„Alt“ gegen „fett“: So haben sich Trump und Kim Jong-un bislang beleidigt

In diesem Krieg der Worte wird es gern blumig. (Bild: AP Photo)

Es geht immer noch persönlicher. Am Wochenende hat US-Präsident Donald Trump mal wieder gegen Nordkoreas Kim Jong-un gewettert und den Diktator indirekt als „klein und fett“ bezeichnet. Das ist nur das neueste Kapitel einer langen Chronik an Beleidigungen, in der beide Kontrahenten wahrlich kein Blatt vor den Mund nehmen.

Dass sich die Staatsführer zweier Atommächte in aller Weltöffentlichkeit nach Lust und Laune beleidigen – das hat es vor Donald Trump und Kim Jong-un in dieser Form wohl noch nie gegeben. Eine volle Breitseite landete der US-Präsident ausgerechnet während seiner ersten Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Am 19. September schreckte Trump die Zuhörer auf, als er den nordkoreanischen Diktator plötzlich flapsig als „Rocket Man“ (Raketenmann) bezeichnete und Nordkorea für den Fall eines Erstschlags mit totaler Vernichtung drohte.

Der Diktator blieb die Antwort nicht lange schuldig. Zwei Tage nach Trumps Rede beschimpfte Kim ihn als „dementen Greis“, den er mit „Feuer bändigen“ werde. Dieser verbale Angriff bereicherte sogar den Wortschatz vieler Beobachter. Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA benutzt in der englischen Übersetzung den Begriff „Dotard“. Dieser aus dem 14. Jahrhundert stammende Ausdruck war selbst vielen Muttersprachlern nicht geläufig. Deutsche Medien übersetzten ihn mit „Tattergreis“, „senil“ oder eben mit „dementer Greis“.

Trump sagt gern, was er denkt. (Bild: AP Photo)

Dem US-Präsidenten wiederum gefiel sein Spitzname für Kim offenbar so gut, dass er ihn seitdem wiederholt benutzt hat. Fast schien ein entsprechender Tweet die beiden Atommächte endgültig an den Rand eines Krieges zu treiben. Am 24. September schrieb Trump: „Habe gerade den nordkoreanischen Außenminister bei den Vereinten Nationen sprechen gehört. Sollte er die Gedanken von Little Rocket Man wiedergeben, werden sie nicht mehr viel länger existieren!“

Nordkorea wollte diese Aussage Trumps als Kriegserklärung verstanden wissen. Außenminister Ri Yong Ho drohte, sein Land behalte sich das Recht vor, US-Bomber abzuschießen.

Manchmal sind bei Trumps Verbalattacken gegen den Diktator allerdings auch Kollateralschäden in den eigenen Reihen zu beklagen. Anfang Oktober twitterte der Republikaner: „Ich habe Rex Tillerson, unserem wunderbaren Außenminister, gesagt, dass er bei den Verhandlungen mit Little Rocket Man seine Zeit vergeudet …“ Mit diesem Tweet gelang Trump das diplomatische Kunststück, zugleich Kim und seinen Außenminister zu brüskieren.


Die jüngsten Ausfälle gab es nach Trumps Besuch in Südkorea. Das nordkoreanische Außenministerium nutzt die Chance, den US-Präsidenten als „alten Irren“ zu beschimpfen. Dieser Schlag – obwohl mitnichten neu – saß offensichtlich. Trump keilte am Wochenende gewohnt dünnhäutig zurück und hob den Kampf der Worte auf ein neues Niveau. „Warum würde Kim Jong-un mich beleidigen, indem er mich ‚alt’ nennt, während ich ihn NIEMALS ‚klein und fett’ nennen würde?“, twitterte der 71-Jährige. Zynisch schob er hinterher: „Na gut, ich gebe mir solche Mühe, sein Freund zu sein – und eines Tages wird das vielleicht passieren!“ Dass Nordkorea ihn im gleichen Atemzug als „Kriegstreiber“ bezeichnet hatte, war Trump hingegen keinen Kommentar auf Twitter wert.