Allianz-HV gestartet: Aktionäre bemängeln Hedgefonds-Debakel

(Bloomberg) -- Die Allianz SE hat um 10 Uhr mit ihrer Hauptversammlung begonnen, die virtuell stattfindet. Eines der Kernthemen sind Verluste aus der Implosion der als Structured Alpha bekannten US-Hedgefonds, die von der Tochter Allianz Global Investors angeboten wurden. Für den Vorfall musste der Konzern 3,7 Milliarden Euro zurücklegen, und weitere Kosten hat die Allianz bereits in Aussicht gestellt. Nach der Beantwortung von Aktionärsfragen sind für den späten Nachmittag die Abstimmungen zur Entlastung von Vorstand und Aufsichtrat geplant. Im Folgenden eine Übersicht dazu, wie sich Anteilseigner und Stimmrechtsberater im Vorfeld zu der Thematik oder dem geplanten Abstimmungsverhalten geäußert haben:

Union Investment

  • Will Vorstand und Aufsichtsrat entlasten

  • “Es sind jetzt leider dunkle Wolken am Allianz-Himmel aufgezogen, die wieder einmal aus den USA kommen und die Aktie belasten. (...) Anfangs wurde die Structured Alpha-Angelegenheit kleingeredet, dann musste die Allianz zurückrudern. Das hat Vertrauen am Kapitalmarkt gekostet. Sollte sich der Verdacht der Marktmanipulation bei AGI bewahrheiten, dürfte es für die Allianz noch wesentlich teurer werden, die Structured Alpha-Angelegenheit aus der Welt zu schaffen.” (Janne Werning, Leiter ESG Capital Markets & Stewardship)

DekaBank

  • Will Vorstand und Aufsichtsrat entlasten

  • „Das Jahr 2021 wirft wie kein anderes zuvor gleichermaßen Licht und Schatten auf die Allianz. So erfreulich die exzellenten operativen Erfolge sind, so enttäuschend und belastend ist Structured Alpha. Für die Aktionäre war 2021 ein verlorenes Jahr. Die Allianz-Aktie hat sich zehn Prozent schlechter entwickelt als der Versicherungssektor. Die Bemühungen des Teams um Herrn Bäte am Kapitalmarkt Vertrauen aufzubauen, wurden innerhalb kürzester Zeit zunichtegemacht. Structured Alpha hat das Vertrauen in das Allianz-Management in den Grundfesten erschüttert.” (Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance)

DWS Group

  • Will Aufsichtsrat entlasten, sich Votum zum Vorstand enthalten

  • “Das Ergebnis der Allianz für 2021 wird leider durch den Themenkomplex Structured Alpha getrübt. Die entsprechend gebildeten Rückstellungen wurden bereits in Teilen für Vergleiche in Anspruch genommen, allerdings sind noch weitere Verfahren anhängig. Wir werden künftig genau beobachten, wie der Vorstand dieses Thema löst. Für das abgelaufene Geschäftsjahr werden wir uns bei der Entlastung des Vorstands allerdings enthalten.” (Hendrik Schmidt, Senior Investment Stewardship Specialist)

Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

  • Will Vorstand und Aufsichtsrat entlasten

  • “Die Verluste rund um die Structured Alpha Fonds sind eine absolute Katastrophe. So etwas darf einfach nicht passieren. Jetzt geht es vor allem um zwei Fragen. Wie konnte das geschehen? Und schlummern in anderen Fonds noch ähnliche Haftungsrisiken?”. (Daniela Bergdolt, Vize-Präsidentin)

Glass Lewis

  • Rät Aktionären zu Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat

  • Da es keine Hinweise darauf gebe, dass die Mitglieder der beiden Gremien “ihrer Pflicht gegenüber den Aktionären wesentlich nicht nachgekommen sind, sehen wir keinen Grund, den Aktionären zu empfehlen, ihre Unterstützung zu verweigern”. Zwar könnten die Rechtsrisiken durch die Structured Alpha Fonds “berechtigterweise” Grund zur Sorge der Aktionäre sein. Doch Glass Lewis glaube, dass einige dieser Bedenken wohl durch die Maßnahmen des Aufsichtsrats und die bereitgestellte Offenlegung gemildert würden.

Institutional Shareholder Services

  • Rät Aktionären zu Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat

  • “Die Probleme werfen zwar einige Bedenken hinsichtlich der Risikomanagementprozesse auf, und einige Aktionäre möchten möglicherweise ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen. Allerdings wäre es unseres Erachtens verfrüht für Aktionäre, angesichts der Unklarheiten zum jetzigen Zeitpunkt eine überaus bedeutsame und symbolische Geste in Betracht zu ziehen, indem sie gegen die Entlastung stimmen würden, speziell weil die US-Aufsichtsuntersuchungen des DOJ und der SEC noch anhängig sind.”

(Neu: Start der Hauptversammlung im 1. Absatz)

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