Alphabet vor den Zahlen: Es könnte holprig werden

Benedikt Kaufmann
Alphabet vor den Zahlen: Es könnte holprig werden

Heute Abend veröffentlicht Alphabet die Zahlen des zweiten Quartals 2018. Es könnte ein starker aber holpriger Quartalsbericht für Alphabet werden.

Die Analysten erwarten einen Anstieg der Erlöse um 22 Prozent auf 25,56 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie soll ebenfalls deutlich zulegen. Die Schätzungen belaufen sich auf 11,78 Dollar je Aktie – im Vorjahr wurden nur 8,67 Dollar je Aktie erzielt.

Problematisch könnte sich die Milliardenstrafe der EU-Kommission auswirken. Während die Höhe der Zahlung für Google langfristig leicht wegzustecken sein dürfte, könnte sich die Strafe mittelfristig negativ niederschlagen. Immerhin machen die 5,1 Milliarden Dollar rund 14 Prozent des erwarteten Nettogewinns im laufenden Geschäftsjahr aus. Geld, das nicht für Investitionen eingesetzt oder an die Aktionäre zurückfließen kann.

Höhere Kosten, sinkende Margen

Ein weiterer Punkt, den Anleger in der Vergangenheit oft negativ werteten, sind die steigenden Ausgaben und der damit einhergehende Druck auf die Gewinnmargen. Im ersten Quartal 2018 haben sich die Kapitalausgaben beinahe verdreifacht. Investitionen in Data-Center und Hardware waren entscheidende Faktoren. Doch auch laufende Kosten wie die sogenannten „Traffic Aquisition Cost (TAC)“ stehen im Fokus. Das sind Zahlungen beispielsweise an Apple, damit auf iPhone und Co die Google-Suche standardmäßig vorinstalliert wird. Daneben wachsen die margenschwachen Segmente innerhalb des Konzerns wie YouTube und MobileSearch am schnellsten.

Die Folgen sind deutlich ersichtlich: vom Q1 2017 bis zum Q1 2018 sank die Bruttomarge von 60,4 auf 56,8 Prozent. Ein Trend der anhalten dürfte und auch im Q2 2018 Quartalszahlen belasten könnte. In den vergangen vier Quartalsberichten reagierte die Aktie drei Mal negativ, obwohl die die Erwartungen der Analysten teils deutlich übertroffen wurden.

Langfristig überragende Aussichten

EU-Strafen und schwächere Margen stehen jedoch nicht nur dem starken Umsatz- und Gewinnwachstum gegenüber. Insgesamt bleiben die langfristigen Chancen für Alphabet-Anleger überragend, denn kein Großkonzern steht mehr für die Zukunft als Alphabet. So gilt der US-Gigant beispielsweiße als führend im Bereich selbstfahrende Autos – eine der wohl entscheidenden Technologien im ersten Teil des 21. Jahrhunderts. Solange die Gewinne weiter wachsen und damit Zukunftsinvestitionen getätigt werden können, empfiehlt DER AKTIONÄR: Langfristig dabeibleiben – auch wenn es kurzfristig holprig wird.