Studie enthüllt: Darum gibt es Hochzeiten

Die Tradition der Eheschließung hatte ganz praktische Gründe. (Bild: ddp Images)

Wer dachte, die Ehe sei ein modernes Konzept, in dem Mann und Frau aus Liebe ein Gelübde abgeben, irrt sich. Denn laut einer Studie sind die ersten „anatomisch modernen“ Menschen diese Verbindung eingegangen, um Inzest zu vermeiden.

Britische und dänische Wissenschaftler untersuchten verschiedene Grabstätten in Europa und Asien und examinierten sterbliche Überreste der dort begrabenen Vorfahren. Die teilweise bis zu 34.000 Jahre alten Knochen eurasischer Menschen wurden auf genetische Gemeinsamkeiten hin getestet. Die DNA-Information, die die Forscher dabei erhielten, zeigt deutlich, dass bei den ersten Menschen kaum bis keine Inzucht herrschte.

Die Gräber enthielten neben den menschlichen Überresten auch Schmuck und andere wertvolle Objekte, die den gemeinsam begrabenen Skeletten beigefügt waren. Die Wissenschaftler schlossen aus diesen besonderen Grabbeigaben, dass hochzeitsähnliche Rituale bereits sehr früh existierten. Ähnlich wie die Ringübergabe heutzutage, hatten unsere Vorfahren also Zeremonien, die die Zusammengehörigkeit symbolisierten, sich aber gleichzeitig so auch von anderen Familienverbänden abgrenzten. Dies deutet darauf hin, dass frühe Menschen absichtlich Partner außerhalb ihrer eigenen Stämme suchten.

In Gräbern fand man Hinweise auf erste Hochzeitsriten. (Bild: ddp Images)

Die im „Science Journal“ veröffentliche Untersuchung macht deutlich, dass schon die ersten „anatomisch modernen Menschen“ die Auswirkungen von Inzest kannten. „Das bedeutet, dass selbst Menschen aus dem Jungpaläolithikum, die in winzigen Gruppen lebten, die Wichtigkeit der Vermeidung von Inzucht verstanden haben”, schrieb Evolutionsbiologe Eske Willerslev in seiner Studie. „Das heißt, sie müssen ein System für genau diesen Zweck entwickelt haben.“ Dies sei das System der Ehe und Hochzeit, die dafür sorgte, dass sich Menschen unterschiedlicher Familien miteinander verbanden.

Obwohl es nach wie vor unklar ist, wie genau die Zeremonien der ersten Menschen aussahen, sind viele ihrer Rituale bis heute fast unverändert in moderne Hochzeitstraditionen eingeflossen. So fand man in verschiedenen Grabstätten Anzeichen von Kräutersträußen aus Knoblauch und anderen Gewürzen – vermutlich, um böse Geister abzuwehren und um sich vor Krankheiten zu schützen. Ganz ähnlich dem heutigen Brautstrauß.

Auch der Ehering hat seinen Ursprung weit vor der Entdeckung von Diamantklunkern. Die alten Griechen glaubten beispielsweise, dass sich im Ringfinger eine Vene befindet, die direkt zum Herzen führt. Dass Hochzeitskleider meist um einen Schleier ergänzt werden, kommt von der uralten Vorstellung, dass damit die Braut vor bösen Geistern und Einflüssen geschützt bleibt.

Wer sich also für das Konzept der Ehe entschließt und dies mit einer Hochzeit besiegelt, steht in einer wirklich sehr langen Tradition von Menschen.