Was ich Alphabet von Amazon abschauen kann

Motley Fool Investmentanalyst

Alphabet (WKN:A14Y6H) verschwendet vielleicht Dutzende Milliarden.

Alphabet gibt riesige Geldbeträge für seine „anderen Bereiche“ aus – im Grunde genommen ist es die Erforschung neuer Technologien, um das nächste große Ding zu finden. Diese Ausgaben sind seit fast einem Jahrzehnt ein Teil der Quartalsberichte von Alphabet.

BILDQUELLE: STATISTA.

Ein Unternehmen, das es versäumt, den Bilanzgewinn verantwortungsbewusst anzulegen, arbeitet nicht für seine Anleger. Wären solche Investitionen ein einmaliges Ereignis, wäre es keine große Sache, vor allem für ein Unternehmen mit einer monopolistischen Suchmaschine, die viel Geld generiert. Aber im Laufe der Zeit müssen sich die Investoren fragen, ob das Unternehmen besser dran gewesen wäre, wenn es sein dieses Geld für den Rückkauf von Aktien oder Übernahmen verwendet hätte.

Aber sollen Technologieunternehmen nicht innovativ sein?

Um ehrlich zu sein, Alphabet ist ein Technologieunternehmen. Es soll daran arbeiten, die Technologie voranzubringen, und das Management hat Recht damit, zukunftsorientiert zu handeln. Schließlich ist die Geschichte voll von Technologieunternehmen, die wegen eines Mangels an Innovationen ins Hintertreffen geraten sind – denk an Xerox und Kodak. Diejenigen, die an die Strategie von Alphabet glauben, erkennen das und unterstützen die Suche nach dem „next big thing“, zumal Konkurrenten wie Amazon (WKN:906866)immer nach Wegen suchen, um ihre Ökosystemen auszubauen.

Aber diese Projekte sind weitgehend unabhängig von Alphabets Kerngeschäft oder Larry Pages erklärtem Ziel, die künstliche Intelligenz zu verbessern.

Nehmen wir nur Projekt Foghorn, Alphabets Initiative, um Meerwasser in einen nutzbaren Kraftstoff für Verbrennungsmotoren umzuwandeln. Hätte es funktioniert, wären die CO2-Emissionen drastisch gesenkt worden. Oder die Drohnen-Internet-Initiative, bekannt als Titan, deren hochgestecktes Ziel es war, der ganzen Welt Internet zu bringen. Dann gibt es natürlich auch noch Google Glass. Im Grunde genommen ein Headset, das der Nutzer wie eine Brille trägt, die dem Nutzer Informationen in einem Smartphone-ähnlichen Format direkt auf den Gläsern anzeigt. Es funktionierte technisch, wurde aber wegen des Mangels an öffentlichem Interesse und Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre aufgegeben – Glass konnte auch Audio – und Videoaufnahmen machen.

Selbst wenn Alphabet mit einem dieser Projekte Erfolg haben würde, würden die Aktionäre nicht unbedingt davon profitieren. Alphabets Quartalsbericht für das dritte Quartal zeigte, dass die Einnahmen für diesen Bereich, zu denen Nest, Google Fiber und Dutzende anderer experimenteller Unternehmen gehören, im Jahresvergleich um 53 % gestiegen sind. Nicht schlecht, aber das Segment wies immer noch einen operativen Verlust von 861 Millionen US-Dollar aus.

Tech-Innovation ist nicht so einfach

Je mehr ich über diese Projekte von Alphabet gelernt habe, desto mehr bewundere ich Unternehmen wie Amazon, die ständig innovativ sind, aber auf eine Art und Weise, die den Wert des Kerngeschäfts steigern. Jeff Bezos war in der Lage, Amazon Web Services in eine riesige Cash Cow für Amazon zu verwandeln, aber man könnte meinen, dass einfaches Webhosting etwas gewesen wäre, was Alphabet natürlich dominieren würde. Im letzten Quartal, das am 30. September 2017 endete, gab Amazon allein 5,94 Milliarden US-Dollar für Technologie und Inhalte aus (im Wesentlichen Amazons Forschungs- und Entwicklungsausgaben, die auch Inhalte für Prime Video beinhalten), gegenüber 4,14 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2016. Eine riesige Summe Geld, aber das ist Wahnsinn mit Methode.

Das beste Beispiel dafür, dass Amazon die F&E-Ausgaben effektiv einsetzt, um sein Geschäft direkt zu erweitern, ist Prime. Eine Mitgliedschaft kostet 100 US-Dollar pro Jahr, aber die Abonnenten bekommen so viel mehr als nur kostenlosen Versand. Bezos & Co. bauen weiterhin auf dem Wert von Prime auf, mit Diensten wie kostenloser Fotospeicherung, Lebensmittelzustellung über Amazon Fresh, Unterhaltung über Amazon Prime Video und größeren Speicheroptionen (gegen eine zusätzliche Gebühr, natürlich). Wenn die Liste der Vorteile steigt, wird es immer schwieriger, nein zu einem Prime-Abonnement zu sagen.

Ein Erfolg bei den Experimenten von Alphabet wäre wahrscheinlich ein riesiger Segen für das Unternehmen. Aber man kann nicht anders, als sich zu fragen, ob Alphabet Geld liegen lässt und stattdessen Roulette spielt.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Tochtergesellschaft von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Suzanne Frey, eine Führungskraft bei Alphabet, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A-Aktien), Alphabet (C-Aktien) und Amazon.

Dieser Artikel wurde von Sean O'Reilly  auf Englisch verfasst und am 27.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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