Alter: 100 Jahre Leben

Hildegard Lehmann ist 101 Jahre alt – und quicklebendig

Ein Mietshaus an einer Hauptstraße in Westend. Es dauert eine Weile, bis Hildegard Lehmann die Tür öffnet. Klein ist sie, fast winzig. Eine Frau von nur einem Meter fünfzig, wache Augen in einem lebhaften Gesicht, das von weißen Haaren eingerahmt wird. Sie fragt: "Haben Sie schon oft geklingelt?"

Sie höre nicht mehr so gut, entschuldigt sie sich. Und das Laufen, ach, das Laufen. Das falle ihr auch schwer. Sie schaut auf ihr Gehgestell. Das braucht sie, seit sie gestürzt ist und sich Wirbel gebrochen hat. Drei oder vier, so genau weiß sie das nicht. "Mein Gott, ich werde eben alt", sagt sie, und es klingt, als könne sie es selber kaum glauben. Und dann lacht sie, und ihr Lachen ist das eines Mädchens, das gerade einen unverschämt guten Witz gehört hat. Hildegard Lehmann ist 101.

Im 19. Jahrhundert wäre sie eine Attraktion auf dem Jahrmarkt gewesen. Ein Freak, eine Exotin, ein Wunder. Frauen wurden damals selten älter als fünfzig. Inzwischen hat sich die Lebenserwartung verdoppelt. Nie zuvor wurden die Leute so alt wie heute. 17.000 Hundertjährige leben derzeit in Deutschland. Bis 2050, heißt es bei den Vereinten Nationen, wird sich ihre Zahl verzehnfachen. Weltweit werden es dann 3,2 Millionen sein. Und der Trend setzt sich fort. Jedes zweite Kind, das nach der Jahrtausendwende geboren wird, hat gute Chancen, das 100. Lebensjahr zu erreichen. Ein gesünderer Lebenswandel und Fortschritte in der Medizin machen es möglich.

Bild Nr. 1:
In der Küche von Hildegard Lehmann. Die 101-Jährige versorgt sich noch weitgehend alleine Amin Akhtar

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