiten der Psyche und Verhaltensstörungen. Hier lagen die Krankheitskosten pro Kopf bei Frauen mit 670 Euro rund 1,6-mal so hoch wie bei Männern (420 Euro). In der Gruppe der Menschen, die 85 Jahre und älter sind, lösen inzwischen psychische Störungen die höchsten Krankheitskosten aus – mit 4280 Euro pro Kopf. Das ist ein Hinweis auf die wachsende Bedeutung von Demenzerkrankungen in einem älter werdenden Deutschland, gefolgt von Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 3490 Euro.

Die Krankheitskostenrechnung schätzt die ökonomischen Folgen von Krankheiten für die deutsche Volkswirtschaft ab. Zu den Kosten zählen die unmittelbar mit einer medizinischen Heilbehandlung, Präventions-, Rehabilitations- oder Pflegemaßnahme verbundenen Ausgaben.