Alte Liebe rostet nicht: 88-jährige Kölnerin hat mit ihrem Toyota ganz Europa erlebt

Ihrem Toyota Celica ist die Seniorin nun seit 31 Jahren treu.

Das Ein- und Aussteigen aus ihrem tief liegenden Coupé fällt Vera van Beveren mittlerweile nicht mehr so leicht. Aber auf ihren japanischen Flitzer verzichten – das käme der fast 88-Jährigen nicht in den Sinn. Ebenso wenig verzichtet die Journalistin auf das Arbeiten. Noch immer betreibt sie einen „Büro- und Medienservice“, ist Mitglied der Redaktion der Website Chorweiler-Panorama und noch immer übernimmt sie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Interessengemeinschaft Köln-Blumenberg e.V.

In dem Stadtteil im Kölner Norden wohnt die gebürtige Berlinerin erst seit einigen Jahren. „Ich bin so viel umgezogen in meinem Leben“, sagt van Beveren. Anfang der 1950er nach Marokko und in andere afrikanische Länder, nach Rio de Janeiro und später von dort nach Düsseldorf – die alte Dame hat die Welt gesehen.

Wo auch immer sie sich gerade befand: Fortbewegt hat sie sich am liebsten im Auto, noch lieber in Autos mit ein bisschen mehr Power unter der Haube. Dass sie ihren 140 PS starken Toyota Celica mittlerweile seit 31 Jahren besitzt, war eigentlich nicht vorgesehen. Aber auf beider „alte Tage“ will sich van Beveren nicht mehr von ihm trennen.

Deshalb habe ich ihn:

Ich fahre seit meinem 18. Lebensjahr Auto, den Führerschein habe ich seit 1947. Kurz danach habe ich mit meinem Mann in verschiedenen afrikanischen Ländern gelebt, weil er dort gearbeitet hat. Zuletzt auch in Rio de Janeiro. Ich bin in allen Ländern Auto gefahren und hatte immer Spaß daran, Kleinigkeiten selbst zu reparieren. Zurück in Deutschland, habe ich am liebsten Coupés gefahren, vom Alfa Spider bis zum BMW 2000 Coupé. Bis heute bin ich gern sportlich unterwegs. Anfang der 1970er Jahre bin ich auf Empfehlung eines Freundes auf einen Toyota Celica umgestiegen. Aber erst, nachdem ich extra von meinem damaligen Wohnort Düsseldorf nach Köln gefahren war, um mir das Ersatzteillager von Toyota anzusehen. Bei dem Alfa Spider war damals die Ersatzteilversorgung nämlich sehr langwierig, das wollte ich mir nicht noch einmal antun. Mittlerweile fahre ich den dritten Celica und den schon seit 1986. Ich habe meine Autos immer neu gekauft und nach 65.000 Kilometern wieder verkauft. Beim jetzigen Toyota ist das anders gelaufen. Als er 65.000 Kilometer runter hatte, hoffte ich auf ein Nachfolgemodell mit niedrigerer Ladekante. Das kam aber nicht und so bin ich ihm treu geblieben. Der Wagen hat jetzt mehr als 205.000 Kilometer gelaufen und der Umstieg lohnt sich nicht mehr. Abgesehen davon ist mir die moderne computergesteuerte Autotechnik zu störanfällig.

Das kann er:

Wenn es sich anbot, bin ich immer gern schnell gefahren. Darüber hinaus hat mich auch die Sonderausstattung begeistert. Bei Toyota war alles inklusive, was man bei vielen anderen Herstellern zusätzlich bezahlen musste. Die Zentralverriegelung zum Beispiel, die Warnleuchten in den geöffneten Türen oder die Höhenverstellung des Fahrersitzes inklusive Bandscheibenstütze und Seitenstützen. Darüber hinaus ist der Wagen nie reparaturanfällig gewesen, bis heute mussten nur Kleinigkeiten ersetzt werden. Insofern ist es immer auch ein sehr günstiges Auto gewesen, was die Unterhaltskosten angeht. Zudem hat er einen großen Kofferraum und umlegbare Rücksitze, um ihn noch zu vergrößern.

Das kann er nicht:

Sein Wendekreis ist mit zwölf Metern sehr groß. Der Verbrauch ist nach heutigen Maßstäben auch recht hoch. In der Stadt genehmigt der Wagen sich etwa zwölf Liter Super, da wird es schon recht teuer. Und mehr denn je ist es für mich problematisch, schwere Dinge über die hohe Ladekante in den Kofferraum zu heben. Das Aussteigen aus den tiefen Sportsitzen wird für mich auch immer schwieriger.

Das habe ich für ihn getan:

Er hat einen rundum erneuerten Auspuff. Mit 165.000 Kilometern hat er eine neue Kupplung bekommen und danach ein neues Zündschloss. Später musste auch ein neuer Wasserkühler her. Aber das war es auch schon.

Das haben wir erlebt:

Ich bin mit dem Toyota quer durch Europa gefahren, inklusive England mit seinem Links-Verkehr. Ich war immer am liebsten mit dem Auto unterwegs, das bedeutete für mich Unabhängigkeit, Beweglichkeit und die Mitnahme von viel Gepäck. Das Auto war für mich immer das Fortbewegungsmittel schlechthin, damals in Afrika gab es sowieso kaum Alternativen. Bis auf einen kleineren, unverschuldeten Auffahrunfall auf der Autobahn bin ich bis jetzt von größerem Unheil verschont geblieben. Selbst in Marokko, wo es in den 1950er Jahren noch sehr primitive Straßen in den Bergregionen wie dem Hohen Atlas gab.

Das haben wir vor:

Die Frage ist, wer von uns zuerst Tschüss sagt: das Auto oder ich. Ich hätte nichts dagegen, wenn wir beide noch ein Weilchen durchhalten.

Aufgezeichnet von Tobias Christ

Steckbrief Toyota Celica GT 2.0

Baujahr: 1986

Hubraum (ccm):  2000

PS: 140

Zylinder: 4

km/h (max.): 240

Verbrauch: 8-12 Liter

Gebaute Exemplare: n.b. 

Neupreis (D-Mark): 35.000...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta